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KERNS: Der Pfarrer lässt sich nicht mehr blicken

Die Kirchgemeinde will Pfarrer Patrick Mittermüller loswerden. Er ist nicht der erste Geistliche aus Deutschland, der in Obwalden keinen Seelenfrieden findet.
Adrian Venetz
Patrick Mittermüller im Mai 2014 beim Pfarrhof Kerns. (Bild Corinne Glanzmann)

Patrick Mittermüller im Mai 2014 beim Pfarrhof Kerns. (Bild Corinne Glanzmann)

Adrian Venetz

Es ist ein ungewöhnliches Trak­tandum, das an der Kirchgemeindeversammlung vom 11. Mai in Kerns auf dem Programm steht. Wörtlich heisst es darin: «Abwahl von Pfarrer Patrick Mittermüller und Ermächtigung des Kirchgemeinderates Kerns zur Kündigung des Arbeitsvertrags mit Herrn Pfarrer Patrick Mittermüller per 30. November 2016.»

Die Kirchgemeinde will also ihren Pfarrer loswerden. Der katholische Kirchgemeinderat wollte sich auf Anfrage unserer Zeitung nicht weiter zum Fall äussern und verwies auf die schriftlichen Erläuterungen, die auf dem Sekretariat der Kirchgemeinde zur öffentlichen Einsichtnahme aufliegen.

«Schwierige Situation»

Dort steht, dass Pfarrer Mittermüller seit dem 19. August 2015 «ununterbrochen krankheitsbedingt arbeitsunfähig» ist. Entsprechende ärztliche Zeugnisse lägen vor. «Aus persönlichkeitsrecht­lichen Gründen erfolgen zur Erkrankung keine detaillierten Informationen», schreibt der Kirchgemeinderat.

Klar aber ist, dass die Kirchgemeinde nun einen Schlussstrich ziehen will. «Durch die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit von Pfarrer Patrick Mittermüller entstand im Pfarreibetrieb eine schwierige Situation», heisst es. «Ein persönlicher Kontakt konnte über die ganze Zeit nicht hergestellt werden, was die Situation zusätzlich erschwert hat», zumal die Planung des Kirchenjahres und die aktuellen täglichen Geschäfte organisiert und durchgeführt werden müssten.

Nach Rücksprache mit Generalvikar Martin Kopp habe sich der Kirchgemeinderat daher entschlossen, an der Versammlung vom 11. Mai die Abwahl Mittermüllers zu beantragen.

Pfarrer nimmt einen Anwalt

Wie aus den Dokumenten zuhanden der Kirchgemeindeversammlung weiter hervorgeht, wehrte sich Pfarrer Mittermüller gegen die Kündigung. Er und sein Rechtsanwalt machten offenbar geltend, dass die Stiftungsurkunde aus dem Jahr 1565 zur Pfarrpfrund «keinen Auflösungsgrund des Arbeitsverhältnis­ses infolge krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit vorsehe», wie der Kirchgemeinderat schreibt. Mittermüller verlangte stattdessen, dass vorübergehend ein Pfarradministrator eingesetzt werde, bis er wieder arbeitsfähig sei.

Der Kirchgemeinderat dagegen stützt sich auf das aktuelle Personalreglement der katholischen Kirchgemeinde und den privatrechtlichen Arbeitsvertrag. In der besagten Stiftungsurkunde aus dem 16. Jahrhundert würden lediglich die Kompetenzen zur Wahl beziehungsweise Abwahl des Pfarrers geregelt, hält der Rat fest.

Generalvikar zeigt sich befremdet

«Intensiv in Kontakt» mit dem Kirchgemeinderat Kerns war in letzter Zeit der Generalvikar für die Urschweiz, Martin Kopp, wie er im Gespräch mit unserer Zeitung sagt. Seit letztem Sommer sei der Kernser Pfarrer krankgeschrieben. «Aber was los ist, wissen wir nicht.» Man habe das Gespräch mit Pfarrer Mittermüller gesucht, dieser kommuniziere jedoch nur via Anwalt. «Für die Seelsorge in Kerns ist das ein völlig unhaltbarer Zustand», sagt Generalvikar Kopp. «Eine Gemeinde wie Kerns darf nicht eine so lange Zeit ohne verantwortlichen Seelsorger sein.»

Gemäss Kopp war es Mittermüller selbst, der via Anwalt verlangt hat, dass die Abwahl an der Kirchgemeindeversammlung im Mai traktandiert wird.

Der gebürtige Saarländer Patrick Mitter­müller kam im Sommer 2012 aus Deutschland nach Kerns und wirkte dort zunächst als mitarbeitender Priester. Ab August 2013 amtete er als Pfarreiadministrator. Ein Jahr später wurde der 47-Jährige zum neuen Pfarrer gewählt.

Bereits während seiner Zeit als Pfarrer im deutschen Hillesheim war Mittermüller offenbar gesundheitlich angeschlagen. Gemäss der Regionalzeitung «Volksfreund» litt er an Asthma. «Meine Ärzte haben mir ein klares Votum gegeben», sagte Mittermüller vor seinem Weggang gegenüber der deutschen Lokalpresse. «Die Höhenluft der Schweiz soll mir helfen, gesund zu werden.» Kerns liegt allerdings nur 120 Meter höher als seine frühere Wirkungsstätte.

Patrick Mittermüller war für unsere Zeitung nicht erreichbar.

Erinnert an den Fall Schmaltz

Mit einem krankgeschriebenen Geistlichen aus Deutschland hatte auch die Gemeinde Giswil vor gut einem Jahr zu tun. Der damalige Pfarreileiter Ulrich Schmaltz liess sich in der Gemeinde nicht mehr blicken und legte ein ärztliches Zeugnis vor, als sich abzeich­nete, dass man ihm die Kündigung ausspricht. Schliesslich trennte man sich «einvernehmlich» von ihm, wie es damals hiess. Zu den Hintergründen war Stillschweigen vereinbart worden.

Dem Vernehmen nach sollen Patrick Mittermüller und Ulrich Schmaltz gut miteinander befreundet sein.

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