Kloster Engelberg und Käserei haben sich zu einer Einigung durchgerungen

Die Käserei darf noch gut drei Jahre im Kloster bleiben. Danach muss Käsermeister Walter Grob ausziehen – ob seine eigene neue Käserei fertig ist oder nicht.

Philipp Unterschütz
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Schaukäserei Engelberg. Der Weichkäse-Weissschimmelkäse- Keller/Lagerraum.

Schaukäserei Engelberg. Der Weichkäse-Weissschimmelkäse- Keller/Lagerraum.

Bild: PD

Eigentlich müsste die Käserei im Kloster Engelberg seit Wochen verwaist sein. Im Dezember teilte die Klosterverwaltung mit, dass man Käsermeister Walter Grob auf Ende März gekündigt habe. Dieser wehrte sich dagegen und wollte gar den Rechtsweg beschreiten. Die Käserei ist aber immer noch im Betrieb.

Nach langen und intensiven Verhandlungen haben sich die beiden Parteien aussergerichtlich geeinigt. «Das Kloster Engelberg und die Schaukäserei Kloster Engelberg AG gehen ab 1. Oktober 2023 getrennte Wege», heisst es in einer gemeinsamen Medienmitteilung, die das Kloster Engelberg am Dienstag verschickte. Und weiter: «Eine Verlängerung der Mietverhältnisse über den 30. September 2023 hinaus wurde vertraglich ausdrücklich ausgeschlossen.»

Das heisst, dass die Käserei vorerst weiter im gewohnten Rahmen im Kloster produzieren kann. Am 30. September 2023 werden die Mieträumlichkeiten an das Kloster zurückgehen. «Wir werden die Räume sanieren und danach selber bewirtschaften», sagt Daniel Amstutz, Geschäftsführer des Klosters Engelberg. Der Laden solle erhalten bleiben, das Konzept dafür ist noch offen. Die Produktionsräume würde man ebenfalls instandstellen für eine künftige Nutzung. Man behalte sich alle Varianten offen, so Daniel Amstutz weiter.

Im Obergeschoss gibt es 30 Zimmer, die nach dem Auszug des Sportinternats vor einigen Jahren vermietet waren und von Saisonniers der Bahnen bewohnt wurden. Künftig sollen sie für touristische Zwecke genutzt werden.

Daniel Amstutz, Geschäftsführer Kloster Engelberg

Daniel Amstutz, Geschäftsführer Kloster Engelberg

Bild: PD

Projekt Obere Erlen stand am Anfang der Trennung

Dass sich die Wege des Klosters und der Käserei trennen, geht auf das Projekt Obere Erlen des Zentralschweizer Käsermeisterverbands (ZSKM) als Bauherr und des Klosters als Landeigner zurück, in das sich die Käserei hätte einmieten sollen. Es war in der Planung weit fortgeschritten, als sich Walter Grob mit der Schaukäserei Kloster Engelberg AG zum Unmut der anderen Parteien zurückzog und ein eigenes Projekt verfolgen wollte. Das Vorhaben Obere Erlen wurde daraufhin sistiert. Das Kloster kündigte der Käserei.

Das Projekt Obere Erlen sei keineswegs gestorben, sagt Daniel Amstutz. «Wir stehen mit dem ZSKM weiterhin bereit, um reagieren zu können.» Grundsätzlich sei das Vorhaben laut Quartierplan auf Wohnungen und Gewerbe ausgelegt. «Bei guten Ideen oder interessierten Investoren würde wir es sicher weiterverfolgen oder auch eine Abgabe im Baurecht prüfen», erklärt Daniel Amstutz.

Neue Käserei soll Milch des ganzen Tals verarbeiten

Käsermeister Walter Grob, der heuer sein 5-Jahr-Jubiläum als Geschäftsführer und sein 3-Jahr-Jubiläum als Alleinbesitzer der Schaukäserei feiern kann, verfolgt derweil sein eigenes Projekt mit Hochdruck. Wie er ebenfalls am Dienstag in einer eigenen Mitteilung schreibt, will er seinen neuen Betrieb im Gebiet Espen direkt am Eugenisee ansiedeln. Auf einem Grundstück von 3700 Quadratmetern soll ein dreigeschossiges Gebäude entstehen. «Wir sind seit Anfang Jahr intensiv am Planen», sagt Walter Grob.

Käsermeister Walter Grob in der Käserei im Kloster Engelberg bei der Produktion von Cheddar.

Käsermeister Walter Grob in der Käserei im Kloster Engelberg bei der Produktion von Cheddar.

Bild: Dominik Wunderli (Engelberg, 25. April 2019)

Es sei nach wie vor sein Herzenswunsch, alle Milch der Engelberger Kühe im Tal verarbeiten zu können. Derzeit werden pro Jahr immer noch rund 1,4 Millionen Liter unverarbeitet aus dem Dorf hinausgefahren. In den vergangenen Jahren konnte Grob die jährlich verarbeitete Milchmenge bereits von 650'000 Litern auf eine Million erhöhen. «Die neue Käserei bauen wir für eine Kapazität von 2,5 bis 3 Millionen Liter.» Zu gegebener Zeit soll es auch wieder ein Besucherkonzept geben.

Der Zeitplan ist eng

Dabei ist es auch Walter Grob klar, dass sein Zeitplan ambitiös ist. Schliesslich steht vor dem Bau auch noch die Einreichung eines Quartierplans an, was seine Zeit braucht. Und spätestens am 30. September 2023 muss er im Kloster ausgezogen sein. «Wir haben den Zeitplan mehrmals geprüft. Er ist zwar sportlich, aber ich bin überzeugt, dass wir das schaffen.» Sollte das Projekt durch Einsprachen verzögert werden, würde er allenfalls das Gespräch mit dem Kloster suchen.

Pünktlich auf sein 5-Jahr-Jubiläum hin ändert er den Firmennamen zu «Käserei Engelberg», was auch eine Logoänderung mit sich bringt. «Mit dem kürzeren und prägnanteren Namen, dem offensichtlichen Bezug zu Engelberg sowie dem augenfälligen Logo wollen wir den Wiedererkennungswert steigern», erklärt Walter Grob. Die Namensänderung habe im übrigen nichts mit der Trennung vom Kloster zu tun.

Es hat nur Platz für eine Käserei in Engelberg

Wie das Vorhaben einer neuen Käserei gedeiht, wird natürlich auch vom ZSKM und dem Kloster Engelberg aufmerksam verfolgt. Sepp Werder, Präsident des ZSKM macht auf Anfrage nochmals klar, dass es in Engelberg nur Platz für eine Käserei gebe. «Zwei Käsereien, die sich konkurrenzieren, wären strategisch unklug. Die anfallende Milchmenge kann von einem Betrieb verarbeitet werden.»

Nur wenn das Projekt von Walter Grob nicht zum Fliegen kommen sollte, wollen das Kloster und der ZSKM darüber nachdenken, die ursprünglichen Pläne für eine Käserei zu reaktivieren. Ob dies allenfalls in der Oberen Erlen wäre oder auch im Kloster am bisherigen Standort, muss vorerst offen bleiben. «Das Letzte, was wir wollen, ist, dass die für Engelberg wichtige Landwirtschaft Schaden nimmt», sagt Daniel Amstutz.