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KULTUR: Portugiesisches Flair am Volkskulturfest «Obwald»

Gastland beim diesjährigen Volkskulturfest Obwald ist Portugal mit einem seiner ältesten Chöre und eine der bekanntesten Fado-Sängerin. Für einen offenen Dialog sorgen auch Gäste aus der Ostschweiz.
Romano Cuonz
Ihr einziges «Instrument» sind ihre Stimmen: Der Männerchor aus der portugiesischen Gemeinde Serpa. (Bild: PD)

Ihr einziges «Instrument» sind ihre Stimmen: Der Männerchor aus der portugiesischen Gemeinde Serpa. (Bild: PD)

Fragt man Martin Hess, den Leiter des Volkskulturfestes Obwald, wie er denn nach all den Jahren den Zauber des Festivals in der Giswiler Waldlichtung Gsang charakterisieren würde, meint er etwa: «Obwald ist, wenn das Bodenständige weltläufig wird!» Und mit eben diesem Grundgedanken ging er die heurige 13. Produktion an. Hess dazu: «Eine meiner Intentionen war und ist es, Ausnahmeerscheinungen in der Volksmusikszene im Rahmen unserer grossen Bühne eine ‹Carte blanche› zu geben.» Dieses Jahr erhalte sie der in Nesslau wohnhafte Handörgeler, Jodler und Bödeler Simon Lüthi. Wie Hess ihn entdeckt hat, ist eine jener fürs «Obwald» typischen, ja fast schon märchenhaften Geschichten. Der Toggenburger lebt nämlich mit der Muotathaler Solojodlerin Karin Gwerder zusammen. Mit jener jungen Frau, die in Giswil barfuss auf die Bühne trat und das Publikum mit Juizen vom Feinsten restlos begeisterte. Sie war es, die Hess vergangenes Jahr hinter der Bühne auf Lüthi aufmerksam gemacht hatte. «Sein Spiel auf dem Schwyzerörgeli bescherte mir eine Hühnerhaut, es berührte mich so sehr, dass ich die Emotionen mit Worten kaum erklären kann», erinnert sich Martin Hess zurück.

Das Kulturfestival hat schon Musiker aus Obwalden und Instrumentalistinnen aus Vietnam oder Sängerinnen aus der Mongolei und Georgien mit Obwaldnerinnen und Muotathalerinnen zusammengebracht. Seltenheitswert hingegen besitzt das Zusammenspiel von Musikern und Sängern aus verschiedenen Schweizer Regionen. Genau dies in diesem Jahr – als eine Art Premiere – stattfinden. «Der Wurzelstock als Fundament für mein Programm bekam Äste», schildert Hess die faszinierende Kettenreaktion, die nun einsetzte. Simon Lüthi beispielsweise will mit seiner Freundin Karin Gwerder nahtlos vom «Zäuerli» zum «Muotathaler Natuirjuiz» übergehen. In der Formation Tanzboden tritt er mit seinem Bruder Mathias und seiner Schwester Claudia Scheuber-Lüthi, die seit ihrer Heirat in Nidwalden lebt, auf. Für einen weiteren Höhepunkt sorgt die St. Galler Jodlerfamilie Sutter. Vater, Mutter und fünf Kinder tragen «Rugguserli» und «Zäuerli» vor.

All dies gipfelt darin, dass schliesslich «Tanzboden», Martin Brunner, Edi Gantenbein, Bernhard Betschart, Karin Gwerder und die Jodlerfamilie Sutter gemeinsam auf der Bühne stehen! Nicht vergessen darf man, dass daneben für schöne Überraschungsmomente auch noch ausgezeichnete Obwaldner, Nidwaldner und Entlebucher Formationen besorgt sein werden.

Ein glücklicher Zufall ergab den anderen

«Am ‹Obwald› bekommen der Sinn fürs Eigene und die Offenheit fürs Fremde eine gemeinsame Bühne», sagt Martin Hess. Seine «fremden Gäste» für dieses Jahr hat der Obwaldner in einer ebenso ärmlich kargen wie kämpferischen Region Portugals entdeckt: Im südöstlichen Alentejo. Der ganz eigenwillige «Cante Alentejano» dieses Völkleins von Hirten half seinerzeit während der Nelkenrevolution mit, den Diktator António de Oliveira Salazar zu stürzen. «In dieser Gegend hat jedes Dorf seinen Chor mit eigenen überlieferten Liedern», erzählt Hess. Den Chor fürs «Obwald», der von der Unesco sogar in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen wurde, entdeckte er in der Gemeinde Serpa. 20 Männer, deren Instrumente einzig ihre Stimmen sind, tragen stehend oder schreitend und meist mit ineinander untergehakten Armen Lieder vor. Die Texte handeln von Arbeit, Familie oder auch sozialer Ungerechtigkeit. Gesungen werden sie oft spontan in Tavernen der Region. «Eine Einzelstimme gibt Melodie und Textzeile vor, in die dann der Chor einfällt und sie im Wechsel wiederholt», schildert Hess.

Was dem Volksmusikkenner sofort klar war: «Portugal als Gastland ohne eine Fado-Sängerin wäre einfach undenkbar.» Werke im Fado-Stil handeln meist von unglücklicher Liebe, sozialen Missständen und Sehnsucht nach besseren Zeiten. Arabische Elemente, Tonhöhen-Sprünge und Mollmelodien sind ihm eigen. Dass Martin Hess mit Ana Sofia Varela eine der derzeit berühmtesten Fado-Sängerinnen engagieren konnte, war wiederum einer jener glücklichen Zufälle: Die Frau ist in Serpa geboren und mit einigen Chorsängern zur Schule gegangen. «Da wollte sie unbedingt auch mit ihnen gehen und in der Schweiz auftreten», berichtet Hess.

Über all dies hoch erfreut wartet der Festivalleiter mit einer besonderen Geste auf: Am Sonntag ist eine ganze Reihe Sitze für die portugiesischen Gastarbeiter vom Steinbruch Guber in Alpnach reserviert. «Alle erhalten Freibillette», verspricht Martin Hess.

Hinweis

Volkskulturfest Obwald 2018 mit Portugal, Muotathal, Toggenburg, St. Gallen, Appenzell AR, Entlebuch, Obwalden und Nidwalden vom 28. Juni bis zum 1.Juli im «Gsang» Giswil. Der Vorverkauf beginnt heute: www.obwald.ch. Es findet kein exklusiver Vorverkauf in Obwalden statt.

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

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