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KERNS: Die Sportbahnen werden zur Chefsache

Der Präsident der Gesamtkorporation nimmt sich der Sportbahnen an. Niklaus Ettlin lässt durchblicken, dass grössere Veränderungen nicht ausgeschlossen sind.
Niklaus Ettlin, Präsident der Korporation Kerns. (Bild Pius Amrein)

Niklaus Ettlin, Präsident der Korporation Kerns. (Bild Pius Amrein)

Christiph Riebli

Nach den personellen Turbulenzen bei den Sportbahnen Melchsee-Frutt wird der Vorsitz in der Verwaltungskommission zur Chefsache, wie die Korporation Kerns gestern mitteilte. Korporationspräsident Niklaus Ettlin übernimmt somit die Aufgabe des am Dienstag mit sofortiger Wirkung zurückgetretenen Walter Röthlin, dies vorübergehend bis Ende November. Mit ähnlichen Verwaltungskommissionen führt die Korporation auch den Forst Kerns, das Sportcamp Melchtal oder die Kleinkraftwerke (EWK). Zum Hintergrund: Nach vier gewichtigen Abgängen des operativen und des strategischen Kaders innerhalb weniger Tage war Walter Röthlin zusammen mit dem Geschäftsführer Christian Dachs nicht zuletzt wegen seines Führungsstils in die Kritik geraten. Nebst dem Pisten- und dem Rettungschef ist Dachs der einzige in der Geschäftsleitung Verbleibende von ehemals fünf Mitgliedern. Wie weiter?

«Niemand macht alles richtig»

Mit Christian Dachs konnte Niklaus Ettlin in der Zwischenzeit noch nicht sprechen: «Bis jetzt war ich nicht sein direkter Vorgesetzter. Jetzt ist er meine wichtigste Bezugsperson zur Bahn», sagt Ettlin auf Anfrage. Als Nächstes wolle er deshalb das Gespräch mit ihm suchen und schauen, «wie wir miteinander klarkommen». Er wolle jedoch kein Kesseltreiben gegen einzelne Personen veranstalten – und wolle auch nicht, dass ein solches durch andere veranstaltet wird, so Ettlin. «Niemand macht alles richtig, und niemand macht alles falsch.» Es brauche nun erstmals eine saubere Auslegeordnung und keine voreiligen Schlüsse. «In dieser kurzen Zeit kann man keine Lösungen erwarten.»

Aufgabentrennung mangelhaft?

«Für die Ursachenforschung ist eine Auslegeordnung notwendig», pflichtet ihm Urs Wagenseil vom Institut für Tourismuswirtschaft an der Hochschule Luzern bei. Die konzentrierten Personalabgänge wertet er als «alarmierendes Zeichen». Von aussen betrachtet scheine es, als ob die Aufgabentrennung bei den Sportbahnen zwischen operativen und strategischen Geschäften nicht allzu gut funktioniere. «Möglicherweise sind die Gründe für die Abgänge im Kontext der Unternehmensstrukturen und Entscheidungskompetenzen zu suchen.» Zudem liege der Abgang des ehemaligen Geschäftsführers Xander Seiler auch noch nicht lange zurück. «Sind es wiederkehrende Probleme?», fragt sich Wagenseil. Falls ja, brächte eine «Pflästerlipolitik» – im Sinne: einfach neue Stelleninserate zu schalten – nichts. Die Sportbahnen seien ein Multimillionenunternehmen und bräuchten auf allen Ebenen eine kompetente Führung. Eventuell würde eine Führungsanalyse guttun, rät Wagenseil. Und zwar durch eine neutrale fachkompetente Person von aussen. Eine solche könnte sowohl vermitteln als auch mit anpacken, um den operativen Leistungsverlust der Abgänger teilweise zu kompensieren.

Umstrukturierung zerzaust

Mittel- und langfristig drängt sich etwas anderes auf: «Geschichtlich mögen die heutigen Strukturen durchaus gerechtfertigt sein, ob sie jedoch noch markttauglich sind, ist eine Frage, welche zu klären ist», regt Urs Wagenseil an. Noch im Frühling erteilte der Korporationsrat der Überführung der Sportbahnen Melchsee-Frutt in eine Aktiengesellschaft eine Absage. Dies, obwohl man bei der BDO ein teures Gutachten erarbeiten liess und die eigentliche Anregung dazu sogar aus den eigenen Reihen kam.

Im BDO-Bericht heisst es etwa: «Mit einer Ausgliederung in eine Aktiengesellschaft ist für den Betrieb selber mit schnelleren Entscheiden und Reaktionszeiten zu rechnen.» Ebenfalls steht geschrieben, dass die operative Ebene dadurch mehr Handlungsspielraum erhalte. Nur empfiehlt der Bericht auch, keine Vertreter der Korporation in den Verwaltungsrat zu entsenden. «Das hat aber zur Folge, dass der Verwaltungsrat unabhängig und im Interesse der Gesellschaft und – in Einzelfällen – nicht der Gesamtkorporation entscheidet.»

«Müssen konsequenter dahinter»

Lässt man, um nicht an Einfluss zu verlieren, den Strukturwandel deshalb bleiben und sucht den Grund für die Personalabgänge stärker im zwischenmenschlichen Bereich? Oder gibt man vielleicht auch der Umstrukturierung der Sportbahnen eine zweite Chance? «Die Kündigungen können schon ein Anzeichen für ein Problem personeller Art sein, doch wir haben auf alle Fälle ein strukturelles Problem bei den Bahnen», sagt Ettlin. Man müsse die Schaffung einer Aktiengesellschaft mindestens nochmals anschauen. «Aufgegleist war es schon, jetzt müssen wir konsequenter dahinter.» Sein erklärtes Ziel ist es, bis im Dezember 2016 – so lange ist Ettlin als Korporationspräsident gewählt und wird aufgrund der Amtszeitbeschränkung nicht mehr antreten können – das Schiff wieder auf Kurs zu bringen. «Der ordentliche Betrieb der Sportbahnen ist von den Turbulenzen nicht betroffen. Das Dienstleistungsangebot wird ohne Wenn und Aber aufrechterhalten.»

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