Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KERNS: «Man muss das einfach erlebt haben»

150 Kilometer und 3 Pässe in sieben Tagen – der Säumertross ist wieder unterwegs nach Domodossola. Mittendrin drei Generationen der Familie Spichtig aus Kerns.
Philipp Unterschütz
Drei Generationen der Familie Spichtig aus Kerns unterwegs auf der Sbrinz-Route: (von hinten) Edith Spichtig, Daniel Durrer, Hans, Hansueli und Daria Spichtig (Bild: PD)

Drei Generationen der Familie Spichtig aus Kerns unterwegs auf der Sbrinz-Route: (von hinten) Edith Spichtig, Daniel Durrer, Hans, Hansueli und Daria Spichtig (Bild: PD)

Eine Reise wie anno dazumal: 25 Säumer mit 18 Tragtieren (5 Haflinger, 5 Freiberger, 7 Esel und 1 Maultier) sind seit Sonntag auf der Sbrinz-Route von Sachseln unterwegs nach Domodossola. Drei Pässe (Brünig, Grimsel und Griesspass) galt es auf der 150 Kilometer langen Strecke bis Samstagabend zu überwinden, insgesamt rund 6000 Höhenmeter. Dabei haben die Säumer der Tradition entsprechend 8 je 40 Kilogramm schwere Käselaibe Sbrinz von einer Alp auf dem Ächerlipass, die in Italien stückweise verkauft werden. Die Tiere tragen aber auch noch viel anderes Material. Der ganze Tross umfasst nämlich nicht nur die 25 Säumer, sondern auch 50 Wanderer, die als Gäste dabei sind. Das Ziel der Reise, die seit 14 Jahren durchgeführt wird, ist nicht nur, den Brauch der Säumerei wieder aufleben zu lassen und den Sbrinz-Käse zu bewerben, sondern auch die Förderung des sanften Tourismus.

Alles läuft bestens

Bereits zum neunten Mal ist Hans Spichtig dabei. Zum Säumern kam er durch seinen älteren Bruder. «Anfänglich war ich gar nicht so begeistert, davon, mit Eseli spazieren zu gehen. Aber als ich das erste Mal dabei war, packte mich die Begeisterung», erinnert sich der Kernser Zimmermeister. «Man muss das einfach erlebt haben, es ist ganz anders, als man sich das vorstellen kann, die Bergwelt, die überwältigende Ruhe.» Es sei für ihn heute ein toller Ausgleich zur hektischen und oft lauten Berufswelt. Ganze drei Generationen von Spichtigs Familie sind dabei, die Jüngste im Tross überhaupt ist die neunjährige Daria. «Sie hat schon lange ‹gestürmt›, sie wolle mit.» Angesichts der speziellen Reise bewilligte zur Freude der Spichtigs sogar die Schule ihre Abwesenheit. Und nicht nur Daria ist von der neuen Erfahrung begeistert, auch die Wanderer, von denen die meisten das erste Mal dabei sind, zeigen sich überwältigt. «Nur gehen müssen sie selber, ansonsten geniessen sie die Natur in vollen Zügen. Die Stimmung ist bestens», schmunzelt Hans Spichtig. Dazu trägt natürlich auch das Wetter bei, das besser nicht sein könnte.

Und bis jetzt laufe alles bestens, es gebe keine Ausfälle bei den Wanderern, höchstens hier und da mal einige Blasen, und auch die Tiere seien fit. «Man darf das nicht unterschätzen, es sind doch 7 Tage am Stück mit einer täglichen Wanderzeit von 6 bis 8 Stunden. Da brauchts schon etwas Fitness.»

Überaus herzliche Gastfreundschaft

Ausruhen können sich die Wanderer jeweils über Nacht in Hotels, die Säumer selber schlafen in Zivilschutzanlagen. Auch dieses Jahr sei die Gastfreundschaft wieder überall sehr herzlich. «Wir werden von den Gemeinden empfangen, und am Weg warten oft Private, die uns Obst oder Getränke bringen», erzählt Hans Spichtig. Die grosse Säumergruppe hat aber auch noch einen Begleittross mit vier Fahrzeugen. Dieser dient nicht nur zur Heimkehr der Säumer und ihrer Tiere, sondern auch für Notfälle. Transportiert wird in den Fahrzeugen auch das Kraftfutter für die Tiere, die auf dem anstrengenden Weg viel Energie verbrauchen. Über Nacht wird die wertvolle Käsefracht darin eingeschlossen. «Zudem fahren sie voraus, bereiten Rastplätze vor und räumen alles wieder sauber auf, wenn wir weiterziehen. Wenn wir das selber machen müssten, hätten wir einfach zu wenig Zeit», erklärt Spichtig. Die grösste logistische Herausforderung sei das tägliche Be- und Entladen der Tiere. Da müssten sie am Morgen schon schauen, dass sie rechtzeitig wegkämen, um den Zeitplan einzuhalten, sagt Säumer Spichtig. «Das fachgerechte Packen ist aber sehr wichtig, damit es unterwegs keine Pannen gibt und auch die Tiere gesund bleiben.»

Philipp Unterschütz

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.