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KERNS: Sie verkaufen heute ihren letzten Sbrinz im «Stübli»

Nach fast 40 Jahren ohne Betriebsferien gehen Monica und Karl Barmettler in Pension. Ihr Chässtübli hat heute ein letztes Mal geöffnet.
Christoph Riebli
Ein gut eingespieltes Team: Karl (links) und Monica Barmettler beim Bedienen der Familie Trulls aus Kerns mit Freunden aus Katalonien. (Bild Christoph Riebli)

Ein gut eingespieltes Team: Karl (links) und Monica Barmettler beim Bedienen der Familie Trulls aus Kerns mit Freunden aus Katalonien. (Bild Christoph Riebli)

Christoph Riebli

Karl und Monica Barmettler haben fünf Kinder grossgezogen und führen seit 1979 eine eigene Käserei mit Laden in Kerns: Barmettlers Chässtübli. Freizeit kannten sie bis anhin spärlich. Betriebsferien gar nicht. Sie verkäsen pro Jahr aus 900 000 Liter Milch etwa 60 Tonnen Bio-Sbrinz und Spalen. «Das sind unsere Spezialitäten», sagt Karl Barmettler. Sie beliefern die Emmi, die mit ihrem Käse die Ladenregale eines Grossverteilers bestückt. Ein Qualitätsprodukt, das seine Anhängerschaft in der ganzen Schweiz und teils bis ins grenznahe Ausland gefunden hat.

Heute ziehen Barmettlers einen Schlussstrich unter ihr Schaffen der vergangenen 40 Jahre: Sie gehen in Rente – ihr Chässtübli schliesst ohne Nachfolge. «Es ist eine innere Stimme, die sagt, jetzt ist die Zeit dafür da», erklärt Karl Barmettler die Entscheidung. «Für uns stimmt es.»

Kundenkontakt vermissen

Klar stecke dahinter auch ein Stück «Wehmut», gesteht Barmettler ein. «Doch es gibt noch etwas anderes als Schaffen. Obwohl wir dabei immer zufrieden waren.» So habe man in der Vergangenheit sowohl sonntags wie auch werktags gearbeitet, quasi einen Einmannbetrieb geführt. «Man kann nicht einfach irgendwen ans Kessi stellen», meint der 64-Jährige zur Aushilfeproblematik. Im Laden, den Monica Barmettler führt, sei das noch eher möglich gewesen – aber nur in Ausnahmefällen so praktiziert worden.

«Ich glaube, ich kann das Käsen künftig gut sein lassen», sagt Barmettler. Vermissen werde er aber die kreative Arbeit im Laden, etwa das Gestalten von Käseplatten oder auch von käsigen Geschenken mit viel Liebe zum Detail. «Weh» tue es ihm auch, den Kontakt zur Kundschaft zu verlieren. Viele kenne man persönlich und seit Jahrzehnten. «Man kennt ihre Kinder und hat auch anderes aus ihrem Leben mitbekommen.» Dass auch Barmettlers vermisst werden, zeigen diverse Kärtchen und Präsente auf ihrem Stubentisch. «Man merkt, dass man es recht gemacht hat», meint Karl Barmettler zu dieser Art der Wertschätzung. Und: In den vergangenen Tagen hätten ihre Stammkunden nochmals kräftig zugelangt und ihre heimischen Käsereserven aufgestockt.

Gekäst wird noch bis Ende Jahr

Auf Nachfolgersuche haben sich Monica und Karl Barmettler mit Absicht nicht begeben. Auch Sohn oder Schwiegersöhne hätten andere berufliche Laufbahnen eingeschlagen. Dies im Gegensatz zum gelernten Käser, der dafür 1979 zusammen mit seinem Vater aus Ennetmoos nach Kerns übersiedelte. «Das kann man nicht erwarten, dass der Betrieb in der Familie weitergeführt wird», meint der 64-Jährige selbst dazu.

Doch weshalb nicht einfach vermieten? Das kleine Ladenlokal befinde sich im Wohnhaus, die Käserei in einem Anbau, erklärt Karl Barmettler. Man wolle künftig das Haus als Ganzes nutzen, keinen Betrieb mehr darin integriert haben. Und was passiert mit der Milch der zwölf Kernser Bauern, den Zulieferern des Chässtüblis, fortan? «Bis Ende Jahr käse ich noch», sagt Barmettler. In der Zeit danach werde die Milch dann in einem Alpnacher Betrieb verarbeitet.

Bis der letzte Käselaib aus dem Keller an der Sidernstrasse 3 in Kerns rollt, wird es Mitte nächstes Jahr werden. Auch von den eigenen rund 500 Säuen, die bis anhin die anfallende Käseschotte des Betriebs verfuttert bekamen, wird man sich trennen. Was dann? Reisen? «Vielleicht sind wir langweilig», antwortet Barmettler, «doch wir haben keine speziellen Pläne.» Man werde wohl das tun, was man bisher in der spärlichen Freizeit schon gemeinsam gemacht habe: Wandern und in der Natur sein. «Und ganz bestimmt mehr Zeit für die drei Grosskinder haben.»

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