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KERNS: Wirt verzweifelt nach Explosion

Bei einer starken Explosion im Dorfkern wurde eine Person getötet vermutlich ein Mitarbeiter einer Pizzeria. Was zur Explosion führte, ist unklar.
Insgesamt 50 Rettungskräfte waren im Einsatz, um den Brand nach der Explosion zu löschen. (Bild: pd)

Insgesamt 50 Rettungskräfte waren im Einsatz, um den Brand nach der Explosion zu löschen. (Bild: pd)

Christoph Riebli

«Gewaltig» war die Explosion im Lagerraum der Pizzeria Steihuis im Kernser Dorfkern am frühen Donnerstagabend, wie Zeugen berichten. «Ich sass im Garten, und dann ‹klöpfte› es laut, und es fing an, ganz komisch zu riechen», erzählt eine Anwohnerin. Als sie aufgestanden sei, habe sie in 50 Meter Distanz eine riesige Rauchwolke aufsteigen sehen. «Es war eine starke Detonation, wie bei einer Sprengung», sagt ein anderer Anwohner, der gerade die «Tagesschau» guckte, als seine Wände von der Erschütterung zu vibrieren begannen. Noch näher dran war ein junger Mann, der sich bei unserer Zeitung gemeldet hat: «Wir sassen auf der Terrasse rund 15 Meter entfernt. Nach dem Riesenknall stieg eine Stichflamme aus dem Lager auf.» Unmittelbar danach alarmierte er die Feuerwehr.

Das folgenschwere Ereignis passierte kurz nach 19.30 Uhr und hat ein Grossaufgebot von total rund 50 Rettern und Helfern inklusive Rega – sowie viele Schaulustige auf den Platz gerufen. Restaurantgäste und Hausbewohner wurden evakuiert. Den durch die Explosion ausgelösten Brand konnten die Feuerwehren Kerns und Sarnen rasch löschen, wie die zuständige Staatsanwältin Sandra Christen sagt. Und: «Unter den Trümmern wurde eine Person gefunden, bei der der Rettungsdienst nur noch den Tod feststellen konnte.»

Opfer könnte Küchenchef sein

Wer die tote Person ist, kann die Staatsanwältin nicht sagen. «Wir haben zwar einen Verdacht, wer es sein könnte. Da es sich aber um ein Brandopfer handelt, muss die Identität forensisch geklärt werden.» Also mittels DNA-Analyse. Bis nächste Woche sollen die Ergebnisse bezüglich Identität und Todesursache vom Institut für Rechtsmedizin in Zürich vorliegen. Parallel dazu arbeiten deren Spezialisten vor Ort an der Aufklärung der Explosionsursache. Diesbezügliche Fortschritte hingen stark von den «Umständen vor Ort» ab, sagt Sandra Christen.

Dass das Unglück einen Toten forderte, stimmt «Steihuis»-Wirt Daniel von Rotz, der mit seiner Frau Olinda drei weitere Betriebe im Dorf führt und am Unglücksabend nicht vor Ort war, traurig: «Ich bin bedrückt, auch weil es noch keine Gewissheit gibt, wer umgekommen ist. Gesundheitlich geht es uns ‹schitter› bis bewölkt.» Dass es sich beim Toten um seinen 45-jährigen Küchenchef aus Sri Lanka handelt, will von Rotz nicht bestätigen. Doch: «Er hat am Donnerstag gearbeitet und ist seit der Explosion nicht mehr auffindbar.»

Der Keller der Pizzeria befindet sich in einem Anbau des Restaurants und Wohnhauses am Postplatz 6 und ist einzig durch eine Treppe von aussen erreichbar. «Keine Ahnung, weshalb es dort zur Explosion kam», erwidert von Rotz auf die Frage, «es hat auf dem gleichen Boden noch drei andere Keller, die den Hausbewohnern als Abstellfläche dienen.»

Bereits im Januar ein Brand

Bereits zum zweiten Mal innert weniger Monate hatte von Rotz nun schon die Feuerwehr auf dem Platz. Im Januar brannte es wegen eines alten Tellerwärmers in der «Turm»-Küche, nur einen Steinwurf vom «Steihuis» entfernt: «Jetzt bin ich ruiniert!», meint der Unglückswirt in seiner ersten Reaktion, «wieso trifft es schon wieder uns, das ist doch einfach irrsinniges Pech.» Und zum Zeitpunkt: «Nach dem Brand im ‹Turm› hatten wir riesige Einbussen, viele kamen nicht mehr. Jetzt ist der ‹Turm› wieder in Ordnung, wir haben die ganze Küche neu gemacht. Und jetzt das!»

Den Kopf hängen lassen will er aber nicht. «Ich richte den Blick nach vorne.» Als Erstes gelte es zu klären, wer beim Unglück gestorben sei und wie es dazu habe kommen können. «Als Nächstes müssen wir dann mit der Versicherung schauen, wie es weitergeht. Ich hoffe, dass der bisherige Erfolg durch das Unglück nicht zu Boden geritten wird.»

Noch völlig unklar ist die Höhe des entstandenen Sachschadens.

Betroffenheit im Haus

Am Postplatz 6, im Wohnbereich oberhalb der Pizzeria, macht das tragische Ereignis betroffen: «Ich wurde erst vor kurzem ins Haus gelassen. Es geht mir gar nicht gut», sagt eine Hausbewohnerin, die zum Explosionszeitpunkt abwesend war und erst am Freitagmorgen wieder in ihre Wohnung zurückdurfte. Sie kenne die Angestellten des Restaurants gut, sagt sie unter Tränen. «Ich habe tausend Gedanken, die mir durch den Kopf schiessen, und kann mich im Moment auf gar nichts konzentrieren.»

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