KERNS: Schwarze Schatten lassen das Brauchtum aufleben

Fertig grauer Beton! Maler Durrer und sein Team verzieren derzeit die Mauer an der Sarnerstrasse in Grün. Die Idee hatte eine Klasse aus dem Melchtal.

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Michelle Wallimann und Roli Burch setzen an der markanten Mauer in Kerns die Idee einer Melchtaler Klasse um. (Bild Corinne Glanzmann)

Michelle Wallimann und Roli Burch setzen an der markanten Mauer in Kerns die Idee einer Melchtaler Klasse um. (Bild Corinne Glanzmann)

«Ruedi, ziehsch no dure?», witzelt «Pöschtler» Klaus Michel. Anhören müssen sich Malermeister Ruedi Durrer und seine Leute diese Woche einiges: Auto um Auto rauscht an ihnen an der Sarnerstrasse vorbei. In vier Grüntönen strahlt die Mauer auf. 145 Meter Arbeit für Durrer und sein Team. Knapp die Hälfte haben sie schon geschafft. Richtung Ortsmitte sind typische Wintermotive wie Schattenrisse in Schwarz auszumachen: Gondeln, Skifahrer, ein Mädchen beim Bauen eines Schneemanns, die für Kerns so typischen Sternsinger, ein Feuerwerk an Silvester.

«Jahreszeiten und Brauchtum sind die Motive», erklärt Durrer. Die Vorlage hat die 3./4. Mischklasse 2013/14 von Priska Tschopp Scheuber aus dem Melchtal geliefert. Sie nahmen an einem Projektwettbewerb der Gemeinde Kerns zur Dorfverschönerung teil und wurden prompt im vergangenen März ausgewählt. «Sie hatten grosse Freude darüber. Als Preis bekamen wir so viel Geld, dass wir einen Tag im Verkehrshaus verbringen konnten», erzählt die Lehrerin.

Triste Mauer brachte die Idee

Genau genommen hatte sie die Idee. «Wenn wir an der Mauer entlang zum Schulschwimmen gingen, fand ich das immer trist.» Ihre Schüler kamen auf einen Nenner: die Mauer in grünen Farbverläufen mit schwarzen Tier- und Bauernhofmotiven darauf. Mittlerweile gehen die ehemaligen Viertklässler nach Kerns zur Schule. In zwei Sitzungen nach der Preisverleihung mit Maler Durrer und der Verwaltung einigte sich die Klasse auf die Erweiterung des Themas.

Vorarbeiterin Nadja Sigrist wählte in mühevoller Kleinarbeit die Motive aus, auf die Farbverläufe verzichtete man, dafür wurde für jede Jahreszeit ein anderer Grünton bestimmt. «Wichtig ist ja, dass die Mauer auch renovierbar ist», findet Fachmann Ruedi Durrer.

«Immer wieder haben mich die Kinder gefragt, wann die Idee umgesetzt werde», erzählt die Lehrerin. Seit die Malersleute vergangene Woche losgelegt haben, wurde sie schon mehrfach darauf angesprochen: «Sie freuen sich sehr.»

40 Kilo Silikon-Harzfarbe brauche es insgesamt, schätzt Ruedi Durrer und trockenes Wetter. Vergangene Woche konnte das Team erst einen Tag malen, diese Woche rechne man mit zwei bis drei Tagen. Mehr Angestellte sind jetzt an der Baustelle, gearbeitet wird mit Hochdruck. «Bis zur Einweihung morgen Donnerstag wollen wir noch möglichst viel malen», sagt Durrer. Ganz fertig werden sie wohl nicht. Die beiden Jugendlichen Remo Lussi und Cornel Blättler jedenfalls, die zufällig vorbeigehen, urteilen kurz und bündig: «Gut», sagt der eine. «Knallig», findet der andere.

Marion Wannemacher