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Dieses Haus in Wilen ist eine Kunst für sich

Der Obwaldner Jurist Attilio R. Gadola verfügt über eine einmalige Sammlung italienischer Altmeisterzeichnungen.
Susanne Holz
Kunstsammler Attilio R. Gadola wohnt inmitten von sehr viel Kunst. (Bilder: Corinne Glanzmann, Wilen, 7. August 2019)

Kunstsammler Attilio R. Gadola wohnt inmitten von sehr viel Kunst. (Bilder: Corinne Glanzmann, Wilen, 7. August 2019)

Betritt man das Haus von Attilio R. Gadola in Wilen bei Sarnen, fühlt man sich von einer Sekunde auf die nächste in eine andere Zeit versetzt. Denn das Heim des Juristen, der einem Bündner Geschlecht entstammt, aber in Obwalden aufgewachsen ist, schmücken ganze 396 italienische Altmeisterzeichnungen, entstanden im Zeitraum 15. bis 18. Jahrhundert. Die einmalige Sammlung wird ergänzt durch 35 Gemälde, 50 Zeichnungen von Schweizer Künstlern sowie – als eindrücklicher Kontrapunkt – von rund 100 Skulpturen moderner Schweizer Bildhauer.

Und so findet sich im Haus, das der leidenschaftliche Sammler und Experte zusammen mit seiner Frau Ursula und den beiden Kindern bewohnt, Kunst an jeder Wand, auf jedem Tischchen und jedem Kaminsims. Kunst in allen Zimmern, Fluren und Treppenaufgängen – man könnte sagen: Das gesamte Heim ist ein Kunstwerk für sich. Da ist es keine Frage, dass das kunstverliebte Ehepaar auch seine Möbel passend zum Flair der vielen – nicht zuletzt sehr wertvoll und kenntnisreich gerahmten – Zeichnungen ausgewählt hat: der Stil von Louis-seize und Biedermeier ist auf allen Stockwerken dominant.

Der 59-jährige Anwalt hat die Liebe zur Kunst in den Genen: Bereits sein Vater, Chirurg von Beruf, sammelte Kunst. Attilio R. Gadola wuchs zusammen mit den Geschwistern inmitten italienischer Renaissance- und Barockmalerei auf. Der Vater nahm den Sohn mit in Museen und zu Auktionen – und gab seine Leidenschaft und Kenntnisse an die Kinder weiter.

Zum Sammeln kommt bald die Kennerschaft hinzu

Während Attilio R. Gadola durchs Haus führt und man aus dem Staunen gar nicht mehr herauskommt ob der vielen filigranen Zeichnungen aus vergangenen Zeiten, sagt er, ruhig und sympathisch bescheiden: «Eine solche Sammlung aufzubauen, war immer mein Ziel.» Es sei wichtig gewesen, sich auf italienische Altmeisterzeichnungen zu beschränken, so erhalte die Sammlung mehr Gewicht.

Selbstverständlich gesellt sich zum Sammeln bald die Kennerschaft: Der Jurist ist geübt bei der Bestimmung der Autorschaft einer Zeichnung. Er reist, tauscht sich mit Experten aus und nennt eine Bibliothek aus rund 5000 Büchern – Standardwerke, Künstlermonografien, Auktionskataloge – sein Eigen.

Zur Kunst gesellt sich eine Bibliothek mit viel Fachliteratur.

Zur Kunst gesellt sich eine Bibliothek mit viel Fachliteratur.

Kein Wunder, konnte Gadola 2004 seine private Kollektion in der Graphischen Sammlung der ETH Zürich an einer Ausstellung präsentieren. Was er an der Zeichenkunst schätzt? «Sie ist ein Handwerk – auch Bildhauer und Architekten müssen zeichnen können.» Des Sammlers älteste Zeichnung? Ein lombardisches Porträt eines Windhundes, aus der Zeit um 1400. «Aus Schweizer Privatbesitz gekauft», so der Jurist. Gadola zitiert den Kunstsammler Goethe: «Solche Zeichnungen versetzen unmittelbar in die Stimmung, in welcher der Künstler sich im Augenblick des Schaffens befand.»

Die älteste Zeichnung, das Porträt eines Windhundes, entstand um 1400 in der Lombardei.

Die älteste Zeichnung, das Porträt eines Windhundes, entstand um 1400 in der Lombardei.

Dass in jedem Sammler wohl ein Poet steckt, wird gleich darauf klar. Attilio R. Gadola: «Ich finde jeden Tag eine andere Zeichnung am schönsten, denn jede Zeichnung vermittelt jeden Tag eine andere Stimmung.»

Die Sonderausstellung im Museum Hans Erni, «Kunstflüge. Darstellungen des Fliegens vom 16. bis 21. Jahrhundert» (bis 13.10.), zeigt 15 italienische Altmeisterzeichnungen aus dem Besitz von Attilio R. Gadola. www.verkehrshaus.ch/hansernimuseum

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