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KERNS: Zeitreise mit über 800 Bildern

Urs Grämiger macht der Gemeinde ein besonderes Geschenk. In seinem Buch lässt er die Dorfgeschichte nochmals aufleben.
Romano Cuonz
Sie stellten Kerns und Kernser um 1900 vor (von links): Martin Ming (Architektur), Urs Grämiger (Autor) und Werner Reinhard (alte Filme). (Bild: Romano Cuonz ()

Sie stellten Kerns und Kernser um 1900 vor (von links): Martin Ming (Architektur), Urs Grämiger (Autor) und Werner Reinhard (alte Filme). (Bild: Romano Cuonz ()

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

Um 1900 bereiste die attraktive Marie Louise Ettlin vom Breiteli in Kerns (1882–1969) als Gouvernante und Kindermädchen nobler Herrschaften England, Frankreich und sogar Ägypten. Dass in der damaligen «Belle Epoque» eine junge Kernserin ohne Lehre eine solche Karriere machte und dabei gut Französisch und Englisch lernte, ist ziemlich aussergewöhnlich. Mit der Biografie von Marie Louise Britschgi-Ettlin führt der ehemalige Sekundarlehrer Urs Grämiger in sein Buch «Kerns um 1900 – Dorf und Bewohner im Alltag von 1880 bis 1914» ein. Dass er dafür gerade sie auswählt, hat einen triftigen Grund: «Marie Louise Britschgis Sohn Robert, früherer Kernser Bankfilialleiter, Kantonsrat und Gemeindepräsident, gab mir den Anstoss und die Grundidee für dieses Buch.» In der Tat: Noch im Pensionsalter verfasste Robert Britschgi (1921–2013) genealogische Arbeiten zu Kernser Geschlechtern. Mit seiner Sammlung von Leidbildchen sicherte er dem Autor solide Quellen für das umfangreiche Werk. Später kam Material von weiteren Kernser Sammlern hinzu.

In seinem 300-seitigen Buch nimmt er die Leser mit auf eine spannende Zeitreise. Bilder von zahlreichen, längst nicht mehr bestehenden Häusern und «Heimet» von Kerns leben nochmals auf. Dazu hat er auch Geschichten ihrer Bewohner recherchiert. Und Grämiger ist überzeugt: «Im Alltag des damals kleinen Dorfes Kerns wird die grosse Welt in der Zeit der ‹Belle Epoque› widerspiegelt.» Damals führten Dorfläden noch Kolonialwaren, und die Pioniere Bucher und Durrer sorgten mit ihrer Bautätigkeit in der Hotellerie und im Tourismus für Aufsehen über die Landesgrenzen hinweg. Viele Gäste kamen nach Kerns: Ja, wer weiss denn heute noch, dass die «Burgfluh» einst ein Grandhotel mit 90 Zimmern und Tennisplatz war? Oder dass der Physiker Albert Einstein 1900 im Kurhaus Melchtal logiert hatte. All dies erzählt Grämiger im neuen Buch. Dazu geht er auf die damalige Architektur und ganz allgemein auf die Kernser Dorfgeschichte und das lokale Geschehen ein.

Viele Erinnerungen aufgefrischt

Zweifellos am meisten packen wird Urs Grämiger aber mit den vielen unglaublich spannenden Familiengeschichten. Damit – und indem er eine Strasse nach der andern, Heimet für Heimet, Läden und Handwerksbetriebe nochmals aufleben lässt, frischt der Autor verblasste Erinnerungen auf. Wie sehr dies heute interessiert, spürte man an der Vernissage. Da zeigte nämlich Werner Reinhard (Nachkomme von Otto Reinhard, einem der ersten Kernser Fotografen) parallel zum Buch zwei Kurzfilme. Legendäre Kernser Gestalten bewegten sich nochmals über die Leinwand: Da waren etwa die Grabbeterin «Egg-Seppi» (Josefa Durrer) bekleidet mit mehreren Röcken übereinander und der geniale Zimmermeister Josef Windlin mit langem Bart, der die erste hohe Brücke über die Melchaa baute. Oder auch der politisch engagierte Autor und Pfarrer Josef Ignaz von Ah, den man im ganzen Kanton voll Ehrfurcht den «Weltüberblicker» nannte. Wer in Grämigers Buch schmökert, wird aus dem Staunen kaum mehr herauskommen. Mit Pfarrer Albert von Ah hatte Kerns den ersten Obwaldner, der ein Automobil besass. Mit Josef Bucher-Andermatt einen pionierhaften Fahrradhändler, der Hercules-Räder aus der Münchner «Velozipedfabrik» nach Obwalden brachte. Zahllose kernige Kernserinnen und Kernser lernt man kennen. Oft sprechen allein schon ihre Namen Bände: Heidemättler, Nideich Karlini, d’s Decke Balz oder das Rollboden Fränzi.

Apropos «Heimet»: An der Buchvernissage erhielten die Besucher von Architekt Martin Ming auch einen interessanten Einblick in die Architektur während der «Belle Epoque». Der Fachmann erklärte Bauwerke, wie man sie im Buch immer wieder entdeckt, mit allen Details.

Hinweis: Kerns um 1900 – Dorf und Bewohner im Alltag von 1880 bis 1914: Bildband im Eigenverlag Urs Grämiger, Breiteliweg 7, 6064 Kerns. u.r.graemiger@bluewin.ch

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