Kloster Engelberg bringt Gottesdienst in die heimische Stube

Wegen der Vorschriften betreffend Corona-Virus ist auch der Besuch von Gottesdiensten nicht mehr möglich. Das Kloster Engelberg greift deshalb zu Live-Übertragungen übers Kabelfernsehen. Der Gottesdienst soll aber nicht zu einer Show werden.

Philipp Unterschütz
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Andrew Gaston bei der Toneinstellung, während Philipp von Holzen am Altar die Position des Zelebranten einnimmt.

Andrew Gaston bei der Toneinstellung, während Philipp von Holzen am Altar die Position des Zelebranten einnimmt.

Bild: Beat Christen (Engelberg, 18. März 2020) 

Der Benediktstag am kommenden Samstag ist einer der wichtigsten Feiertage für das Kloster Engelberg. Der Gottesdienst an diesem Tag war deshalb traditionellerweise immer sehr gut besucht. Doch die Weisungen des Bundesrates wegen des Corona-Virus machen auch vor den Gotteshäusern nicht halt. In Engelberg bleibt die Klosterkirche zwar offen, ein Anschlag beim Eingang appelliert aber an die Eigenverantwortung und bittet die Besucher darauf zu achten, dass sich nicht mehr als fünf Leute gleichzeitig in der Kirche aufhalten. 

Diese Weisung gilt natürlich auch für kirchliche Anlässe. Doch anstatt den beliebten Gottesdienst abzusagen, setzt das Kloster Engelberg eine Idee um, die vielleicht auch bei anderen Pfarreien Schule machen könnte: Man greift zu moderner Übertragungstechnik. Der Engelberger Kabelfernsehbetreiber Tele Alpin AG überträgt den Gottesdienst live auf dem Engelberger Kabelnetz und bringt ihn damit in die heimischen Stuben. 

Neuland für Abt Christian

Ein Gottesdienst nur mit Kamera, aber vor leeren Kirchenbänken – das ist eine neue Situation für Abt Christian Meyer vom Kloster Engelberg, der den Gottesdienst am Samstag halten wird. Es sei sicher komisch, wenn niemand in der Kirche sei.

«Aber meine Fantasie ist genug gross, dass ich mir vorstellen kann, dass jetzt alle Schutzengel der Menschen, die sonst hier wären, in der Kirche versammelt sind. Das wird mir sehr helfen.»

Die Liturgie sei ja nicht nur ein Geschehen zwischen Menschen. «Da ist auch immer der Himmel dabei. Ich fühle mich verbunden mit allen, die dabei sein wollten», erklärt Abt Christian.

Am Freitag werde der Ablauf geübt, erzählt der Abt weiter. Da werde beispielsweise definiert, wie sein Bewegungsradius aussehe. Geplant ist momentan eine feststehende Kamera mit fixem Blickwinkel. «Ich werde am Altar stehen und ein bis zwei Mitbrüder für die Liturgie dabei haben.» Die Klostergemeinschaft werde den wichtigen Gottesdienst vorher hinter verschlossenen Türen und unter Einhaltung aller Vorschriften bezüglich Corona-Virus feiern. Die ganze Aktion ist auch mit dem Obwaldner Gesundheitsamt abgesprochen worden.

Die merkwürdige Situation werde ihn nicht ablenken, ist Abt Christian überzeugt. «Im Gegenteil, sie zeigt mir die spezielle Zeit noch deutlicher, sie bindet mich noch stärker ein in die neue Lebenssituation.» Er sei aber selber gespannt auf das Ergebnis, meint er mit einem Schmunzeln. «Man ist ja nie so ganz zufrieden, wenn man sich selber am Fernsehen sieht.»

Weitere Gottesdienste werden live übertragen

Die Übertragung des Gottesdienstes am Samstag auf dem Kabelfernsehnetz und via Livestream auf der Website des Klosters wird nicht eine einmalige Aktion bleiben. Jeweils am Sonntag wird bis auf weiteres ein Gottesdienst übertragen. «Wir werden sehen, wie lange die Herausforderung durch das Corona-Virus anhält. Zum Feiern gehört halt schon die gemeinschaftliche Gegenwart dazu», sagt Abt Christian. Man überlege sich jetzt noch nicht, ob man die Übertragungen auch in Zukunft weiterführe.

Das Kloster Engelberg im Winterkleid.

Das Kloster Engelberg im Winterkleid. 

Bild: Beat Christen (4. Februar 2019)

Nicht neu ist die Liveübertragung von Anlässen für die Tele Alpin AG, die über ihr Kabelnetz rund 4000 Haushaltungen in der Region Engelberg erreicht. Schon in den 1990er-Jahren habe der Kabelnetzbetreiber Mitternachtsmessen oder politische Infoveranstaltungen live übertragen, erzählt der technische Leiter Philipp von Holzen. «In jüngerer Zeit haben wir Liveübertragungen von der Fasnacht, der Bartabhauet oder auch vom damaligen Olympia-Empfang für Dominique Gisin gemacht.» Die Technik habe das Einspeisen eines solchen Anlasses mittlerweile sehr vereinfacht. Bei der jetzigen Übertragung mit einer minimalen Bild- und Tonregie aus der Klosterkirche gehe es aber etwas weniger um attraktive und abwechslungsreiche Bildschnitte, sagt von Holzen.

«Es steht der Inhalt und eine zuverlässige Übertragung im Vordergrund, es geht ja nicht um eine Show.»

Einigen Aufwand bringt die Dienstleistung für das Elektroteam des Klosters. Dieses musste während zweier Tage mehrere hundert Meter Kabel verlegen. 

Die Übertragung des Gottesdienstes aus der Klosterkirche Engelberg erfolgt am Samstag, 21. März ab 10.15 Uhr auf dem Kanal TEP-tv, respektive Programm 35.