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KERNS: Sportbahnen: Selbst externe Helfer scheitern

Am Donnerstag kam die dritte Kündigung. Höchste Zeit, dass bei den Sportbahnen jemand Klartext spricht. Korporations­präsident Niklaus Ettlin tut das.
Niklaus Ettlin, Präsident der Korporation Kerns. (Bild Robert Hess)

Niklaus Ettlin, Präsident der Korporation Kerns. (Bild Robert Hess)

Adrian Venetz

Am Dienstag kam die Meldung, dass Marketing-Chef Thomas Keiser die Sportbahnen Melchsee-Frutt verlässt. Am Mittwoch folgte die Nachricht, dass Petra Gander, Personalchefin der Korporation und Mitglied der Sportbahnen-Geschäftsleitung, ihre Kündigung eingereicht hat. Und gestern nun wurde bekannt: Auch Korporationsschreiberin Joanne Imfeld hat gekündigt. Da drängt sich der Verdacht auf: Bei den Sportbahnen Melchsee-Frutt und bei der Korporation Kerns hängt der Haussegen enorm schief.

Massiver Aderlass

Der Eindruck täuscht nicht. Dies zeigte sich gestern an einem Gespräch unserer Zeitung mit Petra Gander, Joanne Imfeld und Korporationspräsident Niklaus Ettlin. Ettlin selbst hatte unsere Zeitung gebeten, mit ihm und den zwei Frauen, die gekündigt haben, an einen Tisch zu sitzen – wohl wissend, dass man eine dritte Kündigung innerhalb von drei Tagen nicht mehr unkommentiert stehen lassen kann. Von einem «massiven Aderlass an Führungskräften und Wissen» spricht ein sichtlich besorgter Ettlin. «Das macht mir echt Angst. Es zerreisst uns fast.» Was ist geschehen?

Es herrscht ganz dicke Luft

Hinreichend bekannt ist: Die Korporation Kerns – als Besitzerin und Betreiberin der Sportbahnen – hat sich jüngst immer wieder mit der Frage herumschlagen müssen, ob ihre etwas schwerfälligen und nicht mehr ganz zeitgemässen Strukturen weiterhin geeignet sind, um über die strategische Ausrichtung einer Top-Skidestination zu entscheiden. Von der Umwandlung in eine Aktiengesellschaft sahen die Korporationsbürger bislang ab. Dies sei aber nicht der Hauptgrund für ihre Kündigung, versichern Petra Gander und Joanne Imfeld. Nur vorsichtig und zögerlich geben sie gegenüber unserer Zeitung Auskunft über die Hintergründe ihrer Kündigung, und sie betonen stets, dass es ihnen keinesfalls darum gehe, über ihren bisherigen Arbeitgeber herzuziehen. Dennoch spürt man im Gespräch deutlich: Die beiden Frauen haben die Nase gestrichen voll.

Führungsduo in der Kritik

Erst im Verlauf des Gesprächs zeigt sich, wo das Problem liegt. Die Kündigungen seien «unter anderem» eine Folge von verschiedenen strategischen Entscheidungen und von der Führungskultur der beiden Männer an der Spitze. Diese zwei Männer sind Christian Dachs, seit September 2013 Geschäftsführer der Sportbahnen, sowie dem Sportbahnen-Präsidenten Walter Röthlin. Offenbar stimmt die Chemie nicht zwischen den Kadermitarbeitern und diesem Führungsduo. Das bestätigt – wenn auch mit sehr vorsichtiger Wortwahl – Korporationspräsident Niklaus Ettlin. Es gehe um «sachliche und persönliche Schwierigkeiten im Umgang mit Christian Dachs». Auch an einem zweitägigen Seminar unter externer Begleitung schaffte man es nicht, die Führungsriege und die Mitarbeiter wieder zu versöhnen.

Was sagt der Rat?

Gleichzeitig betont Ettlin aber, dass die «Mehrheit des Korporationsrats hinter Geschäftsführer Christian Dachs» stehe. Ob dies auch nach der Kündigungswelle der Fall ist, lässt Ettlin offen. Der Rat treffe sich am Dienstag zu einer Sitzung. Herrscht denn auch innerhalb des Korporationsrats – gleichzusetzen mit dem Verwaltungsrat eines Unternehmens – dicke Luft und ist viel Geschirr zerschlagen worden? Ettlins sofortige Antwort: «Ja.»

Korporationspräsident Ettlin ist nicht ins operative Tagesgeschäft der Sportbahnen eingebunden, und im Verlauf des Gesprächs wird auch deutlich, dass er zu den beiden Mitarbeiterinnen ein gutes Verhältnis pflegt. Ihr Groll richtet sich nicht gegen ihn. Dennoch zieht sich Ettlin nicht aus der Verantwortung. «Dass man in so kurzer Zeit so viele gute Leute verliert – das darf einfach nicht sein.» Grundsätzlich trage er die Verantwortung, dass es zu diesen Kündigungen gekommen sei.

«Ich habe massive Versäumnisse zu tragen.» Er habe lange gehofft, dass sich das Klima wieder bessere – doch er habe sich getäuscht. Ettlin ist bis 2016 als Präsident gewählt. Erwägt er etwa gar einen vorzeitigen Rücktritt von diesem Amt? «Das ist nun genau die Frage, die ich mir stellen muss. Soll ich es sein lassen, oder soll ich versuchen, das Schiff wieder auf Kurs zu bringen?»

Auf die Frage, ob Sportbahnen-Geschäftsleiter Christian Dachs gegenüber unserer Zeitung ebenfalls seine Meinung darlegen würde, sagt Ettlin: «Ich glaube eher nicht.» Und auf die Frage, ob die Gefahr gross sei, dass weitere Mitarbeiter kündigen, sagt Ettlin: «Ich weiss es nicht.»

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