KERNS: Rot war für Landammänner reserviert

In Kerns ist ein 400-jähriges Haus renoviert worden. Da es von einem Landammann erbaut wurde, ist es eine vornehme Erscheinung.

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Bruno von Rotz und seine Geschwister haben sich entschlossen, das Landammann-Haus zu sanieren. (Bild Urs Rüttimann/Neue OZ)

Bruno von Rotz und seine Geschwister haben sich entschlossen, das Landammann-Haus zu sanieren. (Bild Urs Rüttimann/Neue OZ)

Das Kernser Landammann-Haus aus dem Jahr 1617 zeigt sich wieder in seiner ursprünglichen Würde: Die Fassade aus Holzschindeln ist mit einem kräftigen dunklen Rot aufgefrischt. In spannendem Kontrast dazu stehen die tannengrünen Felläden und die senfgelben Fensterrahmen.

«Wir wollten im Sinn und Geist unserer Eltern das Haus wieder in sein ursprüngliches Aussehen zurückversetzen», sagt Bruno von Rotz. Er und seine sechs Geschwister, von denen fünf in andere Kantone oder sogar nach Kanada ausgewandert sind, gelangten zu dieser Übereinkunft. Ihre Eltern, die in Kerns eine Schreinerei betrieben hatten, erwarben das Haus 1960 von Oberrichter Albert Reinhard-Bucher.

«Die Sanierung eines geschützten Hauses ist kein Wunschkonzert»
Mit der Renovation des Hauses wurde am 24. April begonnen. Neu besserten Arbeiter die Schindelfassade aus und strichen sie. Zudem erhielt das Haus ein neues Dach. Da Bruno von Rotz wusste, dass das Haus unter Denkmalschutz stand, liess er sich gleich zu Beginn der Bauplanung von der Denkmalpflege beraten. «Meine Ideen wurden dort angehört und zwischen wünschbar und machbar diskutiert», berichtet er von seinen positiven Erfahrungen mit dieser Institution. Der Denkmalpfleger beriet ihn bei der Wahl der Materialien und instruierte die Handwerker, wie fachlich korrekt zu sanieren sei.

Der Denkmalschutz vertrete ein öffentliches, in der Verfassung verankertes Interesse, sagt der Obwaldner Denkmalpfleger Peter Omachen. «Die Sanierung eines geschützten Hauses ist deshalb kein Wunschkonzert. Doch in der Regel finden wir mit dem Bauherrn einen Konsens.» Bei der kleineren Sanierung des Landammann-Hauses ging es vor allem um die Auswahl von Materialien, wie sie ursprünglich verwendet wurden: Tonziegel, Kupfer und Ölfarbe. Zudem ist das Haus wieder in der ursprünglichen Farbe Rot gestrichen worden. «Diese exklusive Farbe durften im 16. und 17. Jahrhundert nur die Landammänner benutzen. Die übrigen Häuser hatten keinen Anstrich», führt Omachen aus.

Der Landammann war ein sehr mächtiger Mann
Für die damalige Zeit war das Haus gross und stattlich. «Es diente», so Omachen, «repräsentativen Zwecken.» Auch empfing der Landammann hier seine Bittsteller und erledigte seine Regierungsgeschäfte. Als Landammann war er ein sehr mächtiger Mann. Seine Funktion habe sich nicht wie heute bloss darauf beschränkt, vom Parlament beschlossene Entscheide auszuführen, schildert Omachen. «Vielmehr regierte er über seine Untertanen.»

Entsprechend wird heute in der Geschichtsschreibung der Landammann weniger in Bezug zu einem «Amt» als zu einer «machtvoll herrschenden Familiendynastie» gestellt, die teils ihre Macht über Generationen gegen andere aufstrebende Geschlechter zu verteidigen wusste.

Urs Rüttimann

Den ausführlichen Artikel lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Obwaldner Zeitung.