Kulturraum Kägiswil
Klarinettentöne erklingen in den Kunstwerken

Eine faszinierende Idee im Kulturraum Kägiswil: Die Klarinettisten Josef Gnos, Kaspar Lang und Thomas Brand treten als Künstler auf.

Romano Cuonz
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Drei Klarinettisten als Künstler: von links Kaspar Lang, Thomas Brand und Josef Gnos.

Drei Klarinettisten als Künstler: von links Kaspar Lang, Thomas Brand und Josef Gnos.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 22. Oktober 2021)

«Wir drei, Thomas Brand, Kaspar Lang und ich, hatten am Luzerner Konservatorium den gleichen Klarinettenlehrer, nämlich Giuseppe Mercenati», erzählt der Sarner Josef Gnos. Interessant ist: der charismatische Italiener und das Holzblasinstrument mit der singhaften Stimme verbinden das Trio bis heute. Und dies, obwohl die Karrieren verschieden verliefen. Josef Gnos dirigierte mehrere namhafte Blasmusikorchester und leitete die Musikschule Sarnen. Thomas Brand war ein Berufsleben lang Soloklarinettist im Luzerner Sinfonieorchester und Instrumentallehrer. Kaspar Lang studierter Anwalt und Notar, blieb jedoch Hobbyklarinettist. Als Präsident des Konservatoriums und anderer Institutionen prägte er das kulturelle und musikalische Leben in Luzern.

Nun, da die drei Klarinettisten pensioniert sind, verbindet sie eine andere Leidenschaft, der sie sich auch seit ihrer Jugendzeit widmen. Jener nämlich fürs handwerkliche und künstlerische Schaffen. Die Organisatorinnen des Kulturraums Kägiswil, Yvonne Gnos und Elisabeth Hartmann, haben ihnen jetzt Gelegenheit geboten, ihre Werke einem interessierten Publikum zu zeigen.

Josef Gnos: Der tüftelnde Drucker

«Malen und Musik liegen nahe beisammen», sagt Josef Gnos. Beide Künste würden Wellen erzeugen, die man einmal mit dem Ohr höre, einmal mit dem Auge sehe. Oft zeichne er, während er Musik, etwa von Puccini, höre. Als ursprünglich gelernter Tiefbauzeichner liegt dem Sarner eine streng grafische und doch immer auch schwingende Kunst nahe. In einer Villa im norditalienischen Ameno fand er eine alte Druckerei, die er wieder funktionstauglich machte. Hier liebt es Gnos zu tüfteln. Er entlockt dem Holzschnitt mit mehreren Druckstöcken oder dem handwerklichen Steindruckverfahren in zig Varianten stets neue Geheimnisse.

Josef Gnos druckt seine Lithografien selber. Dabei experimentiert er immer wieder von neuem.

Josef Gnos druckt seine Lithografien selber. Dabei experimentiert er immer wieder von neuem.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 22. Oktober 2021)

Einige Blätter zeigt Gnos in Kägiswil. Genauigkeit und Strenge bestechen genauso wie Freiheiten, die er sich nimmt. Gnos lässt aber auch eine andere grosse Liebe aufflammen: jene zur Obwaldner Landschaft. In sehr schönen in den letzten Jahren neu entstandenen Ölbildern hält er etwa Melchsee-Frutt oder den Sarnersee, den Titlis und die Wetterhörner fest. Gekonnt und stilsicher. Auch als Maler.

Kaspar Lang: Der Mann mit drei Leben

«Von Beruf bin ich Jurist, in der Freizeit aber habe ich mich stets intensiv mit Musik und Malerei beschäftigt», bekennt der Luzerner Kaspar Lang. Und, mit einem verschmitzten Lächeln: «Seit meiner Jugend hatte ich immer drei Leben!» Als leidenschaftlicher Zeichner und Maler fing er ursprünglich surrealistische Landschaften ein. Doch das Bedürfnis, in Bildern seine Gefühle und Ideen auszudrücken, führte ihn schliesslich – als Fünfzigjährigen – zur abstrakten Malerei. Nicht umsonst tragen seine grossformatigen Ölbilder die Titel «Klang 1» bis «Klang 16».

Kaspar Lang lässt Töne in abstrakten Malereien mitschwingen.

Kaspar Lang lässt Töne in abstrakten Malereien mitschwingen.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 22. Oktober 2021)

Anregung zum Malen geben ihm in den meisten Fällen musikalische Erlebnisse. «Einmal ist es ein Konzert, einmal das Werk selber», verrät Lang. Doch auch ein offener Flügel oder Notenblätter könnten ihm die Grundidee zu farbig «tönenden» Bildern geben. Dass Lang Öl bevorzugt, ist kein Zufall. «Es gibt mir die intensiven Farben, die ich für mein Vorhaben brauche», sagt er.

Thomas Brand: Fasziniert von Holz

«Holz faszinierte mich schon immer, deshalb wurde ich wohl auch Holzbläser», sagt der im KKL beklatschte und gefeierte Soloklarinettist Thomas Brand. Eine Tatsache aber ist: Berufsmusiker brauchen neben der grossen Bühne immer auch eine andere, eine eigene Welt. Thomas Brand fand sie in seiner Werkstatt, wo er seit vielen Jahren die Kunst des Querholzdrechselns ausübt. In Kägiswil zeigt der Adligenswiler 24 gedrechselte Gefässe mit Hohlräumen in Holzarten wie Esche, Essigbaum, Edelkastanie, Nussbaum, Hainbuche, Fichte oder auch Holunder. Jedes Werk ist ein Unikat und mit seiner Maserung, Jahrringen und vom Schöpfer bewusst sichtbar gemachten Ästelungen, ein Kunstwerk von seltener Schönheit. «Holz, auch wenn es nicht als Instrument erklingt, schwingt, singt und klingt», sagt Brand. Und: Wer ein Holzstück bearbeite, müsse hart ringen, bis er die Form finde, die ihm entspreche. Doch irgendwann nehme jedes Holz eine einladende Form an.

Thomas Brands Schalen und Teller aus verschiedenen Hölzern sind alle einzigartig und schön.

Thomas Brands Schalen und Teller aus verschiedenen Hölzern sind alle einzigartig und schön.

Bild: Romano Cuonz (Kägiswil, 22. Oktober 2021)

Mit Malereien, Grafiken und Objekten lassen drei Musiker in Kägiswil Schwingungen aufkommen. Ja, erklingen denn da in den Galerieräumen nicht irgendwie sogar Klarinettentöne?

Ausstellung im Kulturraum Kägiswil: Drei Klarinettisten Kaspar Lang, Josef Gnos, Thomas Brand. Geöffnet: Freitag, 29. Oktober, 18 bis 21 Uhr. Samstag. 23./30. Oktober und Sonntag 24./ 31.Oktober, 14 bis 18 Uhr

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