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KULTUR: Filme, die unter die Haut gehen

Die Filmerin Thaïs Odermatt stellte mit Partnern zwei neue Kurzfilme vor. Sie schildern eindrücklich die Krise in Spanien und Serbien.
Romano Cuonz
Thaïs Odermatt und Corina Schwingruber haben mit ihren Partnern Carlos Isabel und Nikola Ilic (von links) zwei «Krisenfilme» produziert. (Bild Romano Cuonz)

Thaïs Odermatt und Corina Schwingruber haben mit ihren Partnern Carlos Isabel und Nikola Ilic (von links) zwei «Krisenfilme» produziert. (Bild Romano Cuonz)

«Wenn der Opa stirbt, ist dies für die ganze Familie eine Katastrophe!» Eine Aussage im neusten Doku-Kurzfilm der jungen Nidwaldner Filmemacherin Thaïs Odermatt. In der Tat: In spanischen wie auch serbischen Dörfern, wo über die Hälfte der Bevölkerung arbeitslos ist, leben ganze Familien von der einzigen gesicherten Einnahmequelle: der Rente des Opas.

Thaïs Odermatt und ihre Studienkollegin von der Hochschule Luzern – Design & Kunst, Corina Schwingruber, sind mit ihren Lebenspartnern Carlos Isabel und Nikola Ilic nach Spanien oder Serbien gefahren, um dort nach der «Krise» zu suchen. Alle sind sie Filmer. «Uns wurde schnell klar, dass man erstens über ‹la Crisis› keinen Film machen kann, und zweitens, dass wir über ‹la Crisis› dennoch einen Film machen wollten», hält Thaïs Odermatt fest. Niemand in diesen Ländern verstehe die Krise. Sobald sie aber verstanden würde, hätte sie Angriffsflächen und würde bekämpft. «Um einen kleinen Beitrag zum Verständnis zu machen, mussten wir mit unseren Partnern Filme drehen», formuliert die Nidwaldnerin die Motivation der Filmemacher.

Starke, deprimierende Bilder

Nur schon der Titel des Kurzfilms, den Thaïs Odermatt und Carlos Isabel in Spanien realisiert haben, spricht Bände. Es ist die pessimistische Antwort eines Arbeitslosen auf die Frage, wie er die Zukunft in seinem Land sehe: «Schlechter als gestern – besser als morgen!»

Anfang April 2012 starteten die beiden Filmer im Wohnmobil der Kulturstiftung Otto Pfeifer zu einer zweimonatigen Film-Reise nach Spanien. «Die aktuelle Krise hat einen riesigen Schatten über die ganze Halbinsel geworfen», erzählt Thaïs Odermatt. «Wir wollten aber keinen reisserischen Film – gespickt mit Tränen und gemixt mit von Polizisten verprügelten Demonstranten drehen.» Vielmehr wollten die Filmer Menschen aus der spanischen Mittelschicht, welche von der Krise gebeutelt sind, eine Stimme geben. Vor allem aber sollten Bilder sprechen.

Erklären, was schwer zu erklären ist

Das Resultat: Der 24-minütige Film geht unter die Haut. Da stehen etwa ein Fischer, eine Politikerin, ein Behindertenpfleger, Lehrerinnen, ein Feuerwehrmann oder eine Immobilienfachfrau im Mittelpunkt. Fragen muss man kaum. Die Menschen sprechen von selbst. Versuchen zu erklären, was schwer zu erklären ist. Machen uns Mitglieder einer Wohlstandsgesellschaft betroffen. Alle sind sie irgendwie und irgendwo unschuldige Opfer. Monatelang ohne Lohn, arbeits- und perspektivenlos. Bildlich verfolgen die beiden Filmer auch die monströsen Bausünden, welche nach der von Politikern und Banken ausgelösten Immobilienblase überall an den Tag treten: Statische Architekturbilder von im Grünen endenden Autobahnen, nie benutzten unfertigen Fabrikhallen und Schulen, Wohn- oder Ferienhaussiedlungen als Baugerippe sind vordergründig schön, ihr Inhalt aber ist verheerend. Ein starker Film mit eindringlicher Bildsprache und berührenden Aussagen.

Überlebenskünstler in der Krise

Eigentlich müsste man den Film von Thaïs Odermatt und Carlos Isabel stets zusammen mit dem zweiten Krisenfilm des Duos Nikola Ilic und Corina Schwingruber Ilic anschauen. Thematisch gehören sie zusammen, in der Wahl der filmischen und erzählerischen Mittel bleiben sie sehr eigenständig. Miteinander werden sie zu einem Ganzen.

Der Film «An der Ecke» zur serbischen Krise spielt rund um einen Laden im kleinen Dorf Sirca. Hier bekommt man alles, auch wenn das Geld dafür fehlt. Ein Laden, in und um den sich das gesellschaftliche Leben der arg krisengeschüttelten Dorfbewohner abspielt. Dabei veranschaulicht das Filmer-Ehepaar aus der Schweiz, wie die Leute nichts mehr haben und doch alles geben. Wie sie ihre Not zur Tugend machen, mit Humor und Freundschaft ertragen, was eigentlich nicht zu ertragen ist. Die Krise wird hier in einer geradezu skurrilen Persiflage gezeigt.

Auch dieser Film hinterlässt bleibende Eindrücke. «Wir werden einen Bus mieten und die ganze Bevölkerung des serbischen Dorfes in eine Stadt fahren, um den Protagonisten ihren Film in einem richtigen Kino zu zeigen», verspricht Corina Schwingruber.

Hinweis

Die beiden Filme sollen vorerst bei nationalen und internationalen Festivals eingereicht werden. Später möchten die Filmer sie in Spanien und Serbien, aber auch in Nidwalden und Luzern zeigen.

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