Künstliche Intelligenz bringt Obwaldner Steuerverwaltung den Erfolg: «Andere haben Millionen eingesetzt – wir Herzblut»

Die Obwaldner Steuerverwaltung hat an einem internationalen Wettbewerb den dritten Platz geholt. Mit einem Projekt, das auf dem Einsatz von künstlicher Intelligenz basiert.

Philipp Unterschütz
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«Mitmachen ist wichtiger als Gewinnen» – das war der Antrieb, dass die kantonale Steuerverwaltung mit einem Projekt zur Automatisierung von Steuererklärungen am 19. internationalen eGovernment-Wettbewerb in Berlin teilnahm. «Wir dachten, wir hätten kaum eine Chance», erzählt Marianne Nufer, Vorsteherin der Obwaldner Steuerverwaltung. Doch dann die grosse Überraschung: die Jury setzte das Projekt im Finale am 22. September auf den dritten Platz.

Reto Achermann (rechts) und Marianne Nufer von der Steuerverwaltung Obwalden sowie Thomas Alabor, Bedag Informatik AG, nehmen in Berlin die Wettbewerbsurkunde entgegen.

Reto Achermann (rechts) und Marianne Nufer von der Steuerverwaltung Obwalden sowie Thomas Alabor, Bedag Informatik AG, nehmen in Berlin die Wettbewerbsurkunde entgegen.

Bild: PD

Bei 71 Teilnehmern auf dem Podest zu landen, mache schon stolz, meint Marianne Nufer. Insbesondere, weil «andere Millionen investiert haben – und wir Herzblut». Der Wettbewerbsbeitrag, mit dem die Steuerverwaltung Obwalden und das IT-Unternehmen Bedag Informatik AG, Bern, die Jury beeindrucken konnte, basiert auf künstlicher Intelligenz. Mit ihrer Hilfe prüft eine Software, ob bei der Bearbeitung von Steuererklärungen Korrekturen vorzunehmen sind oder nicht. Die ersten Erfahrungen mit einem Prototyp können sich laut Marianne Nufer sehen lassen: «Der Anteil automatisch freigegebener Steuererklärungen konnte markant gesteigert werden.» Das System liefere für den Kanton einen Beitrag zur Qualitätssteigerung, damit gleichartige Fälle auch rechtsgleich behandelt werden.

Die Steuerverwaltung Obwalden nimmt beim Einsatz von künstlicher Intelligenz in der Schweiz eine Vorreiterrolle ein. Der Erfolg am Wettbewerb dürfte das Interesse an den Obwaldner Lösungen noch verstärken. Bereits hätten sich verschiedene andere Kantone gemeldet, sagt Marianne Nufer, unter anderen seien auch Nidwalden und Luzern stark interessiert.

Mehr als eine Bestätigung resultiert jedoch nicht aus dem Wettbewerb. Es gebe keinen materiellen Preis, so Marianne Nufer. «Die Urkunde wird aber in der Steuerverwaltung sicher einen Ehrenplatz erhalten.» Und ein dickes Lob gibt es auch von Maya Büchi, der Vorsteherin des Finanzdepartements: «Der tolle Erfolg zeigt die Innovationskraft der Verwaltung und insbesondere der Steuerverwaltung. Auch kleine Kantone mit bescheidenen Ressourcen können Grosses bewirken.»

Der Wettbewerb

Der in Deutschland angesiedelte eGovernment-Wettbewerb fördert den innovativen Einsatz digitaler Infrastruktur im Staat, mit dem Ziel, die Bürgernähe zu verbessern. Er richtet sich an Organisationen der Bundes-, Landes- und Kommunalverwaltung aber auch an Organisationen der Gesundheitswirtschaft und Sozialversicherungsträger aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Unterstützt wird der Wettbewerb von Unternehmen aus dem IT-, Management- sowie Technologieberatungsbereich. Das Projekt der Steuerverwaltung Obwalden setzte sich im Vorfeld gegen Mitbewerber wie Grossstädte oder Bundesämter und Ministerien aus Deutschland und Österreich durch. Im Finale erreichte es dann den hervorragenden dritten Platz.

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