Kolumne
«Ich meinti»: Popcorn statt Flugzeug

Nachhaltiges Handeln im Alltag fällt «Ich meinti»-Kolumnistin Carmen Kiser meist schwer. Sie sagt deshalb Ja zum revidierten CO2-Gesetz, über das am Wochenende abgestimmt wird. Sie ist überzeugt, dass sie dank dem neuen Gesetz auch ihren Beitrag leisten kann.

Carmen Kiser
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Carmen Kiser, Museumskuratorin aus Sarnen, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Carmen Kiser, Museumskuratorin aus Sarnen, äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema.

Bild: PD

Manchmal überfällt mich der Weltschmerz. Ein Schmerz wie Liebeskummer, nur trauere ich keinem Verflossenen nach, sondern verzweifle am Egoismus der Menschen und der Selbstverständlichkeit, mit der wir von anderen und der Natur nehmen, ohne über die Folgen nachzudenken.

Mein Mann belächelt mich dann und bezeichnet mich zu Recht als inkonsequent. Denn ich lasse es mir gerne gutgehen, ich bin die Königin der Hedonisten und Verzichten liegt mir nicht so. Auch wenn Klimaschutz auf meiner Liste der zu lösenden Weltprobleme ganz oben steht, fällt mir das nachhaltige Handeln im Alltag schwer. Kurzfristiger, persönlicher Genuss schlägt langfristige, globale Verantwortung.

Umso besser, wenn es Gesetze gibt, die meine Bedürfnisse etwas lenken. Etwa das revidierte CO2-Gesetz, über das wir am Wochenende abstimmen. Eine so einfache wie geniale Lösung für Menschen wie mich, die alle Freiheiten möchten, aber auch dem Klima etwas Gutes tun wollen.

Verzichten müsste ich mit dem neuen Gesetz vorerst auf nichts. Ich darf noch Auto fahren und ich kann noch mit Öl heizen (auch wenn ich froh wäre, das bald nicht mehr zu tun – doch die uralte Heizung läuft und läuft und läuft). Selbst mit meiner Familie in die Ferien Fliegen wäre noch möglich. Gemäss co2-rechner.jglp.ch bekämen wir mit unseren derzeitigen Gewohnheiten sogar Geld gutgeschrieben Ende Jahr. Flögen wir weiter weg, bewegten sich unsere Mehrausgaben im Bereich von 50 bis 100 Franken. Einmal weniger ins Kino zu viert. Problemlos verkraftbar. Laut den Medien ginge es satten 90 Prozent der Bevölkerung so. Die meisten profitierten von der Flugticketabgabe, draufzahlen müssten nur wenige.

Aber reicht das neue Gesetz, um die Klimaerwärmung zu stoppen? Natürlich nicht. Doch immerhin würde es die Schweiz aus ihrem Klima-Koma aufwecken. Denn seit Jahrzehnten ist hier in Sachen nachhaltige Mobilität und klimaverträglichem Konsum wenig passiert. Unsere Verkehrsemissionen bewegen sich immer noch auf dem Stand von 1990. Und auch bei Lebensmitteln und Dingen des täglichen Bedarfs steht die Schweiz schlecht da, sobald man den in anderen Ländern für die Produktion unserer Konsumgüter generierten Ausstoss mitberechnet. Zwar recyceln wir wie die Weltmeister, das Bauen wurde nachhaltiger und auf Plastiksäckli beim Gemüse verzichten auch immer mehr Leute. Dennoch haben wir Schweizer dieses Jahr bereits am 11. Mai so viele nachwachsende Rohstoffe verbraucht, wie der Planet in einem ganzen Jahr erneuern kann. Seitdem leben und konsumieren wir auf Kosten anderer. Und auf Kosten der Natur.

Ich meinti deshalb: Es ist mir wichtig, die für unsere Bauern und unsere Erholung so wichtige Ressource Natur zu erhalten. Und ich möchte dafür sorgen, dass die Schweiz wieder Schritt hält mit den Nachbarländern in Sachen Klimapolitik. Deshalb stimme ich Ja zum CO2-Gesetz. Und freue mich auf den zusätzlichen Kinoabend, den ich mir und meiner Familie mit den Rückzahlungen gönnen kann. Mit Popcorn natürlich. Und Sie?