KERNS: Emil Wallimanns «musikalische Vernissage»

Es war ein Konzert, das nicht nur Jodlerfreunde in den Bann zog. Was die Besucher in der Pfarrkirche erlebten, war Jodelgesang vom Feinsten und emotional ein Erlebnis.

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Emil Wallimann präsentierte einen auserlesenen Querschnitt aus seinem umfangreichen Werk. (Bild: Izedin Arnautovic (Kerns, 15. Januar 2017))

Emil Wallimann präsentierte einen auserlesenen Querschnitt aus seinem umfangreichen Werk. (Bild: Izedin Arnautovic (Kerns, 15. Januar 2017))

Für den Ennetbürger Komponisten und Dirigenten Emil Wallimann hat ein ganz spezielles Jahr begonnen. Denn im Jahr seines 60. Wiegenfestes plant er, sein musikalisches Leben neu auszurichten. Den überwältigenden Auftakt dazu bildete das Neujahrskonzert am Sonntag.

Bereits eine halbe Stunde vor Konzertbeginn war die Pfarrkirche Kerns fast bis auf den letzten Platz besetzt, und das zahlreiche Publikum wartete fast andächtig der Dinge, die da kommen sollten. Alle waren gekommen wegen des auserlesenen Jodelgesangs der hochkarätigen Interpreten – und vor allem wegen Emil Wallimann.

Neujahrskonzert war zugleich CD-Taufe

Denn das Neujahrskonzert beinhaltete ausschliesslich Kompositionen aus seiner Feder. Gleichzeitig wurde Wallimanns neueste CD getauft mit dem Titel «So schön cha das sii» mit 18 auserlesenen Jodelkompositionen von ihm. Er selbst sagt dazu: «Dieses Konzert mit der CD-Taufe ist für mich als Komponist dasselbe wie für einen Fotografen oder Maler eine Ausstellung.» Insofern erlebte das Publikum am Sonntag die musikalische Vernissage dieser «Ausstellung». Da brauchte es nicht viele Worte. Die Laudatio dazu gabs für einmal in musikalischer Form, und statt Cüpli und Häppchen wie bei Kunstausstellungen gabs im Anschluss im Pfarreihof Kaffee-Schnaps und Ländlermagronen. Heimat pur, auch nach dem Konzert, wie dies bei Jodlerfreunden gelebt wird. Unter den begeisterten Konzertbesuchern traf man auch Silvia Meister, die Präsidentin des Nordwestschweizerischen Jodlerverbandes, welche von Solothurn nach Kerns gereist war. «Das war ein grossartiges Erlebnis», so ihr Kommentar.

Vorträge gingen unter die Haut

Den Auftakt zum genussreichen Konzert bildete der Naturjodel «Jütz vam Gornergrat», gesungen vom einheimischen Jodlerklub Fruttklänge, dessen Dirigent Emil Wallimann selber ist. Das Eis war schnell gebrochen, denn was die 26 Jodler und Jodlerinnen boten, ging unter die Haut. Die Mischung aus gepflegtem, klassischem «Schöngesang» und leicht archaischer Stimmgebung faszinierte das Publikum vom ersten Takt an. Mindestens so beeindruckend erklang die Titlis-Fantasie und das Lied «Heb Sorg», interpretiert von der Jodlergruppe Titlis aus Engelberg. Man spürte: Mit Emil Wallimann ist ein Komponist am Werk, der am Traditionellen festhält, aber doch neue Elemente einfliessen lässt. Beweis dafür sind die kreativen Modulationen und gar Moll-Teile, wie man sie im Jodelgesang eher selten antrifft.

Ein weiteres Erlebnis bot der Jodlerklub Sursee (u. a. «Härzlichkeite» mit einem einfühlsamen Text von Sepp Scheuber) und das Jodeldoppelquartett Bärgblüemli Littau. Beide Formationen gefielen durch ihre authentische Ausdruckskraft sowohl textlich wie musikalisch, insbesondere durch das harmonische Klangbild.

Ein grosses Finale mit sämtlichen Interpreten

Bereichert wurde das Konzert zudem von verschiedenen Duetten, Terzetten und Quartetten in wechselnder Zusammensetzung, die allesamt mit faszinierenden Vorträgen aufwarteten. Zum Abschluss traten nochmals die Fruttjodler auf die Bühne. Mit «Bärgerläbnis», einer eher einfachen Melodie und einem sinnigen Text setzten sie einen würdigen und tiefsinnigen Schlusspunkt. Natürlich begehrte das Publikum lautstark eine Zugabe. Und so kam es zum grossen Finale, bei dem sämtliche Interpreten die Bühne betraten. Die Formation war so gross, dass Maestro Wallimann die Rolle als eigentlicher Dirigent übernehmen musste, um den grossen Klangkörper zusammenzuhalten. Fantastisch erklang «Summerjuitz», die meistgesungene der über hundert Jodelkompositionen von Wallimann. Und: Wie er dirigierte, zeigte nur allzu deutlich seine wahre Grösse. Seine ganze Energie war auf die Musik und die Jodler fokussiert und nicht auf Äusserlichkeiten oder Show.

Kurt Liembd

 

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Hinweis

Die CD «So schön cha das sii» mit 18 Jodelkompositionen und zahlreichen Interpreten ist im Verlag des Komponisten erhältlich: www.emilwallimann.ch, e.wallimann@bluewin.ch oder 041 620 76 24.