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KUNST: NOW 17 zeigt Querschnitt durch Ob- und Nidwaldens Kunst

In der Turbine Giswil sind in der Übersichtsausstellung «Now 17» 58 Kunstschaffende mit Arbeiten vertreten. Sie bietet eine grosse Vielfalt von Formen, Formaten und Farben.
Einblick in die Turbine. (Bild: PD)

Einblick in die Turbine. (Bild: PD)

Im hinteren Teil der Halle prangt mitten im Raum die pfeilgerade, in die Vertikale schiessende Skulptur «Situation 4» (2017). Wie farbiges Haar verkleiden Baströcke in unterschiedlichsten Farben das phallische Objekt aus geschnitztem Styropor. Stephanie Hess (*1979) ist mit ihrer haarig-bunten Skulptur eine der 18 von einer Fachjury ausgewählten Künstler, die im Herbst 2018 in einer Auswahlausstellung in Stans zu sehen sein wird. Anlässlich dieser Schau wird auch der Unterwaldner Preis für bildende Kunst vergeben.

Zugelassen zur von der Obwaldner und Nidwaldner Kulturkommission organisierten Übersichtsausstellung in Giswil sind all jene Kunstschaffende, die entweder aufgrund ihrer Biografie oder durch ihr langjähriges Schaffen einen Bezug zu einem der beiden Kantone aufweisen. Diese Teilnahmebedingungen ermöglichen es, dass Arbeiten professioneller Kunstschaffender neben Werken hängen, liegen oder stehen, die nebenberufliche Künstler geschaffen haben.

Schwarzes Garn wird zu Tränen

In der Schau versammelt sind neben skulpturalen Arbeiten, wie die mehrteilige aus Holzobjekten konzipierte Bodeninstallation «sometimes quickly changed» des Bildhauers Rochus Lussi, (*1965) auch Videoinstallationen, Malereien, Zeichnungen, Fotografien und Tapisserien.

Bei Letzteren handelt es sich um drei benachbart hängende, überstickte Gobelinbilder von Edita Vertot (*1963). Die Bildteppiche zeigen beim Schreiben, Lesen und Beten versunkene Frauen, aus deren Augenhöhlen sich Garn wie schwarze Tränen über den Bildraum hinaus ergiesst.

Anstatt Garn miteinander zu verweben, sind es in Rainer Otto Hummels (*1968) Monumentalgemälde «Space is the Place (Tribute to Sun Ra)» kurvende Linien, die sich zu einem Flächengewebe zusammenfügen. Unter dem Gewirr der kurvenreichen Komposition in Öl auf Baumwolle zeichnen sich in Pastelltönen schemenhaft die Umrisse von Pferden, Reitern und soldatischen Gestalten ab. Der martialische Gestus der nebulösen Figuren steht in Kontrast zu den weichen Farbtönen. In einem spannungsgeladenen Verhältnis zueinander stehen auch Sujet und formale Ausführung des Werks: Während das Bildmotiv an Historienmalerei des 19. Jahrhunderts erinnert, weist Hummels Formsprache aufgrund ihres abstrakten Ausdrucks in die Gegenwart.

Formal abstrakt ist auch Adrian Hosslis (*1943) Diptychon mit dem lateinischen Werktitel «Quo Vadis?». Diese Phrase ist mit der biblischen Erzählung der Verleugnung Jesu durch Petrus verbunden. Vor dem Hintergrund dieser passionsgeschichtlichen Konnotation ist man beim Betrachten von Hosslis Bild verlockt, nach Anhaltspunkten dieses Narrativs zu suchen. Obwohl nur bedingt figurative Versatzstücke auszumachen sind, lassen sich die über die Malerei wandernden roten Farbstreifen in Analogie zum Kreuzweg des Heilands stellen.

Zerbrochene Schalen bleiben zurück

Wenn auch nicht explizit den Tod thematisierend, so greift Cécile Stadelmann-Hochreuter (*1947) mit ihrer Bodeninstallation «Zerbrechlich oder das Gelbe vom Ei» den Gedanken der Fragilität und Vergänglichkeit organischer Daseinsformen auf: Während ein befruchtetes Ei biologisch gesehen als Depot mit Ressourcen einem sich entwickelnden Lebewesen als Schutzraum dient, bleiben in Stadelmann-Hochreuters Installation nur noch die zerbrochenen Schalen als Vanitas-Motive zurück. Als Abfallprodukte liegen sie, in der Innenseite gelb bemalt, auf einem weissen, auf dem Boden gezeichneten Quadrat.

Mit dem Konzept der Übersichtsausstellung «Now 17» ist es dem Macher Tide Zihlmann, gelungen die heterogenen Künstlerpositionen auf interessante Weise und ästhetisch sinnvoll miteinander zu verbinden.

Tiziana Bonetti

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Übersichtsausstellung bis 3. Dezember 2017, Turbine Giswil.

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