Ausstellung in der Sarner Galerie Hofmatt: Luzernerin zeigt Kunstwerke voll verzaubernder Melodien

Die Künstlerin Monika Feucht lässt die eigenwilligen Räume der Sarner Galerie Hofmatt erklingen. Der Gang durch die Räume wird zur Entdeckungsreise.

Romano Cuonz
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Die Installation «Zeichnen in der Luft» der Künstlerin Monika Feucht. (Bilder: Romano Cuonz, Sarnen, 31. August 2019)

Die Installation «Zeichnen in der Luft» der Künstlerin Monika Feucht. (Bilder: Romano Cuonz, Sarnen, 31. August 2019)

«Die Wesen der Dinge», titelt die Luzerner Künstlerin Monika Feucht ihre zweite Ausstellung in der Sarner Galerie Hofmatt. Wer sich noch an ihre erste Ausstellung vor 17 Jahren erinnert, ist bestimmt gespannt, was die Luzernerin diesmal in die stimmungsvollen Räume des 350 Jahre alten Gebäudes zaubert.

Monika Feucht ist eine verträumt poetische Künstlern. Dass sie aber auch alles klug durchdenkt, zeigt sich, wenn es darum geht, das Wesen der Dinge zu erforschen und schliesslich mit spielerischer Leichtigkeit zu inszenieren. In der Hofmatt – mit ihren gleich fünf urwüchsigen und unterschiedlichen Galerieräumen – sind solche Qualitäten gefragt. Auch diesmal enttäuscht Monika Feucht Besucherinnen und Besucher nicht. Der Gang durch die Räume wird zur Entdeckungsreise. Oder, wie die Zürcher Kunsthistorikerin und Vernissagenrednerin Sabine Arlitt es sagt: «Wesen geistern im Haus herum. Festes beginnt sich zu bewegen, vermeintlich Lebloses erhält gleichsam atmende Präsenz.»

Drei Hasen leben neu auf

Die 1956 in Meggen geborene Künstlerin Monika Feucht hatte sich zur Kosmetikerin ausgebildet, bevor sie sich ganz und gar der freien Kunst zuwandte. Wer mag da staunen, dass sie sich auch während ihres Aufstiegs zur im In- und Ausland anerkannten Künstlerin immer wieder vom ganz Kleinen zum ganz Grossen vorgetastet hat. Sabine Arlitt attestiert ihr: «Sie ist eine Künstlerforscherin auf den Spuren der DNA des Daseins.» In der Tat: Mit forschendem Blick betrachtet sie im Panoramazimmer die alten Wandmalereien. Mittels Mobile aus rot gefärbten Papierbändern, Guache und Draht lässt sie, wie sie selber sagt, «Kleine Tiere» zu «Grossen Kämpfern» mutieren. Und wirklich: Durch die Schatten, die das zerbrechliche Mobile auf die Wände und an den Boden projiziert, scheinen auch die zahlreichen im altehrwürdigen Panoramabild abgebildeten Tiere neue Kraft zu schöpfen. Ihr Leben zurück zu erhalten. Sichtbar wird dies, wenn man Monika Feuchts mit Bleistift und Tagesleuchtfarbe gefertigte Zeichnung «Drei Hasen» genau betrachtet. Die Tiere erscheinen dort, wo die Farben des Panoramas verblasst sind. Ja, hat man denn die gleichen Tiere nicht schon irgendwo in der Obwaldner Landschaft des Panoramabildes gesehen? Die Kunsthistorikerin Sabine Arlitt verrät, wozu die Künstlerin den Tieren da verhilft. «Drei Hasen lösen sich aus ihrer jahrelangen Festsetzung, sie vernetzen sich neu, lustvoll und lebensfroh. Wie wenn sie einem geheimnisvoll leuchtenden Untergrund entsprungen wären.» Dies, weil Medienwechsel in Monika Feuchts Schaffen wichtig seien. Ebenso wie Zeiten- und Kategorienwechsel.

Melodiöses Zeichnen in der Luft

Viele Arbeiten der Künstlerin – namentlich die grossflächigen Bleistiftzeichnungen «Féminité du bois» oder «Grosses Gras» – könnte man minutenlang betrachten und dabei immer wieder neuen Erscheinungen begegnen.

Monika Feucht mit ihrem bleistiftgemalten Bild «Féminité du bois». (Bild: Romano Cuonz, Sarnen, 31. August 2019)

Monika Feucht mit ihrem bleistiftgemalten Bild «Féminité du bois». (Bild: Romano Cuonz, Sarnen, 31. August 2019)

Wie vom Klang einer verzaubernden Melodie berührt, scheint da Gras vom Boden zur Decke zu wachsen und sich gleichzeitig im Wind zu wiegen. Ähnliche Erfahrungen macht der Besucher, wenn er den Kellergang mit den leuchtfarbigen «Spiriti dei Marmi» in den Nischen betritt. Oder den Gewölbekeller, wo die Künstlerin gewissermassen «in der Luft zeichnet». Mit Ästen, die sie in weisse Gaze einwickelt und vernäht. Der grosse Aufwand, um sie dann, zusammen mit ihren Schatten, filmisch zu inszenieren und über Boden und Wände tanzen zu lassen. Sabine Arlitt fasst Vorgänge wie diesen in Worte: «Zur Arbeitsweise von Monika Feucht gehört das Flair für flüchtige, dabei höchst konzentrierte Erscheinungsmomente.»

Hinweis: Galerie Hofmatt, Sarnen. Monika Feucht: Die Wesen der Dinge. Bis 29. September 2019. Öffnungszeiten: Samstag und Sonntag 14 bis 17 Uhr.