KERNS: Frauen machen wieder Power

Am meisten zugelegt hat in den vergangenen Jahren die SVP. Mehr als zwei Sitze liegen aber aktuell kaum drin. Auffällig ist in Kerns der erneut hohe Frauenanteil.

Markus von Rotz
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Ausgerechnet in jener Gemeinde, in der das Frauenstimmrecht als letzte eingeführt wurde, sind 56 Prozent der Kandidaten für den Kantonsrat Frauen. Das ist klar der höchste Anteil aller sieben Gemeinden. Mit 43 Prozent Frauen führte Kerns bereits 2010 diese Liste an. Damals konnten die Frauen denn auch vier von neun Sitzen erobern. Dieses Jahr erhöhen vor allem die SP und die Juso den Frauenanteil mit ihren fünf Kandidatinnen am stärksten. Das andere Extrem bildet die CVP, die neben drei Männern nur eine Frau nominiert hat. Gerade umgekehrt ist das Verhältnis bei der SVP.

CVP konnte sich gut halten

Parteipolitisch war Kerns 2002 und 2006 sehr stabil. 2010 gab es eine kleine Veränderung, indem die SVP der CSP einen Sitz abnahm. Ihre Parteistärke (siehe Kasten) war von 15 auf 22 Prozent gestiegen, der Anspruch auf zwei Sitze also gerechtfertigt. Die 22 Prozent sind hinter Engelberg (31) und 24 (Sarnen) der dritthöchste Wert in den sieben Gemeinden, gut möglich, dass es damit nun nicht mehr aufwärtsgeht.

Spurlos ist der Vormarsch der SVP im Jahr 2010 an der stärksten Partei, der CVP, vorbeigegangen, die ihren Anteil von 30 Prozent halten konnte. Die CSP hat 2010 am deutlichsten verloren, ihre Parteistärke fiel von 20 auf 15 Prozent. Die FDP wurde damals ganz knapp von der SVP als zweitstärkste Partei abgelöst – in einer Gemeinde, in der die SVP auch zwei von sieben Gemeinderäten stellt.

FDP-Zugpferd fehlt

In Kerns treten acht von neun bisherigen Kantonsräten wieder an. Keine leichte Ausgangslage also für die 17 anderen Kandidaten. Zumal es 2010 in Kerns kein Restmandat (siehe Kasten) gab, die parteipolitischen Stärken also ziemlich ausgeglichen waren. Der FDP fehlt dieses Jahr Martin Ming, der nach 12 Jahren nicht mehr antritt und 2010 mit 1291 Stimmen das Spitzenresultat holte. Seine Partei tritt darum mit drei Neuen an, was ihre Ausgangslage etwas unsicher macht.

SP hat kleinen Spielraum

Die SVP kann wieder auf ihren Spitzenmann Hans Unternährer zählen, der 1224 Stimmen von den letzten Wahlen und damit fast gleich viel wie Ming im Rucksack hat. Angesichts der Wahlergebnisse 2010 und den damaligen Abständen innerhalb der jeweiligen Partei stehen die Chancen für alle Bisherigen gut, wieder gewählt zu werden. Wenig Spielraum hat allerdings die SP, die es 2010 mit knapp 11 Prozent Parteistärke schaffte, ihren Sitz zu verteidigen. 2002 reichten ihr allerdings noch 9 Prozent für einen Sitz.

Hohe Zahl Wiederkandidierende

In Kerns treten nicht weniger als sieben Kandidaten wieder an, die schon 2010 mit dabei waren. Drei von ihnen gehören der fünfköpfigen SP-Delegation an: Kurt von Rotz, Françoise Lardon und Esther Käch holten allerdings 2010 nicht einmal die Hälfte der Stimmen ihrer Spitzenfrau Ruth Koch. Als Stimmenlieferanten könnten der SP auf der anderen Seite die beiden Juso-Frauen dienen. Die Jungpartei ist mit der SP eine Listenverbindung für die Wahlen eingegangen.

Die eher schlechte Ausgangslage gilt auch für die beiden SVP-Wiederkandidaten Isabella Kertz und Franziska Müller sowie für FDP-Kandidat Patrick Reinhart, der vor vier und auch schon vor acht Jahren klar auf dem letzten Platz seiner Partei gelandet ist. Ebenfalls nicht gewählt wurde 2006 CSP-Frau Durens von Deschwanden, rutschte aber später nach und wurde 2010 wegen des an die SVP verlorenen Sitzes nicht wiedergewählt.

Delegationen ähnlich alt

Die SP stellt mit einem Durchschnitt von 48 Jahren die zweitjüngste Kandidatendelegation. Die beiden Juso-Frauen (1992 und 1993) drücken den Schnitt sogar noch auf 40 Jahre. Das Durchschnittsalter aller Parteien liegt in Kerns nahe beieinander: FDP 45, CSP 49, SVP 50 und CVP 52 Jahre. Älteste Kandidatin in Kerns ist Gerda Gohl (CSP, 1953).