Kompromisse beim Auenschutz in Giswil

Die überarbeitete Schutz- und Nutzungsplanung für die Auen Laui und Steinibach sind zur Anhörung freigegeben. Ein für alle Seiten gangbarer Kompromiss scheint sich abzuzeichnen.

Primus Camenzind
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Kompromisse beim Auenschutz: Die Giswiler Laui will von der Bevölkerung auch als Naherholungsgebiet genutzt werden. (Bild: Adrian Venetz)

Kompromisse beim Auenschutz: Die Giswiler Laui will von der Bevölkerung auch als Naherholungsgebiet genutzt werden. (Bild: Adrian Venetz)

Das Bau- und Raumentwicklungsdepartement Obwalden (BRD) unter der Leitung von Regierungsrat und Landstatthalter Josef Hess lud am vergangenen Mittwoch zu einer öffentlichen Informationsveranstaltung in die Kulturhalle Giswil. Der Einladung folgten rund 70 Personen, mehrheitlich aus Giswil – einige auch aus Sarnen. «Der Regierungsrat ist überzeugt, mit dem vorliegenden Entwurf eine für alle tragbare Lösung gefunden zu haben, die dem Ziel des Auenschutzes dient und gleichzeitig den Anliegen der betroffenen Grundeigentümer und der Bevölkerung gerecht wird», betonte Departementsvorsteher Hess in seinen Begrüssungsworten.

Der vom Bund vorgeschriebene Schutz der Auen – in Giswil sind es jene der Laui und des Steinibachs – sowie die ursprünglich geplante Umsetzung durch den Kanton Obwalden hatten Ende Oktober 2014 rund 250 Einsprachen zur Folge. Der Widerstand wurde mit der Gewichtung der unterschiedlichen Interessen begründet. Aus der Optik der Bevölkerung und der Direktbetroffenen wurde den Schutzzielen mehr Bedeutung beigemessen als dem Bedürfnis nach Naherholungsraum, dem Hochwasserschutz und den Interessen der Landwirtschaft.

Eine Motion um Entlassung der Giswiler Auen aus dem Bundesinventar fand in Bern kein Gehör (wir berichteten). Es bildete sich eine «Arbeitsgemeinschaft Auen» (AG), die aus den Motionären, Gemeindevertretern aus Giswil und Sarnen sowie dem Wasserbau bestand. Die Fachleute des Kantons hatten in den vergangenen Jahren unter Beizug der AG Auen und des Bundesamtes für Umwelt (Bafu) eine überarbeitete Schutz- und Nutzungsplanung (SNP) erarbeitet. Diese wurde vom Regierungsrat im vergangenen Monat zur erneuten Anhörung freigegeben.

Weniger Verbote und neue Wünsche

Nach einer Präsentation des Lebensraums Aue mit dem prägenden Aufeinandertreffen von Wasser und Land, der dadurch entstehenden Dynamik und dem Artenreichtum durch Umweltingenieur Cyrill Kesseli vom BRD wurde die überarbeitete SNP Laui präsentiert. Das Reglement besteht aus unveränderten Inhalten der Fassung des Jahres 2014, aus der Streichung von zahlreichen Verboten sowie aus neuen Inhalten nach den Wünschen der Bevölkerungsmehrheit. Eine Auswahl: Da die Laui an Siedlungsgebiete angrenzt, soll der Schutz des Menschen vor Naturgefahren gewährleistet sein. Auch das Befahren des Gebietes ausserhalb der Schutzzonen wird eingefordert, im Besonderen zur forstlichen, wasserbaulichen und landwirtschaftlichen Bewirtschaftung.

Den Erholungsräumen wird Rechnung getragen, indem das Entfachen von Feuer (Grillieren) im gesamten Schutzgebiet sowie das Anlegen von Boten und das Baden beim Delta des Steinibachs toleriert werden. Die Kiesbewirtschaftung ist im Schutzgebiet weiterhin zulässig; damit zusammenhängend auch das Einbauen und Aussortieren von Steinblöcken zur Sicherung von Schutzbauten im Gewässerbereich.

Anhörung bis 10. Juni nutzen und sich einbringen

Nachdem die Schutzpläne und der Verlauf der jeweiligen Perimeter durch Forstingenieur Andreas Bacher vom Kanton optisch dargestellt und kommentiert wurden, äusserten sich die Gemeindepräsidenten Jürg Berlinger von Sarnen, Beat von Wyl aus Giswil sowie Sepp Enz von der örtlichen Wasserbaukommission zum überarbeiteten Reglement positiv und zustimmend.

Regierungsrat Josef Hess forderte die Anwesenden und die Bevölkerung auf, Anregungen und Kritik bis spätestens 10. Juni in die öffentliche Anhörung einzubringen. Nach den Ausführungen des Landstatthalters folgt später die Beratung und Verabschiedung durch den Regierungsrat und eine zweite öffentliche Auflage mit Einsprache- und Beschwerderecht an das Departement. Hess zum Schluss: «Der Bund hat dazu nichts mehr zu sagen, das allerletzte Wort liegt beim Kantonsrat.»

Unterlagen bei den Gemeindekanzleien oder auf der Homepage des Kantons.