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Klosterkirche Engelberg: Hier werden 9097 Orgelpfeifen gereinigt

Die grösste Orgel der Schweiz in der Klosterkirche Engelberg gilt als Wunderwerk. Jens Krug und Evelyn Kaufmann können dies bestätigen, haben sie doch erst kürzlich die Reinigung abgeschlossen.
Beat Christen
Handarbeit: Jens Krug beim Reinigen der Kirchenorgelpfeifen. (Bild: Beat Christen (Engelberg, 3. Oktober 2018))

Handarbeit: Jens Krug beim Reinigen der Kirchenorgelpfeifen. (Bild: Beat Christen (Engelberg, 3. Oktober 2018))

Vorsichtig hebt Jens Krug eine Orgelpfeife um die andere aus der Halterung und reicht sie an Evelyn Kaufmann weiter. Die beiden Orgelspezialisten der Firma Graf aus Sursee behandeln dabei die Pfeifen der grossen Orgel in der Engelberger Klosterkirche fast wie rohe Eier. Eine gewisse Ehrfurcht sei bei dieser Arbeit schon dabei, erklärt Evelyn Kaufmann. «Immerhin stammt die überwiegende Mehrheit der Orgelpfeifen aus jener Zeit, als dieses Musikinstrument 1877 gebaut worden ist.»

Beide kennen das Innenleben der grössten Orgel der Schweiz von früheren Aufträgen bestens. Und doch sei es immer wieder ein ganz besonderes Erlebnis, so direkt an diesem Wunderwerk der Orgelbaukunst selber Hand anlegen zu können.

Längste Pfeife ist über 9 Meter lang

Nach elf Jahren wurde in den vergangenen drei Monaten der grossen Orgel erneut eine Generalreinigung zuteil. Die unterschiedlichen Raumtemperaturen während der verschiedenen Jahreszeiten sorgen dafür, dass sich bei den Pfeifen nicht nur Staub, sondern im Falle der Holzpfeifen und der Holzkonstruktion auch Schimmel ansetzt. Um die Orgel davon zu befreien, musste jede Pfeife einzeln ausgebaut werden. Und das insgesamt 9097 Mal. Denn genau so viele Pfeifen enthält die grösste Orgel der Schweiz, welche auf vier Manual- und ein Pedalwerk verteilt sind.

Evelyn Kaufmann entfernt Schmutz und Staub im Innern der Pfeifen. (Bild: Beat Christen (Engelberg, 16. Oktober 2018))

Evelyn Kaufmann entfernt Schmutz und Staub im Innern der Pfeifen. (Bild: Beat Christen (Engelberg, 16. Oktober 2018))

Ist die grösste Pfeife mit einer Länge von 9,06 Metern nicht zu übersehen, könnte die kleinste Pfeife mit einer Länge von fünf Millimetern glatt verloren gehen. Und das käme laut Jens Krug «einer kleinen Katastrophe gleich. Aus diesem Grunde arbeiten wir uns im Innern der Orgel systematisch durch das Labyrinth hindurch. Dabei wird Register um Register ausgebaut, gereinigt und wieder eingebaut.» Zum Einsatz kommen dabei kleinste Reinigungsutensilien ebenso wie überdimensionierte Haushaltsschrubber an langen Stilen für die ganz grossen Orgelpfeifen.

Pfeifen aus verschiedenem Material

Evelyn Kaufmann und Jens Krug haben die heute selten gewordene 4-jährige Ausbildung zum Orgelbauer abgeschlossen. Sie verfügen über handwerkliches Geschick und kennen sich in der Holz- und Metallbearbeitung ebenso aus wie auf dem Gebiet der Pneumatik und Elektronik. Und sie müssen die unterschiedlichen Funktionsweisen der Zungen- und Labialpfeifen kennen.

Neben den rein aus Holz angefertigten Pfeifen erklingen in der grossen Orgel der Klosterkirche auch Pfeifen aus Zinn und Blei sowie Zink und Blei. Letztere wurden damals um 1877 aus Spargründen eingesetzt, «um so Materialkosten einsparen zu können», erzählt Evelyn Kaufmann.

Dreimal im Jahr nachstimmen

Das Entstauben und Reinigen der Orgelpfeifen ist das eine, «arbeitsintensiv ist das anschliessende Stimmen jeder der 9097 Orgelpfeifen.» Eine Arbeit, die man gemäss Jens Krug aufgrund des unterschiedlichen Raumklimas in der Engelberger Klosterkirche jährlich dreimal durchführt. «Besonders empfindlich reagieren dabei die mit Zungenpfeifen ausgestatteten Register», weiss der Orgelbauer.

Nach der Reinigung müssen die 9097 Pfeifen wieder gestimmt werden. (Bild: Beat Christen (Engelberg, 16. Oktober 2018))

Nach der Reinigung müssen die 9097 Pfeifen wieder gestimmt werden. (Bild: Beat Christen (Engelberg, 16. Oktober 2018))

Auch wenn er beim Stimmen der einzelnen Pfeifen auf die Unterstützung von elektronischen Hilfen zählen kann, so muss sich Jens Krug doch auf sein ausgeprägtes Musikgehör verlassen können. «Der Organist zählt dabei auf unsere Arbeit. Denn je nach Position der Orgelpfeife kann diese nicht so schnell nachgestimmt werden.» Denn nach wie vor gilt das Spiel auf der grössten Kirchenorgel der Schweiz in der Engelberger Klosterkirche als die Königsdisziplin für einen Organisten.

«Eine wunderbare Aufgabe»

Damit dieser die 9097 Orgelpfeifen der 137 Register erst zum Erklingen bringen kann, liefert ein Ventilator den Wind für die beiden Hauptbälge. Weitere neun Regulierbälge im Orgelinnern sorgen für einen differenzierten Winddruck der einzelnen Teilwerke. «Die Arbeiten an diesem Meisterwerk ist für uns Orgelbauer immer wieder eine wunderbare Aufgabe», so die übereinstimmende Aussage von Evelyn Kaufmann und Jens Krug.

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