KERNS: Im Grünen fühlt sie sich am wohlsten

Ruth Koch (51) stammt aus einer bäuerlichen Gross­familie. Als Kantonsratspräsidentin freut sich die SP-Politikerin auf viele Begegnungen.

Romano Cuonz
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SP-Kantonsratspräsidentin Ruth Koch am Gerzensee im Kernwald – ein Platz, den sie besonders gerne aufsucht. (Bild Romano Cuonz)

SP-Kantonsratspräsidentin Ruth Koch am Gerzensee im Kernwald – ein Platz, den sie besonders gerne aufsucht. (Bild Romano Cuonz)

«In den 70er-Jahren mussten wir in der Sekundarschule Wolfenschiessen ein Standpunktreferat pro oder kontra Atomkraft verfassen», erinnert sich die kürzlich gewählte erste Obwaldner SP-Kantonsratspräsidentin Ruth Koch-Niederberger. Damals habe sie, nach einigen Recherchen, klar dagegen votiert. Dies sei wohl der Anfang ihres politischen Engagements gewesen. «Das Thema hat mich nicht mehr losgelassen, und als später Diskussionen über ein Atommülllager im Wellenberg aufkamen, outete ich mich als Atomenergie-Gegnerin.»

Später wurde Reto Planta, Geschäftsführer von WWF Unterwalden, auf die engagierte, junge Nidwaldner Lehrerin aufmerksam. Er konnte sie für eine Mitarbeit im Vorstand gewinnen. «Ich weiss noch, wie überzeugt und tatkräftig ich mich für den ‹Solarrappen› einsetzte», erzählt die Kantonsratspräsidentin. Nun ergab das eine das andere: Ruth Koch wurde Geschäftsführerin des WWF Unterwalden. Nachdem sie mit ihrer Familie von Oberdorf nach Siebeneich (Kerns) gezogen war, gewann sie 2006 auf Anhieb einen Sitz im Obwaldner Kantonsrat. Seit neun Jahren setzt sich Ruth Koch in der Legislative als Anwältin für die Umwelt ein. «Wenn es in Obwalden Grüne gäbe, wäre ich wohl eine von ihnen», schmunzelt die SP-Frau.

«Recht sein und es recht machen»

«Ich bin als zweitjüngstes von neun Kindern auf dem Bauerngut ‹Lätten› in Dallenwil aufgewachsen», erzählt Ruth Koch. Beim Arbeiten auf dem Hof habe es kaum Unterschiede zwischen Buben und Mädchen gegeben. «Alle misteten wir bei den Kühen, ‹worbten› Heu und rechten es von Hand zusammen.» Nie vergessen wird Ruth Koch, wie sie zusammen mit ihren Geschwistern im Stall auf sauberem Stroh schlafen durfte, wenn eine Muttersau Junge bekommen hatte. «Unsere Mutter wollte nicht, dass den kleinen Ferkeln etwas passierte», sagt sie. «Dabei lernten wir Verantwortung übernehmen und gewannen Selbstvertrauen.» Der Grundsatz der Eltern –Vater Paul Niederberger war Gemeindepräsident und CVP-Landrat – lautete: Man soll sich etwas zutrauen und auch anpacken! Dazu gaben die Eltern ihren Kindern einen wichtigen ethischen Grundsatz mit auf ihren Weg ins Leben: Man solle recht sein und seine Sache recht machen! «Mit dieser Einstellung ging ich von zu Hause weg ans Lehrerinnenseminar Ingenbohl und später ins Berufsleben», hält Ruth Koch fest.

«Wollte viel von der Welt sehen»

Was die Wähler kaum wissen: Ruth Koch agierte in jungen Jahren als hervorragende Mittelstreckenläuferin. Gar Junioren-Schweizer-Meisterin über 1500 und 3000 Meter war sie. «Als Sportlerin lernte ich, nicht so schnell aufzugeben. Das kam mir im Arbeitsleben und in der Politik zugute», stellt die heutige PR-Fachfrau und Mitarbeiterin in einer Kommunikationsagentur fest. «Immer schon ein Wunsch von mir war es, möglichst viel von der Welt zu sehen.» Als junge Frau und Mutter von zwei Kleinkindern begleitete Ruth Koch ihren Mann Armin – einen auf traditionelle, chinesische Medizin spezialisierten Allgemeinpraktiker – in ein abgelegenes Spital nach Südafrika. Später dann auch noch in die USA. «Im Ausland zu leben, erweitert den Horizont», sagt Ruth Koch, inzwischen Mutter von vier erwachsenen Kindern. Eine prägende Begegnung habe sie zu Füssen des Wellenbergs gehabt: «Da sassen wir WWF-Leute mit gestandenen Bauern in einem Raum zusammen, hörten ihnen zu und spürten, welch starke Emotionen sie bewegten, wenn sie ihre Angst vor einem Atommülllager zum Ausdruck brachten.»

«Bin Politikerin in der Minderheit»

Dass sie in der SP eine Oppositionspolitikerin sei, lässt Ruth Koch nicht gelten. «Ich fühle mich eher als Politikerin in der Minderheit.» Der Nachteil: Einige Informationen, die Regierungsparteien bekämen, erhalte man nicht. Der Vorteil: Man geniesse stets die Freiheit, das zu vertreten, wofür man einstehe. Was die Umweltpolitikerin, die unter anderen in den Kommissionen für Naturschutzgebiete, Spital und Rechtspflege Entscheide mitgeprägt hat, nicht ausstehen kann: Wenn im Kantonsrat mit unwahren oder ungenau recherchierten Aussagen Polemik betrieben wird und so Abstimmungsresultate beeinflusst werden. Dass man mit der SP oft gegen bürgerliche Mauern anrenne, ärgere sie hingegen nicht. Es gebe ja auch Erfolge: So freut sie sich darüber, dass man das «Schneeparadies» bis heute noch verhindern konnte.

«Im Präsidialjahr möchte ich vor allem vielen Obwaldnerinnen und Obwaldnern meine Wertschätzung für ihre Arbeit auch hinter den Kulissen zeigen.»

Romano Cuonz

Sie mag Blues und Alphorn

Zur Person cuo. Ruth Koch vorgestellt mit Eckdaten und Vorlieben:

  • Geboren: 13. Juli 1964, Sternzeichen Krebs (Eigenschaften: sensibel, hilfsbereit, mitfühlend und loyal).
  • Zivilstand: Seit 29 Jahren verheiratet mit Armin Koch. Ein Sohn und drei Töchter.
  • Lieblingsplatz: Der Gerzensee im Kernwald, weil es dort meistens ruhig ist und man sieht, wie sich das Stanserhorn darin spiegelt.
  • Lieblingsfarbe: Was nur ... eh ja, natürlich Grün!
  • Bevorzugtes Gericht: Bohnen, Speck und Sauerkraut ... das hat man nicht immer!
  • Bevorzugtes Getränk: Mineralwasser, am liebsten aus dem Hahnen.
  • Lieblingsfilme: Da habe ich keine Vorlieben.
  • Hobbys: Früher Leichtathletik (Mittelstreckenläufe). Heute: Wandern und Gärtnern.
  • Lieblingsbuch: «Aline und die Erfindung der Liebe» von Eveline Hasler.
  • Musik, die gefällt: Blues ... und Alphorn.
  • Vorbild: Ich war ja in Südafrika, und da hat mich Nelson Mandela schon sehr beeindruckt.
  • Motto: Auch bei politischen Debatten soll man stets bei der Wahrheit bleiben.