Klare Voten am Wahlpodium

Das Podium zur Nationalratswahl im Kanton Obwalden hat für einen grossen Publikumsaufmarsch gesorgt. Gesprächsstoff gaben vor allem die Themen Militär und Energie her.

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Sie kreuzten die Klingen: SVP-Nationalrat Christoph von Rotz (links) und CSP-Herausforderer Karl Vogler (rechts). In der Mitte Gesprächsleiter Markus von Rotz. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue OZ)

Sie kreuzten die Klingen: SVP-Nationalrat Christoph von Rotz (links) und CSP-Herausforderer Karl Vogler (rechts). In der Mitte Gesprächsleiter Markus von Rotz. (Bild: Corinne Glanzmann/Neue OZ)

Christoph von Rotz steht auf Pizzas, Karl Vogler hat lieber Rösti. Beide aber ziehen ein Schweizer Bioprodukt einer Gurke aus Spanien vor. Dies und viel mehr erfuhr man am Dienstagabend an dem von unserer Zeitung organisierten Podiumsgespräch mit den beiden Nationalratskandidaten. Neben kleinen Details mit grossem Unterhaltungswert stand aber vor allem die aktuelle nationale Politik im Zentrum des Interesses. «Für welchen Feind brauchen wir neue Kampfflugzeuge?», fragte Gesprächsleiter Markus von Rotz den SVP-Nationalrat Christoph von Rotz. «Die Sicherheit ist die wichtigste Aufgabe eines souveränen Staates», antwortete dieser dem Redaktionsleiter der «Neuen Nidwaldner Zeitung». «Dazu gehört auch die Luftwaffe.» Auch Karl Vogler wäre dem Beschluss des Nationalrats gefolgt und hätte Ja gesagt zur Beschaffungvon neuen Kampfflugzeugen. «Wer eine glaubwürdige Armee haben will, muss den Luftraum verteidigen können», sagte Vogler vor dem mit rund 200 Personen voll besetzten «Metzgern»-Saal in Sarnen. Mit alten Maschinen funktioniere das nun mal nicht.

Referendum oder nicht?

Die SVP setzt sich seit Jahren für die Einführung des Finanzreferendums auf Bundesebene ein. Bei der Beschaffung von Kampfflugzeugen aber ist Christoph von Rotz dagegen, dass das Volk über den Kauf entscheidet. «Weshalb? Hat man Angst vor dem Volk?», so die Frage an den SVP-Politiker. Das habe nichts mit Angstvor dem Volk zu tun, antwortete von Rotz und verwies darauf, dass das Volk auch noch nie über die Anschaffung von Panzern habe abstimmen können. Die Beschaffung von Kampffliegern sei eine Staatsaufgabe. Es sei deshalb wenig sinnvoll, dieses einzelne Geschäft – «obwohl es teuer ist» – vors Volk zu bringen.

Vogler will Initiative vermeiden

Karl Vogler ist dagegen überzeugt, dass auf einen entsprechenden Bundesbeschluss bald eine Initiative – und damit ohnehin eine Volksabstimmung – folgen würde. Er halte es für angemessener, «jetzt einen referendumsfähigen Beschluss zu machen», um Zeit zu sparen.

Vogler übrigens war nicht tauglich für den Militärdienst, wie er am Podium in Sarnen sagte. «Und ich war Soldat in leitender Funktion», so von Rotz schmunzelnd.

Die Themen Sicherheit und Kosten prägten auch die Debatte über den Atomausstieg. «Am wichtigsten ist es, dass wir eine sichere und günstige Energieversorgung haben», stellte Christoph von Rotz klar und warnte vor Schnellschüssen. Es bringe nichts, aus der Atomenergie auszusteigen, um «sich dann von den Franzosen ein AKW andie Grenze stellen zu lassen». Die Schweiz sei deshalb gefordert, neue Technologien zu nutzen. Seine Frage ans Publikum, wer denn seit Fukushima bereits 20 Prozent Strom gespart habe, blieb erwartungsgemäss ohne Reaktionen.

Wie Energie speichern?

Der Atomausstieg sei «eine Herkulesaufgabe», betonte Karl Vogler. Zu bewältigen sei ein Atomausstieg nur mit vereinten Kräften. Viel Einsparpotenzial ortet Vogler im Bereich der Gebäudetechnik. Wie sein Kontrahent Christoph von Rotz sieht auch er vor allem die Speicherung von Energie als grosse Herausforderung. Im Gegensatz zu herkömmlichen Kraftwerken stünden nämlich alternative Energielieferanten – etwa Sonnenlicht oder Wind – nicht pausenlos zur Verfügung. «Da muss man neue Speicherkapazitäten schaffen und auch neue Übertragungs- und Verteilnetze.» Es sei wichtig, dass der Staat entsprechende Föderprogramme nun in Auftrag gebe.

Ein wichtiger Grund dafür, dass auch er einen Ausstieg aus der Atomenergie befürworte, sei das noch immer ungelöste Problem der Abfallentsorgung, sagte Karl Vogler.

AdrianVenetz/ Neue OZ

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SVP mit leichtem «Heimvorteil»?

Christoph von Rotz erhielt – im Gegensatz zu seinem Kontrahenten Karl Vogler – an der Podiumsdiskussion für einige seiner Voten spontanen Applaus. Auch bei der Fragerunde zeigte sich, dass der SVP-Nationalrat die Mehrheit des Saals auf seiner Seite hatte – zumindest was die Wortmeldungen anging. So zeigte sich, dass vor allem das Thema «Masseneinwanderung» das Publikum interessierte. Unbeeindruckt von den kritischen Voten stellte sich Vogler am Podium klar hinter die Personenfreizügigkeit und damit gegen die von der SVP lancierte Initiative gegen die Masseneinwanderung. «Wer der Schweizer Wirtschaft schaden will, muss der Initiative zustimmen», sagte Vogler überspitzt und erntete damit ein Raunen und Kopfschütteln im Publikum.

Personenfreizügigkeit

Applaus holte sich Christoph von Rotz mit seiner Replik, dass die Personenfreizügigkeit keineswegs neue Arbeitsplätze geschaffen habe. «Ausländer, die wir brauchen können, haben wir immer schon in die Schweiz geholt.» Bei diesen sei der «Sozialmissbrauch» denn auch nie ein Problem gewesen. Vogler wiederum hielt dem entgegen: «Wenn man will, kann man jedes System ausnutzen.» Dies sei aber noch lange kein Grund, ein gut funktionierendes System abzuschaffen. «Wir dürfen nicht vergessen, wie viel die Schweiz den Ausländern in unserem Land verdankt.»

Im Kanton Obwalden kandidieren 2 Personen für den Nationalrat und zwei Personen für den Ständerat. Es sind dies: (Bild: Keystone)
5 Bilder
Christoph von Rotz, bisheriger Nationalrat der SVP, Jahrgang 1966, aus Sarnen. (Bild: PD)
CSP Nationalratskandidat Karl Vogler (55) aus Lungern. (Bild: Markus von Rotz/Neue OZ)
FDP Ständeratskandidat Hans Hess, Jahrgang 1945 aus Engelberg (bisher). (Bild: PD)
Ständeratswahlen: Bashkim Rexhepi aus Giswil (1982) kandidiert für die Juso. (Bild: PD)

Im Kanton Obwalden kandidieren 2 Personen für den Nationalrat und zwei Personen für den Ständerat. Es sind dies: (Bild: Keystone)