KERNS/BRIENZ: Ein Kernser führt neu das Ballenberg

Mit Peter Kohler ist neu ein Kernser Direktor des Freilichtmuseums Ballenberg. Der Finanz­spezialist und gebürtige Haslitaler ist zuversichtlich, den Betrieb wieder in die Erfolgsspur zu bringen.

Matthias Piazza
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Übernimmt das Steuer des Freilichtmuseums Ballenberg: Peter Kohler, der mit seiner Frau in Kerns wohnt. (Bild: Keystone / Lukas Lehmann)

Übernimmt das Steuer des Freilichtmuseums Ballenberg: Peter Kohler, der mit seiner Frau in Kerns wohnt. (Bild: Keystone / Lukas Lehmann)

Er tritt ein schweres Erbe an. Ab 1. März ist Peter Kohler Direktor des Freilichtmuseums Ballenberg bei Brienz. Und verantwortet damit einen Betrieb, der turbulente Zeiten hinter sich hat: Ein Defizit von rund 20 000 Franken und einen Besucherrückgang von 16 Prozent verzeichnete das Freilichtmuseum im vergangenen Jahr.

Die Probleme sieht der 45-Jährige, der seit drei Jahren in Kerns wohnt, aber als Herausforderung. «Mit meiner Führungserfahrung bin ich überzeugt, das Museum wieder auf die Erfolgsspur zurückzubringen. Der Ballenberg ist ein gutes Produkt und das am zweitstärksten besuchte Museum in der Schweiz – gemessen an der Anzahl der offenen Tage», erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Darum sei für ihn rasch klar gewesen, dass der Ballenberg als bernisches Kulturflaggschiff und spannendes Ausflugsziel für ihn genau das Richtige sei, als er nach einer neuen, spannenden Herausforderung Ausschau gehalten habe. «Dieses Flagschiff weiterzusteuern, erachte ich als einmalige Chance.»

Soliden Betrieb angetroffen

Er habe auch nicht einen Scherbenhaufen angetroffen, sondern einen gesunden, soliden Betrieb mit hoch motivierten Mitarbeitern

Als Erstes wolle er nun wieder Ruhe und Verlässlichkeit in den Betrieb bringen, im Gespräch mit den Mitarbeitern herausfinden, wo der Schuh drücke. Das ist auch nötig, nach dem turbulenten Abgang der Geschäftsführerin Katrin Rieder vor eineinhalb Jahren. Längerfristig gelte es sicher, den Besucherschwund aufzuhalten und damit den Betrieb auch wieder in die schwarzen Zahlen zu führen.

An der Ausrichtung des Open-Air-Museums will er aber nichts Grundlegendes ändern. «Der Ballenberg stellt die bäuerliche, ländliche Kultur der Schweiz auf eine einzigartige, authentische Art und Weise dar, wie das kein anderes Museum machen kann. Eine Schweiz ohne Ballenberg kann ich mir nicht vorstellen. Er trägt zum Zusammenhalt unseres Landes bei und ist überdies fürs Haslital ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.»

Rund 200 000 Besucher kamen im vergangenen Jahr nach Ballenberg, wo rund 40 Festangestellte und 120 Saisonangestellte arbeiten.

Zeitgemässere Werbung geplant

Den Besucherrückgang im vergangenen Jahr will er nun genau analysieren und auf jeden Fall das Marketing und die Werbung noch zeitgerechter ausgestalten. Als weitere grosse Herausforderung erwähnt er die Mittelbeschaffung durch Bund und Kanton, um den Erhalt und Erneuerungen sicherzustellen. Der Standortkanton Bern subventioniert das Museum, dazu kommen Beiträge weiterer Kantone. 2014 gabs erstmals weitere 500 000 Franken vom Bund.

Es wird kein Disneyworld

Mit Peter Kohler steht nun ein Finanz- und Marketingspezialist an der Spitze – und nicht mehr eine Historikerin, wie seine Vorgängerin Katrin Rieder. Der gebürtige Haslitaler war von 2010 bis 2015 Geschäftsleiter der Gemeinde Meiringen, hatte dort die Verwaltungsstrukturen reorganisiert. Diese Eigenschaften kämen ihm in der neuen Funktion zugute. «Und mit Beatrice Tobler als wissenschaftliche Leiterin in der Geschäftsleitung ist der museale fachliche Hintergrund gewährleistet.»

Bedenken, dass der Ballenberg zu einem Disneyworld wird, um mehr Besucher anzulocken, zerstreut er. «Davon sind wir meilenweit entfernt. Wir wollen an der einmaligen Ausrichtung festhalten, einerseits mit einer historisch fundierten Ausstellung interessiertes Fachpublikum anziehen, andererseits mit Attraktionen wie etwa Spielplatz und Streichelgehege auch Familien begeistern.»

Die Liebe verschlug ihn nach Kerns

Er selber ist in Meiringen aufgewachsen und kenne darum den Ballenberg von seiner Jugendzeit. Der Liebe wegen habe es ihn vor drei Jahren nach Kerns verschlagen, wo er mit seiner Frau, die ursprünglich aus Nidwalden stammt, im Haus ihrer Grosseltern wohne.

Von einem Kulturschock könne keine Rede sein. «Ich denke, dass der Haslitaler in etwa ähnlich tickt wie der Obwaldner», erzählt er. Entsprechend schnell habe er sich in seiner neuen Heimat eingelebt, sei etwa Mitglied im Tennisclub Kerns.
 

Matthias Piazza