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KERNS: Pfarrer will zurück, sobald er gesund ist

Der Anwalt des in Ungnade gefallenen Pfarrers erhebt Vorwürfe gegen die Kirchgemeinde. Diese wolle nichts von einer Wiedereingliederung des Kranken wissen.
Christoph Riebli
Patrick Mittermüller im Mai 2014 beim Pfarrhof Kerns. (Bild Corinne Glanzmann)

Patrick Mittermüller im Mai 2014 beim Pfarrhof Kerns. (Bild Corinne Glanzmann)

Christoph Riebli

«Mit Befremden» hat der Rechtsanwalt des zur Abwahl stehenden Kernser Pfarrers gestern aus unserer Zeitung erfahren, dass scheinbar teils «unzutreffende» und «einseitige» Informationen zum Geschäft der Kirchgemeindeversammlung vom 11. Mai öffentlich aufliegen – für Anfragen waren im Vorfeld weder der betroffene Pfarrer Patrick Mittermüller noch sein Anwalt Reto Fanger erreichbar (Ausgabe von gestern).

«Das Vorgehen der Kirchgemeinde verletzt die Persönlichkeitsrechte von Pfarrer Mittermüller wie auch dessen Rechte als Arbeitnehmer», beklagt Fanger nun. Weder er noch sein Mandat hätten vom Inhalt der aufgelegten Erläuterungen Kenntnis – für Fanger ein Verstoss gegen den Anspruch auf rechtliches Gehör. «Wenn die Meinungen aufgrund dieser Informationen schon einen Monat vor der Abstimmung gemacht sind, ist das problematisch.»

Traktandiert ist am 11. Mai nichts weniger als die Abwahl von Pfarrer Mittermüller (47) sowie die Kündigung dessen Arbeitsvertrags per Ende November durch die Kirchgemeindeversammlung. Grund: Seit August 2015 sei Mittermüller «ununterbrochen krankheitsbedingt arbeitsunfähig», heisst es in den Erläuterungen der Kirchgemeinde. Zwar wird darin aus Gründen des Persönlichkeitsschutzes nicht genauer auf dessen Erkrankung eingegangen, der Kirchgemeinderat bestätigt aber, dass ihm entsprechende ärztliche Zeugnisse vorliegen und dass «durch die krankheitsbedingte Arbeitsunfähigkeit im Pfarreibetrieb eine schwierige Situation entstand». Und: «Ein persönlicher Kontakt konnte über die ganze Zeit nicht hergestellt werden.» Nicht zuletzt deshalb will die Kirchgemeinde nun einen Schlussstrich ziehen.

Krank und unter Druck gesetzt

Weshalb diese verkappte Kommunikation? «Von Beginn weg wurde Pfarrer Mittermüller unter Druck gesetzt, was für seine gesundheitliche Situation nicht gerade förderlich ist», schildert Reto Fanger. Druck sei erst vom Kirchgemeinderat, später auch von dessen Anwalt ausgeübt worden – «selbst als er in stationärer Behandlung war». Der Anwalt der Kirchgemeinde habe zudem kurz vor Weihnachten 2015 das Arbeitsverhältnis gekündigt.

Diese Kündigung sei aber «nichtig», sagt Fanger. Denn Pfarrer Mittermüller sei als Pfarrer von Kerns gewählt worden. Eine Abwahl sei nur aufgrund schwerwiegender Pflichtverletzungen möglich, welche nicht vorlägen. Und auf die kommunikative Abwesenheit seines Mandanten zurückkommend: «Dieser Aufregung kann sich Pfarrer Mittermüller wegen seiner Gesundheit nicht aussetzen.»

Mittermüller habe sowohl die Kirchgemeinde wie auch Generalvikar Martin Kopp – der seit Oktober 2015 als Pfarreiadministrator und somit als Stellvertreter in Kerns eingesetzt wird – «wenige Tage nach der Erkrankung» transparent und zureichend informiert, hält Fanger weiter fest. Zwar habe sich sein Mandant gegen die Veröffentlichung der Diagnose ausgesprochen, «er setzt aber alles daran, seine Gesundheit wieder zu erlangen, um seinen seelsorgerischen Aufgaben wieder nachkommen zu können». Doch: «Die Kirchgemeinde Kerns hat bisher sämtliche Angebote zur Wiedereingliederung von Pfarrer Mittermüller ausgeschlagen.»

Krankheitsgrund unbekannt

«Wir wollen in keine ‹Schlammschlacht› hineingezogen werden und informieren dazu objektiv an der Kirchgemeindeversammlung», sagt Kirchgemeindepräsident Albert Reinhart auf Anfrage, «das Gleiche steht natürlich der Gegenpartei zu.» Und: «Wir wissen auch nicht genau was ihm fehlt, einzig, dass er 100 Prozent arbeitsunfähig ist.» Die Auflage der Dokumente rund um die Abwahl sei zudem öffentlich. «Wir stehen zu den preisgegebenen Informationen darin. Es ist bestimmt nicht unsere Absicht, Pfarrer Mittermüller persönlich anzugreifen oder öffentlich zu verunglimpfen.»

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