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LEICHTATHLETIK: Viktor Röthlin, der Medaillentester

Dem Obwaldner Viktor Röthlin fiel in Le Locle die Ehre zu, als Erster die Objekte zu begutachten, welche jeder an den EM 2014 in Zürich begehrt. Der Europameister hielt einen kompletten Medaillensatz in der Hand.
Viktor Röthlin präsentierte am Montag die Goldmedaille der Leichtathletik-EM vom Sommer in Zürich. (Bild: Keystone)

Viktor Röthlin präsentierte am Montag die Goldmedaille der Leichtathletik-EM vom Sommer in Zürich. (Bild: Keystone)

Der Marathonläufer kennt sich in Sachen Medaillen von den Schweizer Leichtathleten am besten aus: Gold von den Europameisterschaften in Barcelona 2010, EM-Silber aus Göteborg 2006 oder Bronze der Weltmeisterschaften in Osaka 2007 lagern in der Zentralschweiz.

Der Obwaldner war denn auch gespannt auf den Moment der Präsentation im Neuenburger Jura. Gestern Montag lief die Produktion der 280 Medaillen für die Europameisterschaften in Zürich vom 12. bis 17. August an, Röthlin durfte die ersten Exemplare «frisch aus dem Ofen» vorzeigen. Er hatte keine Ahnung, was ihn genau erwarten würde. «Eine Medaille muss cool sein, ein gewisses Gewicht haben und sie soll auch den Austragungsort darstellen», sagte Röthlin im Vorfeld der Präsentation und zückte aus einer Schachtel als Gegenbeispiel die futuristische, undefinierbare Goldmedaille von Barcelona hervor, die dem Schweizer beim Betrachten kaum Freude macht. «Die Emotionen der Siegerehrung sind mir noch gegenwärtig, aber die Medaille ist nicht sehr schön. Sie dient bloss als Beweis, dass ich Europameister bin.»

Der Zürcher Designer Alfredo Häberli sowie der CEO Christian Fontana und der Produktionsleiter Daniel Dubois (ehemaliger NLA-Hockeyspieler bei Biel) von der produzierenden Firma «Faude & Huguenin SA» waren nach dem kritischen Vorwort selbstredend gespannt auf das Urteil. «Sie ist schwer, man hat was in der Hand, sie macht Freude. Ich finde sie schlicht und nicht zu verschnörkelt. Das gefällt mir. Die Tropfenform könnte Schweiss oder Freundentränen symbolisieren», sagte Röthlin spontan und fügte nach ein paar weiteren Informationen hinzu: «Ich fühle mich geehrt, dass ich diese EM-Medaillen sehen durfte. Ich finde dieses Schmuckstück sehr gelungen und bin fasziniert, wie aufwändig die Herstellung einer solchen Medaille ist.»

Die 280 bestellten Exemplare - für die Aktiven werden 237 Stück benötigt, der Rest dient als Reserve oder geht an die EAA - wurden in Le Locle in Handarbeit hergestellt und sind bis zur Vollendung «durch 100 Hände gegangen», erzählte Fontana. Nach diversen Vorarbeiten wird jeder Rohling mehrmals geprägt und immer wieder erhitzt. Zahlreiche Fertigungsschritte folgen, bis die Medaillen durch das galvanische Vergolden oder Versilbern den gewünschten glanzvollen Effekt erhalten. Endgültig fertig werden die Auszeichnungen kurz vor der Siegerehrung sein. Erst wenn die drei Erstklassierten bekannt sind, werden Stadion, Name, Rang und Ergebnis der zukünftigen Medaillenbesitzer eingraviert.

Röthlin, der in den nächsten Wochen zum zweiten Mal Vater werden wird, fand sichtlich gefallen an den Medaillen und kramte bei der Besichtigung der Produktionsstätte in Le Locle einige Anekdoten hervor. Die Medaille von Göteborg, erzählte er, sei mit ihren Glaselementen sehr gelungen, aber nicht eben robust. Bei zahlreichen Sportlern sei während der Medaillenfeiern oder durch eine sonstige Unachtsamkeiten das Verbindungsstück gebrochen. «Dies hat zu Reklamationen geführt, der Veranstalter muss eine Nachbestellung aufgeben.»

Einen speziellen Moment erlebte Röthlin beim Sieg nach dem Tokio Marathon 2008 in der Schweizer Rekordzeit von 2:07:23 Stunden. Sein Betreuer musste ihn ermahnen, die Medaille nicht im Hotelzimmer liegen zu lassen. Sie ist aus echtem Gold und hat einen materiellen Gegenwert im fünfstelligen Bereich.

Der gebürtige Obwaldner erklärte auch, weshalb alle Sportler in die Medaille beissen. Früher war dies eine Art um zu sehen, ob das Geld (in dem Fall die Medaille) echt ist. Obwohl das heutzutage nicht mehr nötig ist, hat sich diese Geste als Brauch gehalten, auch weil die Sportler von den Fotografen dazu aufgefordert werden. Am 17. Augst beim EM-Marathon in Zürich als knapp 40-Jähriger wird Röthlin ein letztes Mal eine sportliche Auszeichnung ins Visier nehmen. Danach ist Zeit, Bilanz zu ziehen, auch über die Medaillen. Röthlin sinniert an einem Plan herum, all seine wichtigen Auszeichnungen in einer Collage zu vereinen.

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