KERNS: Der «Turm» ist ihre dritte Beiz

Mit dem «Turm» hat Daniel von Rotz im Umkreis von wenigen Metern bereits den dritten Gastro-Betrieb übernommen. Eröffnet wurde er gestern am Kernser Märt.

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Sie hatten schon länger am «Turm» Interesse: Daniel und Olinda von Rotz, die neuen Pächter. (Bild: Christoph Riebli / Neue OZ)

Sie hatten schon länger am «Turm» Interesse: Daniel und Olinda von Rotz, die neuen Pächter. (Bild: Christoph Riebli / Neue OZ)

«Kreiselwirt!» Diesen Übernamen habe man ihm im Dorf kürzlich gegeben, erzählt Daniel von Rotz lachend. Grund: Seit gestern sind er und seine Frau Olinda die neuen Pächter des Restaurants zum Turm gleich neben dem Strassenkreisel, dem Knotenpunkt des Kernser Dorfes. Unmittelbar unterhalb des Kreisels betreibt das Wirtepaar seit fünf Jahren die Pizzeria Steihuis. Und wiederum auf der anderen Strassenseite seit vier Jahren auch den «Rosshimmel», ein Pub. Und: «Es bleibt alles offen», sagt Daniel von Rotz, «wir wollen die Synergien nutzen, die Angebote auf die Gäste abstimmen.»

Bereits vor Jahren hätte von Rotz den «Turm» gerne gepachtet, doch zu haben war er damals nicht. Jetzt hat sich fast alles von selbst ergeben: «Seit September sind wir am Renovieren», sagt Josef Moser, «Turm»-Besitzer und bekannter Schausteller aus Luzern. 6 Wochen haben er und seine Frau Brigitte – die Tochter des vormaligen «Turm»-Besitzers und alt Kantonsrats Josef Bolfing – selbst Hand angelegt und dabei auch Hunger gekriegt. Eingekehrt ist man schliesslich im «Steihuis». Das eine Gespräch mit dem dortigen Wirt ergab das andere: «Ich musste den Turm nicht einmal ausschreiben», freut sich Moser.

Drei Betriebe, dreifaches Risiko?

Beim Monopoly-Spiel an der Zürcher Bahnhofstrasse ein Gastro-Dreieck aufzubauen wie das von Daniel von Rotz in Kerns, das wäre wohl eine Goldgrube. Doch wie sieht es in der richtigen Welt aus? «Wir haben in den letzten fünf Jahren in Kerns neun Wirte ‹überlebt›», sagt von Rotz zur tristen Ausgangslage. Klar habe man die Entscheidung «überschlafen» müssen. «Mit einer guten Abmachung und dem Entgegenkommen von Sepp Moser ist uns der Entscheid dann aber ‹ring› gefallen.» Nicht zuletzt auch, weil er auf eine starke Frau an seiner Seite zählen dürfe, so von Rotz weiter.

Bauprojekt für Wohnungen sistiert

«Wir wollten nochmals einem Wirt eine Chance geben», erklärt Josef Moser dazu. «Wir hatten bereits ein Bauprojekt, das aus dem ‹Turm› 16 Wohnungen gemacht hätte, ganz ohne Gastronomie.» Mit viel Eigenleistungen habe man nun aber das 250-jährige Haus, das über eine gute Bausubstanz verfügt, renoviert und dafür rund 150 000 Franken investiert. «Dass wir nicht zu viel gemacht haben, kommt nun auch dem Wirt zugute», ist Moser überzeugt. Denn: «Ich habe Freude und bin stolz, wenn ich anderswo mal höre, dass man im ‹Turm› gut isst. Das ist mir viel mehr wert, als einen Batzen mehr für das Haus zu bekommen.»

«Als ich das Haus kaufte, hatte nur meine Schwiegermutter Freude, dass es weiterhin in der Familie bleibt», erzählt Moser. Nach der Renovation steckt für ihn jetzt auch eigenes Herzblut drin. «Mit dem Umbau ist die Freude am Haus gekommen», bestätigt ebenfalls seine Frau Brigitte. Dass sie mit Daniel von Rotz den richtigen Wirt gefunden haben, dem sie nun den «Turm» anvertrauen, davon sind Mosers überzeugt: «Als ehemaliger Kernser Tourismusdirektor kennt er hier alle Leute und ist in vielen Vereinen mit dabei. Das ist ganz wichtig.»

Französischer Einschlag

So oder so: Das Hauptziel haben Pächter und Eigentümer bereits erreicht: Die Wiedereröffnung fand pünktlich zum gestrigen Kernser Märt statt. «Das ist der wichtigste Tag im Jahr, da läuft am meisten», erklärt von Rotz. Und was erwartet die Gäste im Turm noch nach diesem «wichtigsten Tag»? Die Speisekarte soll einen französischen Einschlag erhalten. Fondue bourguignonne und chinoise soll man künftig im Nichtraucher-Saal – in der Beiz darf geraucht werden – geniessen können, der für 60 Personen Platz bietet.

Am Mittag gibt es Menüs für die Arbeiter – aufgrund der vielen Baustellen im Dorf werde der Platz für Bauarbeiter im «Steihuis» oftmals knapp. Die «Turm»-Bar wird mit Spielautomaten ausgestattet und soll besonders das junge Publikum ab 16 Jahren ansprechen («Rosshimmel» ab 18). Im Sommer soll noch eine Gartenwirtschaft mit Spielplatz für die kleinen Gäste dazukommen.

Christoph Riebli

Bild: Christoph Riebli / Neue OZ

Bild: Christoph Riebli / Neue OZ