KERNS: Kirchturm wird Handyantenne

Die Swisscom will im Kirchturm Mobilfunkantennen einbauen. Ohne Angst vor Einsprachen heisst der Kirchgemeinderat das Baugesuch gut.

Marion Wannemacher
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Der Turm der Kernser Pfarrkirche: Bald Standort einer Handyantenne? (Bild Corinne Glanzmann)

Der Turm der Kernser Pfarrkirche: Bald Standort einer Handyantenne? (Bild Corinne Glanzmann)

Wohin mit den Mobilfunkantennen, heisst es in vielen Orten in der Schweiz. Immer mehr Daten werden über das Mobilfunknetz verbreitet. Allein in der Stadt Luzern gibt es rund 100 Mobilfunkantennen. In Kerns hat jetzt die Swisscom ein Gesuch gestellt, Mobilfunkantennen in den Kirchturm einzubauen. Bislang habe es keine Probleme mit der Versorgung gegeben, sagt Armin Schädeli, stellvertretender Leiter der Medienabteilung der Swisscom. Ein neuer Standort ist aber nötig, weil der bestehende beim Elektrizitätswerk Obwalden (EWO) nach Angaben des Telekomanbieters gekündigt wurde. Das Baugesuch wurde kürzlich im Amtsblatt veröffentlicht.

Von aussen kaum sichtbar

Die Mobilfunkantennen sollen laut Erich Bucher, der im Kirchgemeinderat der katholischen Kirche für Immobilien zuständig ist, auf halber Höhe des 86 Meter hohen Turms im Glockenstuhl eingebaut werden. Es handelt sich um vier Antennenrichtungen. «Da sie innen im Turm Platz finden, wird man sie von aussen nicht sehen», betont er. Die Swisscom sei auf sie zugekommen mit ihrem Begehren, erzählt er. Mit Mobilfunkantennen auf Kirchtürmen habe man grundsätzlich gute Erfahrungen gemacht, sagt Armin Schädeli: «Rein technisch sind diese als Standorte aufgrund der Gebäudehöhe gut geeignet», betont er.

«Interesse mit Priorität»

«Grundsätzlich begrüssen wir vom Kirchgemeinderat die Massnahme und unterstützen sie. Wir telefonieren alle, das ist ein Interesse der Öffentlichkeit mit Priorität», sagt Erich Bucher. Vor einem Jahr habe man das Anliegen der Swisscom gemeinsam angeschaut. Schliesslich erhalte man ja auch eine Entschädigung. Wie hoch die ausfällt, will Bucher nicht sagen.

Grundsätzliche Bedenken wegen Einsprachen hat der Kirchenrat nicht. «Nein, damit rechne ich nicht», sagt er. Auch Schädeli hat davor keine Angst: «Wir sehen keine Gründe, wieso das Baugesuch abgelehnt werden sollte. Alternative Standorte wurden im Vorfeld gesucht und abgeklärt. Der Kirchturm hat sich als ideal erwiesen.»

Andernorts starke Proteste

Andernorts hat ein gleichlautendes Baugesuch Gegner auf den Plan gerufen. So 2013 in der Luzerner Gemeinde Egolzwil: Eine Gruppe von Anwohnern verteilte Flugblätter und setzte sich mit einer Petition zur Wehr. Es könne nicht sein, dass der Kirchenrat wegen ein paar tausend Franken Mieteinnahmen gesundheitliche Beschwerden betroffener Anwohner in Kauf nehme, hiess es.

Ende September 2014 reichten Luzerner eine Volksmotion im Grossen Stadtrat (Stadtparlament) ein mit dem Ziel, die Stadt habe dafür zu sorgen, dass Mobilfunkantennen dort gebaut werden, wo die Nebenwirkungen möglichst gering seien, sprich gesundheitliche Risiken, optische Beeinträchtigungen und Wertverlust von Wohneigentum in Wohngebieten. Der Grosse Stadtrat lehnte die Motion ab.

Das Bundesamt für Umwelt hat ein Modell zur Handhabung von Mobilfunk in Schweizer Gemeinden entwickelt. Danach können vor allem Industrie-, Arbeits- und Gewerbezonen prioritär als Standorte gewählt werden. Erst wenn in diesen Zonen kein passender Standort gefunden wird, darf in Wohngebieten eine Antenne montiert werden. Im Kanton Obwalden ist das sogenannte «Kaskadenmodell» nicht in Kraft.