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Lauter Seppis und ein Hans im Korb assen Probe fürs Alptheater ob Stalden

Mit seinem 5. Alptheater «Soosätunggis» feiert Beppi Baggenstos ab Mittwoch ein kleines Jubiläum. Traditionsgemäss hat er alle Seppis aus der Nachbarschaft und Hausbesitzer Hans Kathriner in seine alpine Märchenwelt zu einem Probeessen eingeladen.
Romano Cuonz
Sie trafen sich zum Probeessen (von links): «Leitisepp» Burch, Hausbesitzer Hans Kathriner, «Riedsepp» Burch, Theatermann Beppi Baggenstos und «Sonnmattsepp» Britschgi. (Bild: Romano Cuonz, Stalden, 7. Juni 2019)

Sie trafen sich zum Probeessen (von links): «Leitisepp» Burch, Hausbesitzer Hans Kathriner, «Riedsepp» Burch, Theatermann Beppi Baggenstos und «Sonnmattsepp» Britschgi. (Bild: Romano Cuonz, Stalden, 7. Juni 2019)

Weit über dem Dorf Stalden liegt ein stotziges Heimetli, das den passenden Flurnamen Schönenbödeli trägt. Hier lädt der kernige Obwaldner Theatermann Beppi Baggenstos seit fünf Jahren zu eigenwilligen Innerschweizer Alptheateraufführungen ein. Auf der stets ausverkauften Panoramabühne und unter tosendem Beifall des Publikums hat er bereits vier Stücke inszeniert: «Im feissen Rössel am Wolfgangsee», «Stei uberem Dorf (Anatevka)», «Heimatärde» und «Katharina Knie». Dabei wurde stets auch meisterhaft musiziert und gesungen.

«Weil es den Leuten gefällt – und auch die Ausgaben und Einnahmen sich die Waage halten – spielen, musizieren und singen wir auch dieses Jahr wieder», schmunzelt Beppi Baggentos (siehe Infobox).

Das Theater belebt die einsame Gegend

Baggenstos hat das Schönenbödeli im Verlauf der fünf Jahre mit dem für ihn typischen Schalk in eine alpine Märchenwelt verwandelt. Mittlerweile gibt es da oben gar einen skurrilen Heli-Landeplatz. Eine uralte Wanne wird zum Strandbad und im nahen Bach ist sogar eine Goldwaschanlage installiert.

Tage bevor Hunderte Zuschauer auf den Berg zur Oper strömen, pflegt Beppi Baggenstos einen überaus hübschen Brauch: Sobald er das Menu für die Theaterabende kreiert hat, lädt er den Hausbesitzer Hans Kathriner und all seine unmittelbaren Nachbarn zu einem lukullischen Probeessen ein. Witzig dabei: All die Nachbarn sind, wie er selber, auf den Namen Josef getauft. Hans Kathriner – ein inzwischen pensionierter Schwander Elektroniker – dürfte sich in dieser Runde wie ein Hahn (oder eben Hans) im Korb fühlen.

Er erzählt: «Als ich mein Erbgut, das Schönenbödeli, vor sechs Jahren zur Miete ausschrieb, meldeten sich binnen kurzem 50 Bewerber.» Darunter viele Städter, die keine Vorstellung vom einfachen Häuschen mit Stall gehabt hätten. «Da überliess ich es lieber dem Obwaldner Beppi Baggenstos, obwohl ich keine Ahnung hatte, was er da oben anstellen würde», lacht Kathriner. Als Baggenstos ihm dann das Alptheaterprojekt vorstellte, überlegte Kathriner nicht lange. «Damit würde doch diese einsame Gegend aufleben», fand er.

Bauern mit Statisten verwechselt

Die Suppe, kreiert aus Kräutern rund ums Haus, ist serviert. Die Gläser klingen. Nun lösen sich auch die Zungen der Seppis. Der Pächter Sepp Burch, alias «Riedsepp», erzählt: «Natürlich bringe ich während Aufführungen keine Gülle aus. Aber einmal haben wir halt Heuheinzen errichtet. Da meinten doch die Zuschauer tatsächlich, dass wir als Statisten mitspielen würden!»

Auch ein zweiter Nachbar heisst Sepp Burch, wird aber nach seinem Heimet «Leitisepp» genannt. Er erinnert sich: «Als ich einmal mithalf, eine Treppe zu bauen, stiessen wir auf ein altes Betonrohr. Typisch für Beppi Baggenstos war, dass er es keinesfalls entsorgen wollte, sondern zum Bach trug und fortan als Fusswaschanlage nutzte.» Ein weiterer Nachbar heisst Sepp Britschgi. Genannt wird er «Sonnmattsepp». «Wenn der Heiterwind geht, hören wir die Musik und die Lieder, das ist auch für uns interessant und schön», sagt er.

Einmal sei oben beim Beppi Baggenstos ein Lieferwagen samt Anhänger im nassen Gras stecken geblieben. «Den habe ich dann mit meinem Traktor wieder rausgezogen», berichtet der Sonnmattsepp. Übrigens: Eines haben all die Seppis gemeinsam. Am besten hat ihnen «Das feisse Rössel» mit den vielen Ohrwürmern gefallen.

Premiere ist am Mittwoch um 20.30 Uhr. Vorstellungen bis 27 Juli. Shuttles ab Sportplatz Stalden. Weitere Informationen unter www.alptheater.ch.

Eine Obwaldner Stammtischoper

(cuo) «Sie müssen nicht Angst haben, dass ihnen vor lauter Herzschmerz und hochgestochenen Vibrati die Haare zu Berge stehen werden», beruhigt Autor und Regisseur Beppi Baggenstos sein Publikum. Wohl nötig, weil er dieses Jahr unter dem Titel «Soosätunggis» nicht weniger als eine Obwaldner Oper verspricht. Doch würde zum Spektakel wohl eher der Begriff Stammtischoper passen.

Fabian Wieland und Michael Berchtold haben für das Stück schöne Lieder komponiert. Diese streut Baggenstos in eine «eifach glismeti», aber meisterhaft in Szene gesetzte Geschichte ein: Obwalden ist am Boden, weil die Pilger nicht mehr so wie einst pilgern. In der Not hat jemand eine zündende Idee: Kreiert eine neue «Soosä», in die man «Mockä tungget»! Und so kommt Obwalden im Verlauf eines alpinen Opernabends – «Soosä» sei Dank! – wieder «obsi».

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