Kerns
Neuer Kulturpfad zum vergessenen Kernser Künstler Eduard Egger lädt zur Spurensuche

Mit einem Spazierweg, der mit Bildtafeln versehen ist, erinnert die Kulturkommission Kerns an einen aussergewöhnlichen Maler und Künstler.

Marion Wannemacher
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Wer kennt heute noch Eduard Egger? In keiner Ausstellung hängen seine Bilder, kein Dorfmuseum erinnert an sein Schaffen. «Dabei war er ein umtriebiger Künstler, der sich mit sehr vielen Dingen beschäftigt hat», sagt Pius Hofer, Leiter des Departements Bildung, Kultur und Sport in Kerns. Urs Grämiger, der ehemalige Präsident der Kulturkommission, hatte früher bereits den Wunsch geäussert, das Schaffen Eggers der Öffentlichkeit vorzustellen.

Im vergangenen Herbst griff eine Gruppe aus der Kulturkommission die Idee auf. «Wir suchten eine pandemietaugliche Art der Präsentation», erzählt Hofer. Herausgekommen ist ein Spaziergang mit neun Bildtafeln zu Eduard Eggers Leben und Schaffen. Er führt durch ein Landschaftsidyll mit blühenden Wiesen im Gebiet Neumatt, Sand, Siebeneich und Riebeten. Daran beteiligt waren neben Pius Hofer auch Elmar Bünter von der Kulturkommission sowie deren Präsidentin, Irene Röthlin. Der Fotograf Samuel Büttler half bei der Umsetzung der Bildtafeln.

Pius Hofer, Kulturvorsteher der Gemeinde Kerns, mit einer der neun Bildtafeln über Eduard Egger.

Pius Hofer, Kulturvorsteher der Gemeinde Kerns, mit einer der neun Bildtafeln über Eduard Egger.

Marion Wannemacher (Kerns, 22. April 2021)

Nachlass befindet sich ungeordnet in Kisten

Der Kulturpfad habe keinen wissenschaftlichen Anspruch, betont der Kernser Kulturchef. «Wir haben versucht, Themen und Schwerpunkte zu finden. Es ist weder eine Wertung, noch haben die Tafeln Anspruch auf Vollständigkeit», so Pius Hofer. Der Nachlass des Kernser Künstlers befindet sich ungeordnet in Kisten, seine Bilder im Besitz dreier Privatpersonen in Kerns. Kinder hatte er keine.

Wer war dieser Eduard Egger, von dem heute wohl kaum noch jemand etwas weiss? «Sein Leben war voll wunderlicher Dinge, er war kein Dutzendmensch, sondern ein Mann, dessen Erscheinung sich einem einprägt», steht in seinem Nachruf. Geboren wurde er 1882 als viertes von sechs Kindern. Seine Eltern Franz und Juliane Egger-Durrer betrieben in Kerns eine Mühle, eine Bäckerei und eine Gewürzhandlung. Das Elternhaus an der heutigen Melchtalerstrasse 7a gibt es nicht mehr, wohl aber sein eigenes Wohnhaus an der Melchtalerstrasse 14, das er mit seiner Schwester Marie Ettlin-Egger bewohnte.

In der Jugend fühlte sich Eduard zu Höherem berufen, als Dorfmüller von Kerns zu werden. Er besuchte in Sarnen das Gymnasium, verliess dieses aber noch vor der Maturitätsprüfung. Nach einem Aufenthalt beim Stanser Kunstmaler Georg Kaiser besuchte er Kunstakademien in Italien und Deutschland. Insgesamt sechs Jahre dauerten seine Studienaufenthalte in Florenz, Rom, Venedig und München. «Das war tatsächlich recht aussergewöhnlich zur damaligen Zeit», sagt Hofer.

Bildtafeln zum Künstlerpfad Eduard Egger in Kerns. Bild PD

Bildtafeln zum Künstlerpfad Eduard Egger in Kerns. Bild PD

Marion Wannemacher (oz) / Obwaldner Zeitung

Wovon Eduard Egger gelebt hat, ist nur zu vermuten. Er vermietete in der umgebauten Mühle Wohnungen und amtete als Kirchenvogt. Von seinen Bildern konnte er wohl kaum existieren. Der Kulturpfad präsentiert sein Wirken thematisch geordnet: Die dritte Tafel zeigt ihn als Dorfmaler mit Zeichnungen und Auquarellen vom Kantonalen Schützenfest sowie Dorfansichten von Kerns.

Weitere Stationen belegen Eggers Liebe zur Heimat. Immer wieder zog es ihn ins benachbarte Flüeli. Bilder von Wohnhaus, Borromäus-Kapelle und dem Ranft zeigen idyllische Ansichten. Auch die Kernser Kapellen hatten es ihm angetan. Egger verstand sich auch auf Stillleben und porträtierte gekonnt Menschen seiner Umgebung. Nicht alle seiner Porträts können heute noch zugeordnet werden.

Bildtafeln auf dem Künstlerpfad Eduard Egger in Kerns.

Bildtafeln auf dem Künstlerpfad Eduard Egger in Kerns.

Bild: PD

Bemerkenswert ist die Vielfalt von Eggers Wirken, denn er befasste sich auch mit Chemie, Physik und Elektrotechnik, verfasste Theaterstücke für die Theatergesellschaft Kerns und publizierte Verse und unterhaltsame Texte. Ausserdem gilt er als Mitgründer des Samaritervereins im Dorf. Noch heute zeugt sein Haus im Breiten von seinem Schaffen: Verzierungen, Zeichnungen und Rosenornamente sind erhalten geblieben.

Jäher Tod mit 74 Jahren

1957 fand Eggers Leben ein jähes Ende. Er erlag einer zu spät behandelten Blutvergiftung. «Nach seinem Tod ist er aus dem kollektiven Gedächtnis von Kerns verschwunden», sagt Pius Hofer. Der Spaziergang lädt nun ein zur Spurensuche.

Lageplan zum Künstlerpfad.

Lageplan zum Künstlerpfad.

Bild: PD