Kinderhilfswerk

Wenn Sozialdienste nicht helfen können, will Kiwanis Obwalden einspringen

Benachteiligte Kinder sollen finanzielle Hilfe bekommen, wenn die Sozialhilfe keine oder zu wenig Unterstützung leisten kann. Der Kiwanis Club Obwalden lanciert ein neues Hilfsangebot.

Philipp Unterschütz
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Bringen ein neues Unterstützungsangebot: Koordinator Markus Zahno, Bereichsleiter Soziales/Gesellschaft und Mitglied der Geschäftsleitung der Gemeinde Sarnen (links) mit alt Regierungsrat Paul Federer, Präsident Kiwanis Club Obwalden.

Bringen ein neues Unterstützungsangebot: Koordinator Markus Zahno, Bereichsleiter Soziales/Gesellschaft und Mitglied der Geschäftsleitung der Gemeinde Sarnen (links) mit alt Regierungsrat Paul Federer, Präsident Kiwanis Club Obwalden.

Bild: PD/Janmaat (Sarnen, 4. Januar 2020)

«Es gibt in Obwalden zwar immer weniger Kinder, bei denen in finanziellen Notlagen nicht die Sozialhilfe oder andere Institutionen zum Zug kommen», erklärt alt Regierungsrat Paul Federer, Präsident des Kiwanis Clubs Obwalden. Oft sei es aber so, dass diese Hilfe eben nicht ausreiche, oder dass sie gewisse Bereiche gar nicht abdecken könne.

Beispielsweise kann gemäss geltenden SKOS-Richtlinien bei Zahnfehlstellungen nur «ein angemessener Beitrag» gezahlt werden. «Das reicht oft nicht aus, um Korrekturen zu erreichen, die verhindern, dass die Kinder deswegen ihr ganzes Leben mit Nachteilen oder mit Folgen davon zu kämpfen haben», so Paul Federer. Weitere Beispiele sind Kauf oder Miete von Musikinstrumenten, damit begabte Kinder in der Musikschule mitmachen können, oder auch Unterstützung von Lageraufenthalten sowie Vereinsbeiträge. Auch hier sind die Möglichkeiten der Sozialhilfe beschränkt. Oft helfen Beiträge unterschiedlicher Organisationen zum Erfolg eines wichtigen Anliegens. Dafür möchte der Kiwanis Club Obwalden auch Hand bieten.

Der Kiwanis-Sozialfonds ist gut gefüllt

Der Obwaldner alt Regierungsrat Paul Federer ist Präsident von Kiwanis Obwalden.

Der Obwaldner alt Regierungsrat Paul Federer ist Präsident von Kiwanis Obwalden.

Bild: Philipp Unterschütz
(16. Dezember 2020)

Paul Federer war vor seiner Zeit als Regierungsrat von 2002 bis 2010 als Gemeinderat und Gemeindepräsident in Sarnen Sozialvorsteher und kennt solche Fälle aus eigener Erfahrung. Das brachte ihn schliesslich auch auf die Idee des neuen Hilfsangebots: Aus der Sozialhilfekasse des Kiwanis Clubs Obwalden werden ab 2021 Personen, Familien und Alleinerziehende mit Wohnsitz in Obwalden unterstützt, wenn sie in einer finanziellen Notlage sind. Das Angebot ist eine Ergänzung zur bestehenden Sozialhilfe, es werden nur Auslagen unterstützt, für die kein gesetzlicher Anspruch besteht.

Der Sozialfonds des Kiwanis Clubs Obwalden wird gefüllt von einem Teil der Mitgliederbeiträge der 38 Kiwaner und von den Beiträgen, die sie jeweils bei ihren regelmässigen Lunches in die Kasse einzahlen. Pro Jahr kommt so eine ansehnliche Summe zusammen. Paul Federer dazu:

«Dieses Geld soll jetzt auch zweckgebunden eingesetzt werden.»

Schliesslich sei Kiwanis in erster Linie ein Kinderhilfswerk. Weil die Hilfe für wirtschaftliche Notfälle über die Gemeinden organisiert ist, erfolgt auch die Kiwanis-Hilfe über diesen Weg. Die Koordination für die Sozialdienste der Gemeinden liegt bei Markus Zahno, Geschäftsleitungsmitglied der Gemeinde Sarnen und Leiter des Bereichs Soziales.

Finanzierungsgesuche können seit dem 1. Januar beantragt werden

Gesuche für Hilfeleistungen müssen Betroffene also bei den Sozialberatungsstellen der jeweiligen Wohngemeinde einreichen. Diese prüft und bestätigt die finanzielle Notlage. Wird der Antrag durch den Vorstand der Kiwaner bewilligt, zahlt Kiwanis den Beitrag via die Sozialberatungsstelle aus. Die Gelder sind personenbezogen und zweckgebunden, dürfen also nicht anders verwendet werden als beantragt. Finanzierungsgesuche können seit dem 1. Januar für Zahnbehandlungen, Miete/Kauf von Musikinstrumenten, Lageraufenthalte, Vereinsbeiträge, sinnstiftende Freizeitbeschäftigungen oder auch Babyausstattungen alleinstehender Eltern eingereicht werden.

Die Sozialdienste der Gemeinden wurden im November vom Kiwanis Club Obwalden über das neue Angebot informiert. Laut Paul Federer sind die Reaktionen sehr positiv.

«Wir rechnen nun pro Jahr mit etwa einem Dutzend Gesuchen für Zahnbehandlungen oder Musikinstrumente und etlichen kleineren Anträgen für Lagerkosten oder Vereinsbeiträge.»

Das Geld werde künftig jedes Jahr verteilt, solange es halt jeweils reiche.

Der Kiwanis Club Obwalden

Der Kiwanis Club Obwalden wurde im September 1984 gegründet. Die gegenwärtig 38 Mitglieder haben ihren Wohnsitz in der Region Obwalden und sind in verschiedensten Berufen tätig. Sie treffen sich in der Regel zweimal im Monat zum Lunch. Die Äufnung des Sozialhilfefonds erfolgt über jährliche Überweisungen aus den Mitgliederbeiträgen. Fehlen Mitglieder an den Anlässen, so geht die ganze Lunchpauschale in die soziale Einrichtung. Kiwanis-Mitglieder können sich nicht bewerben, sie werden von einem Mitglied vorgeschlagen und von allen Kiwanern gewählt. Der Kiwanis Club Obwalden ist Teil des Netzwerks Kiwanis International, welches weltweit über 7200 Klubs mit rund 234'000 Mitgliedern zählt. Karitatives Engagement für Kinder und die Freundschaftspflege unter den Mitgliedern sind die Ziele der Klubs. Ein weltweit bedeutendes Beispiel ist das Projekt «Eliminate» zur Bekämpfung des mütterlichen und frühkindlichen Tetanus. Weltweit wurden durch Kiwanis Clubs über 110 Millionen US-Dollar gesammelt und der Unicef übergeben. Vorwiegend setzt sich der Club jedoch für regionale Projekte und Aktionen ein. Kürzlich berichteten wir über die Aktion mit den Grittibänzen zum St.-Nikolaus-Tag.