Künstlerische Demonstration zweier Bergkantone in Giswil

«Hier gibt es nur Siegerinnen und Sieger», sagt Jurypräsident Peter Fischer über die NOW 20 mit 66 Kunstschaffenden in Giswil.

Romano Cuonz
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Now 20 in der Turbine Giswil. Auch wenn sie von der Jury nicht ausgewählt wurde: Die Emmetterin Brigitta Würsch (Bild) zieht das Publikum mit ihren in die Turbine geholten Hirschen unglaublich an.

Now 20 in der Turbine Giswil. Auch wenn sie von der Jury nicht ausgewählt wurde: Die Emmetterin Brigitta Würsch (Bild) zieht das Publikum mit ihren in die Turbine geholten Hirschen unglaublich an.

Bild: Romano Cuonz (Giswil, 9.Oktober 2020)

Die Grossbuchstaben NOW gelten seit 20 Jahren als Inbegriff für ein höchst erfreuliches Kulturereignis von Ob- und Nidwalden. Das Label steht nämlich für die Präsentation einheimischer Kunst im Mehrjahresrhythmus. Vorerst findet, wie heuer in der Turbine Giswil, eine Übersichtsausstellung statt. Diesmal mit 66 Kunstschaffenden, die alle Wurzeln in den beiden Halbkantonen haben. Als Gastgeber freut sich der Obwaldner Kulturbeauftragte Marius Risi über die grosse Zahl. «Spannend ist, dass wir dank einem sehr niederschwelligen Zugang die ganze Palette von bereits international gefeierten Kunstprofis bis hin zu vorwiegend in der Freizeit tätigen lokal bekannten Künstlern zeigen können.»

Nicht weniger begeistert ist Bildungs- und Kulturdirektor Christian Schäli. Nach einem ersten Augenschein erklärt er: «Diese Ausstellung betrachte ich als Vorbild für Gesellschaft und Politik, weil sie beweist, dass eine erfolgreiche interkantonale Zusammenarbeit möglich ist.» Die Halle mit 90 Metern Länge, 12 Metern Breite und 16 Metern Höhe biete sich für einen sehr breiten Überblick der aktuellen Trends der bildenden Kunst in Unterwalden geradezu an. In der Tat: Das Angebot an Kunst und den damit einhergehenden Techniken ist riesig. Es geht von Skulpturen und Objekten über Malereien, Videos, Fotografien, Papierschnitten, Gobelins, bemaltem Glas, gegossenem Metall bis hin zu Installationen mit Hilfe neuster Medien. Dass man von dieser Vielfalt nicht gleich erdrückt wird, verdankt man dem 67. Künstler: dem Stanser Tide Zihlmann. Ihm gelingt es, die Vielzahl an Werken so zu präsentieren, dass man doch jedes Einzelne geniessen kann.

An der NOW 20 werden in der Turbine Giswil Werke von insgesamt 66 Künstlerinnen und Künstlern sehr eindrücklich und schön präsentiert.

An der NOW 20 werden in der Turbine Giswil Werke von insgesamt 66 Künstlerinnen und Künstlern sehr eindrücklich und schön präsentiert.

Bild: Romano Cuonz (Giswil, 9.Oktober 2020)

Von A wie Abächerli bis Z wie Zürrer

Der frühere Luzerner Kunstmuseumsdirektor Peter Fischer leitete die fünfköpfige Fachjury. Diese hatte 18 Kunstschaffende für eine Folgeausstellung zu bestimmen. Zur delikaten Aufgabe sagt er: «Im Falle der NOW 20 gibt es nur Siegerinnen und Sieger.» Jedes der ausgestellten Exponate zeuge von einer Auseinandersetzung mit unserer Welt und unserem Dasein. Damit würden Kunstschaffende im derzeit garstigen Umfeld einen unverzichtbaren Beitrag an unsere Lebensqualität leisten.

Auch eine wunderschön fotorealistische Landschaftsmalerei von Vreni Wyrsch hat die Jury überzeugt.

Auch eine wunderschön fotorealistische Landschaftsmalerei von Vreni Wyrsch hat die Jury überzeugt.

Bild: Romano Cuonz (Giswil, 9.Oktober 2020)

Dennoch legt die Jury nach intensiven Diskussionen eine Auswahlliste vor. Nimmt man diese unter die Lupe, stellt man fest, dass nur gerade zwei Künstlerinnen es erstmals in die Folgeausstellung geschafft haben: die Beckenriederin Sabine Amstad und die Kernserin Andrea Röthlin. Alle andern waren in den letzten 20 Jahren schon ein- oder mehrmals ausgewählt worden. Bei vier Künstlerinnen kann man von einem «Comeback» sprechen, weil sie es nach zehn Jahren erneut geschafft haben: Jennifer Kuhn, Doris Windlin, Vreni Wyrsch und die stets eigenwillige Filmerin Thaïs Odermatt. Auch einige bereits international bekannte Unterwaldner Künstler sind in der Auswahl mit dabei: etwa Roland Heini, Christian Kathriner oder auch Anna-Sabina Zürrer. Andere wie beispielsweise Christian Sigrist, Franz Bucher, Jo Achermann oder Judith Albert verzichten bewusst auf eine Teilnahme.

Kaum überraschend kommt der Juryentscheid zugunsten der Sarnerin Jennifer Kuhn (re), auf deren grossflächigen Bildern nichts unmöglich ist. In der Mitte Künstler Paul Dorn.

Kaum überraschend kommt der Juryentscheid zugunsten der Sarnerin Jennifer Kuhn (re), auf deren grossflächigen Bildern nichts unmöglich ist. In der Mitte Künstler Paul Dorn.

Bild: Romano Cuonz (Giswil, 9.Oktober 2020)

Stellvertretend für die 48 nicht auserkorenen Künstlerinnen und Künstler sei hier die in Emmetten geborene Brigitta Würsch erwähnt. Um ihre fantastische Videoinstallation «alternative space» scharen sich Besucher. Hätten diese das Sagen, wäre Würsch wohl eine Siegerin. Sie war in Emmetten mit einer Wildbeobachtungskamera unterwegs auf Spurensuche. Dabei gefilmte Hirsche holt sie nun in den spannenden Turbinenraum und gewährt durch ihre Körper gleichzeitig den Blick durch die Mauern nach draussen. In die freie Natur.

Die Hirschen der Emmetterin Brigitta Würsch kommen beimPublikum bestens an.

Die Hirschen der Emmetterin Brigitta Würsch kommen beimPublikum bestens an.

Bild: Romano Cuonz (Giswil, 9.Oktober 2020)

Die Übersichtsausstellung NOW 20 findet in der Turbine Giswil statt. Sie dauert noch bis zum 25. Oktober 2020. Öffnungszeiten: freitags 17–21 Uhr, samstags 11–17 Uhr und sonntags 13–17 Uhr.