Kerns kann die Abwasserleitung Melchtal–St. Niklausen bauen

Die Kernser haben dem Kredit für die Abwasserleitung über 3,8 Millionen Franken zugestimmt – allerdings an der Urne statt an der Versammlung.

Matthias Piazza
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Mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 88,8 Prozent genehmigte die Kernser Stimmbevölkerung am Sonntag einen Kredit über 3,76 Millionen Franken für den Bau der Abwasserleitung Melchtal–St. Niklausen. Das Projekt sieht vor, das Abwasser mittels einer 3,9 Kilometer langen Druckleitung ab der Abwasserreinigungsanlage (ARA) Melchtal bis in den Bereich Engiberg zu pumpen. Damit wird die Abwasserentsorgung der Talschaft Melchtal an die ARA Sarneraatal angeschlossen. Der Pumpenschacht wird unterhalb des Regenbeckens auf der Parzelle der jetzigen ARA erstellt.

Hohe Zustimmung dank guter Information

Bis zur gedeckten Brücke wird die neue Leitung im Wiesland parallel zur Melchstrasse führen, ab der gedeckten Brücke in der Strasse, teilweise seitlich an der Lehnenkonstruktion. Dazu kommen Be- und Entlüftungsbauwerke. Ab dem Ende der Druckleitung im Bereich Engiberg folgt eine 1,1 Kilometer lange Leitung, welche oberhalb des Restaurants Alpenblick in die bestehende Gemeindekanalisation mündet. Die Gemeindeversammlung hatte im Mai 2019 dafür einen Planungskredit von 470'000 Franken genehmigt. «Die Kernser stehen hinter dieser Vorlage, sie war unbestritten. Das zeigte sich ja auch schon bei der hohen Annahme zum Planungskredit. Bestimmt wirkte sich auch positiv aus, dass wir die Bevölkerung im Vorfeld gut über das Projekt informiert hatten», kommentiert Beat von Deschwanden den Abstimmungsausgang.

Kerns begeht eigenen Weg mit Urnenabstimmung

Eigentlich hätten die Kernser über die Vorlage an ihrer Frühlingsgemeindeversammlung vom 5. Mai abgestimmt. Wegen der Coronapandemie entschied sich die Obwaldner Gemeindepräsidentenkonferenz, die diesjährigen Frühlingsversammlungen in sämtlichen sieben Gemeinden ausfallen zu lassen. Als einzige Obwaldner Gemeinde hat Kerns als Ersatz dafür eine Urnenabstimmung angesetzt. «Wir wollten vorwärtsmachen, schliesslich profitiert die Bauwirtschaft vom Abwasserprojekt. Das gibt Umsätze und sichert Arbeitsplätze», begründete Beat von Deschwanden den Kernser Weg. Noch diesen Herbst sollen die Bauarbeiten starten und Ende nächsten Jahres beendet sein. Anfang 2022 wird die Leitung an die ARA Sarneraatal angeschlossen und Ende 2022 wird die ARA Melchtal stillgelegt.

Planungen für Hochwasserschutz werden fortgesetzt

Auch dem Hochwasserschutz für den Mel- und Rübibach stimmten die Kernser zu. 90,9 Prozent betrug der Ja-Stimmen-Anteil für den Kredit über 107'250 Franken, damit die Planungen fortgesetzt werden können. Mit dem Projekt soll das Hochwasserrisiko in Kerns und Ennetmoos auf ein akzeptierbares Niveau reduziert werden. Zum Projekt «Integraler Hochwasserschutz Mel- und Rübibach» gehören ausserdem die Revitalisierung des Melbachs sowie des Bruderhausbaches im Siedlungsgebiet St. Jakob (Ennetmoos). Die Ennetmooser haben ihrem Planungskredit von 472'750 Franken schon zugestimmt. «Das wichtige Projekt für den Hochwasserschutz ist ebenfalls unbestritten», erklärte sich Beat von Deschwanden den hohen Ja-Stimmen-Anteil.

Rechnung mit 2,7 Millionen Franken Gewinn

Ebenfalls angenommen (mit einem Ja-Stimmen-Anteil von 95,1 Prozent) wurde die Rechnung mit einem Gewinn von 2,7 Millionen Franken. Das sind 2,3 Millionen Franken besser als budgetiert. Der Gesamtertrag liegt mit 26 Millionen Franken 1,6 Millionen Franken über dem Budget. Vor allem, weil über 1,2 Millionen Franken mehr Steuern als erwartet eingenommen wurden.

Stimmbeteiligung lag bei niedrigen 24,9 Prozent

Im Gegensatz zu den Zustimmungsraten war die Stimmbeteiligung niedrig. Sie betrug gerade mal 24,9 Prozent. Dies erklärt sich Beat von Deschwanden einerseits damit, dass die unbestrittenen Vorlagen im Vorfeld nicht hohe Wellen warfen. «Andererseits standen an diesem Sonntag keine kantonalen oder eidgenössischen Vorlagen an.» Das Abstimmungsergebnis sei deswegen aber nicht weniger wert.

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Kerns macht 2,7 Millionen Franken Gewinn

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Philipp Unterschütz