Kirchenaustritte erreichen in Alpnach Rekordhöhe

Pfarrer Thomas Meli möchte in Gesprächen zum Nachdenken anregen. Personen von einem Kirchenaustritt abhalten will er aber nicht.

Markus Villiger
Merken
Drucken
Teilen
Die Pfarrkirche Alpnach.

Die Pfarrkirche Alpnach.

Bild: Markus von Rotz, (2. März 2019)

Im Jahr 2019 zählte die Pfarrei Alpnach 61 Austritte und nur zwei Eintritte. Der Alpnacher Pfarrer Thoms Meli und Kirchgemeindepräsident Daniel Albert zeigen sich über die jüngsten Rekordzahlen «besorgt». «Dass die Zahl von Kirchenaustritten Jahr für Jahr ansteigt, beunruhigt mich natürlich, auch wenn jede getaufte Person das Recht hat, aus der Kirche auszutreten und somit die Anbindung an die Kirche ad acta zu legen», so Pfarrer Thomas Meli auf die Frage, wie er als Pfarrer die Kirchenaustritte beurteilt.

Von 2009 bis 2019 sind in der Pfarrei Alpnach insgesamt 358Personen aus der Kirche ausgetreten. Neueintritte waren in den elf Jahren lediglich 15 zu verzeichnen. Im Jahr 2018 hatten die Kirchgemeinden von Obwalden insgesamt 203Kirchenaustritte und drei Eintritte zu verzeichnen. Die Zahlen für 2019 liegen noch nicht vor.

Kirchenaustritte können ein Problem werden

Selbstkritisch stellt Pfarrer Meli auch die Frage, ob die Liturgie, die Sprache des Gottesdienstes und die religiösen Rituale die Menschen heute überhaupt noch erreichen können. «Wir haben in diesen Bereichen sicher einen Reformstau und kommen seit Jahren nicht vom Fleck», begründet Thomas Meli die aktuelle Situation. Er relativiert die Kirchenaustritte: «Austreten heisst nicht, dass eine Person keinen Glauben mehr hat. Es kann auch sein, dass jemand die Konfession wechseln will oder ein Zeichen gegenüber der Kirchenleitung setzen will, mit der man nicht mehr einverstanden ist.»

Der Alpnacher Pfarrer erwähnt im Gespräch auch die theologische Begründung: «Die heisst für mich: Man kann die gespendete Taufe und Firmung nicht zurückgeben. Man ist aufgrund des katholischen Sakramentsverständnisses ein Leben lang Christ oder Christin. Im Glauben besteht da eine gegenseitige Verpflichtung des Spenders und des Empfängers. Das ist auch die Begründung dafür, dass eine ausgetretene Person immer auf den Austrittsentscheid zurückkommen kann.»

Pfarrer Meli ist «fest davon überzeugt», dass bei dem weitaus grössten Teil der Austretenden das Geld im Vordergrund steht. «Man will eine Institution nicht mehr finanziell unterstützen, von der man meint, nichts zu bekommen.» Nach Ansicht von Kirchgemeindepräsident Daniel Albert könnte die Zunahme der Kirchenaustritte in naher Zukunft zu einem Problem werden, aber nicht nur in Alpnach. Seine Prognose: «In Obwalden werden die Kirchgemeinden deshalb nicht darum herumkommen, nach Synergien zu suchen und die Kräfte über die Pfarreigrenzen hinaus zu bündeln».

Desinteresse ist ein Motiv für den Austritt

In den meisten Fällen kennt Pfarrer Meli die Austretenden persönlich nicht. Daraus schliesst er, dass diese Personen im Pfarreileben nicht heimisch geworden sind. «Desinteresse ist sicher auch ein Motiv für den Austritt und den Glaubensschwund», so Pfarrer Meli.

Der Alpnacher Pfarrherr kann und will die Kirchenaustritte weder stoppen noch verhindern. «Ich käme mir eigenartig vor, bei Ausgetretenen vorzusprechen und sie umstimmen zu wollen. Aber ich kann mit Gesprächen und Begegnungen der unterschiedlichsten Art da und dort etwas auslösen, das die Leute zum Nachdenken anregt.» Die Gelegenheiten, die sich dafür bei religiösen oder weltlichen Anlässen bieten, seien nicht zu unterschätzen.