Korporation Giswil steigt in den Strommarkt ein

Mit einem Gesamtaufwand von 835'000 Franken erstellt die Korporation Giswil eine eigene Stromversorgung. Die Anlagen sollen im Februar installiert werden und Strom für 110 Haushalte liefern.

Richard Greuter
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Auf die Frühlingsversammlung musste die Korporation Giswil coronabedingt verzichten. Dafür konnten die rund 35 anwesenden Korporationsbürger an der vergangenen Herbstversammlung über die Rechnung 2019, das Budget 2021, die Wiederwahl von Präsident, Vizepräsident und Revisionsstelle sowie insgesamt sieben Sachgeschäfte abstimmen.

Der grösste Geschäft war die Realisierung einer eigenen Stromversorgung, das in drei Traktanden verpackt war. «Es geht um ein neues Standbein unserer Korporation», sagte Felix Burch, als er den Antrag des Korporationsrats vorstellte. Und Präsident Remo Berchtold ergänzte:

«Für mich ist der Einstieg
in die Fotovoltaik
ein entscheidender Schritt.»

Im Giswiler Gebiet Gorgen konnte die Korporation von der Armasuisse ein Armeeareal mit einigen alten Militärbauten erwerben. Im ersten Schritt erstellte die Alpnach Sonnenstrom AG auf einer Dachfläche und auf der benachbarten Fernheizzentrale eine Fotovoltaikanlage. Die gesamte Jahresproduktion von 88'000 Kilowattstunden floss ins Netz des Elektrizitätswerks Obwalden und wurde mittels kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) abgerechnet.

Keine Erweiterung der KEV-Anlage möglich

Da eine Erweiterung der bestehenden KEV-Anlage aufgrund einer gesetzlichen Anpassung nicht mehr möglich war, entschloss sich die Korporation, eine eigene Stromversorgung unter dem Begriff «Zusammenschluss zum Eigenverbrauch» (ZEV) zu bauen. Auf einer Bauparzelle der Korporation baut die Firma Altec AG im Gebiet Gorgen eine grössere Werkhalle und einen Unterstand. Im Baurechtsvertrag ist der Korporation die Nutzung der Dachflächen für Fotovoltaik zugesichert. In einer ersten Etappe wird eine Fotovoltaikanlage mit einer Jahresproduktion von 205'000 Kilowattstunden entstehen. «Der Strom sämtlicher Anlagen reicht für 110 Haushalte», sagte Präsident Remo Berchtold.

In den Traktanden genehmigten die Korporationsbürger den Rückkauf der bestehenden KEV-Anlage von der Alpnach Sonnenstrom AG zum Preis von 205'000 Franken sowie den Bau einer eigenen Transformatorenstation und ein eigenes Verteilnetz für 300'000 Franken. Im Weiteren beschloss die Versammlung auch den Bau der neuen ZEV Fotovoltaikanlage mit Bruttokosten von 330'000 Franken. Für diese Sachgeschäfte gaben die Korporationsbürger dem Korporationsrat die Vollmacht und genehmigten die Kredite im Umfang von 835'000 Franken diskussionslos.

Kommenden Februar werden die Solarpanels und die notwendigen Anlagen montiert, und ab April soll der erste Strom fliessen. Erste Strombezüger sind die Altec AG und die korporationseigene Fernheizzentrale. «Damit erreichen wir einen Eigenbedarf von 50 Prozent», erklärte Remo Berchtold an der Versammlung. Ziel sei es, so Berchtold weiter, diesen Eigenbedarf zu erhöhen.

Umfangreiche Sachgeschäfte

Die Korporationsversammlung genehmigte die Jahresrechnung 2019 mit einem Aufwand von mehr als 5 Millionen Franken und einem Ergebnis von fast 95'000 Franken sowie das Budget 2021 mit einem Aufwand von knapp 6 Millionen Franken und einem Verlust von rund 214'000 Franken.

Grünes Licht erhielten ein Landabtausch und der Verkauf einer Bauparzelle im Gebiet Mörlialp. Beschlossen wurde auch die Sanierung von zwei Strassenabschnitten ab Verzweigung Schwalbennest mit einer Gesamtlänge von 1157 Metern. Für das nächste Jahr plant die Korporation die Pflege von 65 Hektaren Schutz- und 24 Hektaren Wirtschaftswald. Der Bau der 15 Wohnungen im «Sunnäplätzli» ist bald abgeschlossen. Die ersten Wohnungen werden ab Dezember bezogen.