KERNS: Melchtaler retten Dunkle Biene

Sie ist die einzige Honigbiene, die auf der gesamten Alpennordseite seit der Eiszeit heimisch ist. Weitsichtige Obwaldner Imker bieten ihr Schutz und sorgen so dafür, dass sie uns auch künftig erhalten bleibt.

Romano Cuonz
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Der Agronom Padruot Fried stellt dem Melchtal ein gutes Zeugnis aus. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 3. April 2018))

Der Agronom Padruot Fried stellt dem Melchtal ein gutes Zeugnis aus. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 3. April 2018))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Das Melchtal ist ein äusserst wichtiges Glied in einer ganzen Kette von Versuchen und Projekten zum Erhalt der Dunklen Honigbiene (Mellifera)», hält Padrout M. Fried vor zahlreichen Obwaldner Imkern fest. Der Agronom aus dem Unterengadin ist seit 2013 Präsident des Vereins Schweizerischer Mellifera Bienenfreunde. Mit diesem möchte der Bündner die Dunkle Biene, die in der Schweiz bald schon als Rarität gilt, schützen und erhalten. Dazu sei er auch auf den Einsatz der Obwaldner angewiesen, betonte er im Sarner Bienenstand. Und Irene Burch, die sich als Obwaldner Projektleiterin stark ins Zeug legt, dass im ganzen Melchtal bald nur noch die einheimische Dunkle Biene Honig sammelt, ergänzt: «Wenn wir wollen, dass unserem dreijährigen Projekt auch in den kommenden drei Jahren Erfolg beschieden ist, müssen wir vor allem bei Imkern ausserhalb des Schutzgebiets Aufklärung betreiben und um viel Verständnis bitten.»

«Die Dunkle Biene ist vor 10000 Jahren nach der letzten Eiszeit überall nördlich der Alpen heimisch geworden und dank der Bestäubung durch sie und andere Insekten hat sich auch die Vegetation samt pflanzlichen Nahrungsmitteln ausbreiten können», fängt Fried von vorne an zu erzählen. Sie Biene habe sich als einzige einheimische Honigbiene perfekt ans Klima der Alpennordseite angepasst, fliege auch bei tiefen Temperaturen und schlechtem Wetter im Frühjahr. Die robuste, haushälterische und flugstarke Biene gehöre zu uns und sei unbedingt zu erhalten.

Vermeintliche Vorteile verschwanden wieder

Warum ist sie gefährdet? «Weil der Mensch sehr gerne experimentiert und man Bienen sogar im Hosensack transportieren konnte, wurden grosse Mengen aus südlichen Ländern zu uns gebracht», erklärt Fried. Die so importierten, sanftmütigen Bienen hätten vermeintlich mehr Honig erbracht und auch weniger gestochen als die Dunkle Biene. Längerfristig aber habe sich all dies als Täuschung erwiesen: Je mehr man die Bienenarten aus dem Süden mit der heimischen kreuzte, desto mehr seien all diese Vorteile verschwunden. «Unsere Imker werden wohl einsehen müssen, dass fremde Bienen weniger angepasst sind, und dass wir eines Tages dastehen und die resistente Dunkle Biene gar nicht mehr haben», befürchtet Fried.

Als erster Kanton nahm Glarus 1977 an der Landsgemeinde ein Gesetz zur Erhaltung der Dunklen Biene an. Imker in den Räten hatten dafür gesorgt. So entstand dort die grösste Population fast ganz reiner Dunkler Bienen. Dem Beispiel folgend bauten auch das Diemtigtal, das Val Müstair, das Prättigau und das Melchtal Schutzgebiete auf. Höchstes Ziel war, an all den Orten auch rechtlichen Schutz zu erreichen, dafür zu sorgen, dass fremde Bienen gar nicht mehr eingeführt werden dürfen. Nicht überall gelang dies in den drei ersten Projektjahren. Im Diemtigtal wurde es abgebrochen, weil ein Imker partout nicht mitmachen wollte. Umso grösser ist die Freude über den Erfolg im Melchtal. Projektleiterin Irene Burch: «Wir haben zurzeit etwa 50 Völker, von denen zwei Drittel den DNA-Test als reine Dunkle Biene bestanden.» Deshalb habe man eine Zusage zur Fortführung des Projekts über drei weitere Jahre samt Finanzierung durch den Bund erhalten. Zufrieden sind die Melchtaler aber noch nicht. «Wir müssen noch eine Lücke im Gesetz schliessen», sagt Burch. Zwar dürfe schon heute niemand mit fremden Völkern ins Melchtal. Dunkle Bienen aber – namentlich Drohnen – auch wenn gemäss DNA-Test nicht ganz rein, würden bislang nicht ausgeschlossen. Die fünf Imker im Melchtal haben nur ein Ziel: Binnen der nächsten drei Jahre soll hier nur mehr die robuste «Dunkle Biene» Honig sammeln.