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KUNST: Die Schönheit öder Landschaften

Der Obwaldner Künstler Moritz Hossli inszeniert in der Galerie Hofmatt verschandelte Landschaften des Lausitzer Braunkohlereviers. Indem er ganz unaufgeregt ihre Ästhetik entdeckt, fordert er den Betrachter heraus.
Romano Cuonz
Der Künstler Moritz Hossli präsentiert seine Fotografien von ganz besonderen Landschaften auf dem Dach der Hofmatt in Sarnen. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 26. August 2017))

Der Künstler Moritz Hossli präsentiert seine Fotografien von ganz besonderen Landschaften auf dem Dach der Hofmatt in Sarnen. (Bild: Romano Cuonz (Sarnen, 26. August 2017))

Romano Cuonz

redaktion@obwaldnerzeitung.ch

«Auch wenn im Braunkohle­revier Lausitz gigantische Industriekräfte liebliche und unberührte Landstriche in künstliche Kraterlandschaften verwandelt und verwüstet haben, vermag Moritz Hossli diesen Orten mit einer feinen Bildgestaltung grossartige ästhetische Reize zu entlocken», sagte Toni Durrer an der jüngsten Vernissage in der Sarner Galerie Hofmatt. Klingt eher seltsam! Ja, geradezu paradox nimmt es sich aus. Genau wie die Tatsache, dass der junge Künstler einige seiner Fotografien (wegen Mauerfeuchte) kurzerhand aus dem schönen Panoramasaal herausholte und dem verblüfften Publikum auf dem nackten, aber sonnigen Ziegeldach einer Hofmatt-Remise präsentierte.

Fotograf mit bizarrer Ästhetik

In seiner Ausstellung «Terra nova» sorgt Hossli für eine ständige Umkehr von fest geglaubten Wertvorstellungen. Er tut dies, indem er einen grundlegenden Wandel der Beziehung zwischen Mensch und Umwelt mit seiner Kamera einfängt und thematisiert. Einen Wandel dokumentiert, der mit der Hochindustrialisierung einsetzte und ausgerechnet mit der Renaturierung des Braunkohlereviers heutzutage immer noch weitergeht.

Moritz Hossli wurde 1990 geboren. Aufgewachsen ist er in Wilen und Giswil. Nach seinem Bachelor in «Kunst und Vermittlung» in Luzern studierte er zwei Jahre «Kunst und Medien» in Berlin. Von dort aus besuchte er mehrfach die Lausitzer Landschaft, die an der Grenze zu Sachsen und Brandenburg liegt und von 120-jähriger Braunkohleförderung geprägt ist. Immer wieder – und mit unterschiedlichen Medien – stellt Hossli die gleichen Fragen: Wo sind wir, und was ist hier passiert? Gibt es, wo Menschen Dörfer einst verschwinden liessen und Wälder zu Wüsten machten, wieder so etwas wie eine neue, bizarre Schönheit? Und wirklich: Betrachtet man Hosslis bald mit Drohnen aus Vogelperspektive, bald mit Makroobjektiven minutiös eingefan­genen Bilder, wirken sie auf den ersten Blick ausserordentlich ästhetisch. Und doch sind es – ganz genau betrachtet – steinerne, öde Hügelketten, ausgebuddelte Erdtäler, brachiale Flussläufe, industriell geprägte Muster in ausgemusterten Landstrichen.

Eine Ausstellung, die Denkanstösse vermittelt

«Neben der eindrücklichen Monumentalität und gigantischen Dynamik macht sich hier auch eine eigentümliche und unheimliche Atmosphäre breit», meinte Vernissagen-Redner Toni Durrer. Und er stellte auch jene Frage, die vielen Besuchern auf der Zunge brannte: «Welchen Stellenwert hat diese Landschaft in der bildhaften Auseinandersetzung, und was bedeutet sie dem Betrachter, den man heutzutage mit eigentlichem ‹Bergbautourismus› anlockt?» Für Durrer, Mitglied des Hofmatt-Galerie-Teams, steht fest: «So grotesk ‹Bergbautourismus› auch klingen mag, offenbart er doch den verzweifelten Versuch, Imaginationsraum in einer verschandelten Landschaft zu erzeugen, einen neuen Erlebnisraum zu schaffen.» Indessen, so hält die Historikerin Jana Bruggmann von der Freien Universität Berlin fest: «Wie ästhetisch und unaufgeregt Moritz Hosslis Arbeit an dieser Landschaft auf den ersten Blick auch erscheinen mag, beschwören seine stillen, unkommentierten Bilder nichts Geringeres als die Krisenherde der postmodernen Gesellschaft herauf!» Erneut eine Ausstellung in der Hofmatt, die Denkanstösse für eine Gesellschaft im Übergang vermittelt. Diesmal mit bizarrer Schönheit.

Hinweis: Moritz Hossli, «Terra nova» in der Galerie Hofmatt, Rütistrasse 23, Sarnen. Noch bis zum 24. September. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 14–17 Uhr.www.galerie-hofmatt.ch

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