KERNS/MELCHTAL: Schüler gehen auf Entdeckungstour

«Schleimig» und doch faszinierend: Dritt-und Viertklässler haben in ihrer Projektwoche die Bachforelle genauer unter die Lupe genommen – und erhielten Tipps vom Fachmann.

Marion Wannemacher
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Interessiert lauschen die Schülern den Ausführungen von Fischereiaufseher Armin von Deschwanden (rechts) über Bachforellen. Anschliessend kippt er die Tiere aus dem Becken wieder in die Melchaa. (Bild: Marion Wannemacher (Melchtal, 22. Mai 2017))

Interessiert lauschen die Schülern den Ausführungen von Fischereiaufseher Armin von Deschwanden (rechts) über Bachforellen. Anschliessend kippt er die Tiere aus dem Becken wieder in die Melchaa. (Bild: Marion Wannemacher (Melchtal, 22. Mai 2017))

Marion Wannemacher

marion.wannemacher@obwaldnerzeitung.ch

Fischereiaufseher Armin von Deschwanden holt mit einem Eimer Wasser aus dem Seitenbach der Melchaa unterhalb von Melchtal und füllt es in ein Becken. «Was für Fische schwimmen denn hier im Wildbach?», fragt er die Gruppe Dritt- und Viertklässler. «Bachforellen», antwortet Anja. Und noch einer in der Gruppe, der sich schon auskennt. «Niklas hat gestern mit seinem Dädi Fische in die Melchaa eingesetzt», erzählt Armin von Deschwanden.

Damit die Kinder mehr über die Bachforelle lernen, ohne ein lebendiges Tier zu stressen, hat er ein totes Exemplar mitgebracht. Gemeinsam untersucht die Gruppe die Kiemen. Jeder darf den Fisch halten, in der Hand wiegen, abtasten. «Iiiih», sagt eines der Mädchen, ein Bub findet den Fisch «schleimig».

Klassenübergreifendes Projekt nach Wahl

Jugend forscht. Von Montag an sind 143 Dritt- und Viertklässler aus Kerns und Melchtal während der Projektwoche in gemischten Gruppen «zäme unterwegs» – so lautet das Jahresmotto der Schule. In 15 Ateliers können sie sich auf die verschiedensten Themen konzentrieren, einen Besuch bei den Sportbahnen, beim EWO-Kraftwerk Hugschwendi, im Kloster oder beim Tierpräparator machen. Die Kinder aus dem Atelier beim Fischereiaufseher sind mit Eifer dabei, lernen, wie sich die Fische nach der Eiszeit hier angesiedelt haben, wie sie sich fortpflanzen, dass sie einwandfreies Wasser brauchen. Anja freut sich über den anschaulichen Unterricht in der Natur: «Da muss man nicht in die Schule.» Und Sara sagt: «Ich finde die Projektwoche cool.» Für Primarlehrerin Monika Windlin steht fest: «Ich finde es strenger als Unterricht geben. Aber wenn du die Kinder hinterher hörst, weisst du, es hat sich total gelohnt.» Die Vorteile der Projektwoche liegen für sie auf der Hand: «Kinder können ausserhalb der Klasse etwas zusammen machen, und sie können sich dem widmen, was sie interessiert.» Auch für Armin von Deschwanden ist es aufwendig, das Atelier vorzubereiten. Doch: «Es ist wichtig, die Kinder für die Zukunft zu sensibilisieren, dass die Natur etwas Wertvolles ist und man sich um sie kümmern muss.» Mit dem Elektrofischfanggerät holt er kleine Bachforellen aus dem Seitenbach. Zwölf Köpfe beugen sich über den Fischbottich. «Wichtig ist, dass man ruhig ist und den Fisch nicht zu fest hält, sonst bekommt er Stress», erklärt von Deschwanden mit einem Fisch in seiner Hand. Keine zehn Minuten und die kleinen Bachforellen schwimmen wieder in der Melchaa.

Mit Laborgläschen ziehen die Schüler los und sammeln Larven von Insekten im Bach. Niklas entdeckt gar eine Schlange. Doch als die anderen herbeispringen, ist diese schon längst geflohen. Bald heisst es zurücklaufen zum Sportcamp Melchtal, da schlafen alle in dieser Nacht. Am nächsten Tag steht eine Wanderung auf dem Programm und danach ein Tanzevent in der Schule. Wie gut, dass die ganze Woche Projektwoche ist!