Klimaschutz ist wie Sonnenschutz

Anna Burch ruft in ihrem «Ich meinti» dazu auf, einen vorweihnachtlichen Selbstversuch zum Kilmaschutz zu starten.

Anna Burch
Drucken
Teilen
Anna Burch. (Bild: PD)

Anna Burch. (Bild: PD)

Klimaschutz ist wie Sonnenschutz. Man bräunt sich in der Sonne, obwohl jedem bewusst ist, dass das langfristig nicht gesund für unsere Haut ist. Genauso verhält es sich mit dem Klimaschutz: Man lebt ein Leben, von dem wir alle wissen, dass es auf lange Frist nicht gesund für unseren Planeten ist. So wissen wir zwar viel, tun aber trotzdem nichts – wie auch die neuesten Resultate aus Kattowitz und Bern zeigen, wo die Klimakonferenz zeitgleich zur Revision des CO2-Gesetzes in der Schweiz stattfindet.

Und versteht mich nicht falsch, ich zähle mich da voll und ganz dazu: Als fast-fashion-liebende, ehemalige Vielfliegerin, welche gerne mal eine Avocado in den Einkaufswagen packt, bin auch ich alles andere als heilig – geschweige denn klimaneutral. Wir üben uns der Scheinheiligkeit, denken, dass wir alleine sowieso nichts verändern können und dies insgeheim auch nicht wollen – weil zu unbequem. So schauen wir weg und machen wie gewohnt weiter: Weiter mit Kurzstrecken fliegen, mit toxischer Kleidung shoppen und mit Fleisch schlemmen.

Doch wieso ist es so unangenehm, über Klimawandel zu reden? Warum schiebt die Politik das Problem durch den Kauf von Emissionszertifikaten lieber auf das Ausland ab? Und wieso ist die Umwelterwärmung nicht einmal den Medien sexy genug, um mehr darüber zu berichten? Meine Hypothese: Schuld daran ist dieses Gefühl des Unbehagens – ein Cocktail aus Angst, Unwissenheit und schlechtem Gewissen. Es sind Verlustängste der unangenehmsten Art: Nämlich die Angst davor, unseren schönen Planeten in seiner ursprünglichen Form zu verlieren. Wir alle kennen es: Dieser unangenehme Schauer, welcher uns den Rücken runter läuft, sobald das Wort Klimawandel fällt und uns dazu verleitet, einfach wegzuschauen. Die Augen zu verschliessen und wie gewohnt weiterzumachen.

Doch was wäre, wenn beim Thema Umweltschutz die positiven Gefühle dominieren würden? Wenn wir – als Konsumenten – bei uns selber anfangen würden, im Glauben, dass unser Verhalten jener Dominostein ist, welcher die entscheidende Entwicklung ins Rollen bringen könnte? Vielleicht würde sich dann in der breiten Bevölkerung endlich aktiv etwas tun in Sachen Klimaschutz. Das Klima würde sich zwar weiter erwärmen, jedoch parallel dazu würde ein Bewusstseinswandel einsetzen. Der Fokus muss also auf den kleinen Dingen und Gewohnheiten liegen, welche – wenn es immer mehr Leute tun – eine grosse Wirkung haben.

In diesem Sinne möchte ich euch alle einladen, diesen ersten Dominostein zum Fallen zu bringen und mit mir den vorweihnachtlichen Selbstversuch zu starten, unsere Beziehung zum Klima zu revolutionieren: jeder für sich und dort, wo es persönlich am wenigsten wehtut. Wenn nicht für uns selber, dann für alle süssen Babys heute und Erdbewohner von morgen. Im Gegenzug dafür verspreche ich Euch, dass sich diese Angst – das unangenehme Gefühl des Ausgeliefert-Seins und das schlechte Gewissen noch dazu – in Luft auflösen wird. Auch unser angespanntes Verhältnis zum Wort «Klimawandel» wird sich auflockern. Denn selber aktiv zu werden und etwas zum Klimaschutz beizutragen – sei es auch «nur» im privaten Bereich – kann unglaublich befreiend sein. Man emanzipiert sich von der Menge, welche orientierungslos im Fluss der Gleichgültigkeit dahintreibt. Man lebt bewusster, konsumiert bewusster und ist zudem in der Lage, die Schönheit unseres Planeten bewusster zu geniessen.

Das alles nur, weil man die Erde mit der gleichen Sorgfalt behandelt, wie sie uns. So einfach die Theorie.

Anna Burch aus Sarnen, Studentin der internationalen Beziehungen an der Uni St. Gallen, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.