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Laptop-Virtuosen aus aller Welt in Sarnen

Während einer Woche wurde in der Mehrzweckanlage Ei in Sarnen Kopfarbeit geleistet. Angehende Informatiker bereiteten sich auf ihr Fernziel, die Finalteilnahme an einer Olympiade ihrer Branche, vor.
Primus Camenzind
Blick ins Computer-Camp, wo mit voller Konzentration gearbeitet wird. (Bild: Nadia Schärli (Sarnen, 14. Februar 2019))

Blick ins Computer-Camp, wo mit voller Konzentration gearbeitet wird. (Bild: Nadia Schärli (Sarnen, 14. Februar 2019))

Bei unserem Besuch am Donnerstag im Trainingscamp der Swiss Olympiad in Informatics (SOI) in Sarnen fanden wir den Haupteingang zum Camp verschlossen. «Streng geheim» oder «Bitte nicht stören» lautete unsere Vermutung. Nicht ganz, aber als uns Sekunden später der Leiter des SOI-Camps die Türe öffnete, bemerkten wir sofort, dass hier äusserst zielgerichtet gearbeitet wurde.

Teilnehmende aus der Zentralschweiz waren unter den rund 40 Männern und Frauen keine auszumachen. Dafür angehende Informatiker aus allen übrigen Landesteilen der Schweiz, aus Österreich, der Slowakei, aus Rumänien und Israel. Weshalb findet das Trainingscamp in Sarnen statt? Ganz einfach: Gastgeber war der einheimische Benjamin Schmid, Informatikstudent an der ETH Zürich und seines Zeichens Gewinner einer Goldmedaille an der SOI-Olympiade 2013 sowie Bronze an der Internationalen Informatik-Olympiade 2014 in Taiwan.

Unterricht in englischer Sprache

Schmid, der für die Campwoche ein Team von 20 Leiterinnen und Leitern inklusive Küchenbrigade begleitete, empfahl unserer Zeitung fürs Erste den Besuch eines Vortrags. Ein Lehrer erklärte den aufmerksamen jungen Menschen in englischer Sprache eine Art «Zahlenspiel» in Dreiecksform. Daran nahm er laufend Veränderungen vor und begründete diese entsprechend.

Dem staunenden Journalisten half Benjamin Schmid mit einfachen Worten auf die Sprünge: «Hier bringt mein Kollege seinen Zuhörern effizientes Programmieren bei.» Im Vorbeigehen blickten wir hinein in einen Raum, in welchem die Laptops heisslaufen. «Hier werden praktische Lösungen erarbeitet», klärte uns Schmid auf. In der Folge sprachen wir mit Stefanie Zbinden, Mathematik Studentin an der ETH Zürich und Leiterin der Schweizer Delegation, über Sinn und Zweck des Camps.

«Es gibt Teilnehmerinnen und Teilnehmer, die vor Beginn des SOI-Jahres im Oktober 2018 noch nie programmiert hatten, andere wiederum haben sich diese Fähigkeiten selber beigebracht, sind schon seit Jahren mit dabei oder haben sogar bemerkenswerte nationale oder internationale Erfolge vorzuweisen. Die Voraussetzungen sind also sehr unterschiedlich», betonte sie. Und weil das so sei, zogen sich die «Cracks» des höheren Levels mit ihren Laptops in einen separaten dritten Raum zurück.

Zu ihnen gehörte auch der 17-jährige Aargauer Kantonsschüler Nicolas Camenisch. Unter anderem ist er mit der Bronze-Medaille der internationalen Ausmarchung 2018 im japanischen Tsukuba ausgezeichnet worden. «Als ich etwa 14 Jahre alt war, packte mich die Materie. Mit Hilfe eines Buches von Apple erlernte ich eine simple Programmiersprache. Seit jeher liebe ich Computer und deshalb nahm auch meine Entwicklung als Informatiker ihren Lauf», so Camenisch. Als Freak sehe er sich überhaupt nicht, schon gar nicht als «Fachidiot». Es sei sehr viel mit der Fotokamera unterwegs und auch der Ausgang sei hie und da durchaus ein Thema. Stefanie Zbinden betonte, dass auch während der Campwoche einiges unternommen werde, um den Kopf zu lüften. «Mitte Woche waren wir im Dorf Sarnen auf Schnitzeljagd und am Abend machen wir es uns mit Spielen gemütlich.»

Aus Bern angereist ist die 16-jährige Gymnasiastin Ema Skottova. Ihr Vater ist IT-Spezialist und brachte seine Tochter schon im Alter von 12 Jahren mit der Informatik in Berührung. «Ich lernte von ihm ganz einfache Sachen, begann in der Folge Webseiten zu programmieren und entdeckte die Informatikolympiade letztes Jahr. Deshalb bin ich jetzt hier.» Zum Ausgleich spiele sie in einem Frauen-Fussballteam mit. «Als Torfrau», ergänzt Ema. Das seien halt ebenfalls etwas eigene Charaktere. Ihre berufliche Zukunft sei noch gar nicht vorgezeichnet. «Genauso wie die Informatik liebe ich Physik und Mathematik», gibt sie zu verstehen.

Von Sarnen über Bern und Zürich nach Baku

Wohin führt der Weg im SOI-Jahr 2019? Die Besten aus dem Sarner Camp werden nach Bern und Zürich an die Finalrunde, bestehend aus vier Programmier-Contests, eingeladen. Das Quartett, welches sich dort durchsetzt, reist an die Internationale Informatikolympiade vom 4. bis 11. August nach Baku, Aserbaidschan. Sämtliche Camps und Veranstaltungen sind für die Teilnehmer kostenfrei. Dafür kommt hauptsächlich die Wirtschaft auf. «Sie ist an starkem Nachwuchs interessiert», bekräftigte Benjamin Schmid.

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