Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

LEISTER: Hightech aus Sarnen für den Weltmarkt

Als Drei-Personen-Betrieb begann der Hersteller von Schweissgeräten 1963 im beschaulichen Kägiswil. Heute beschäftigt die Leister-Gruppe im Kanton Obwalden über 500 Mitarbeiter – und startet jetzt den nächsten Ausbauschritt.
Leister-CEO Beat Mettler (rechts) und Applikationsingenieur Steffen Pappert begutachten ein Lasersystem. (Bild: Philipp Schmidli (Sarnen, 11. August 2017))

Leister-CEO Beat Mettler (rechts) und Applikationsingenieur Steffen Pappert begutachten ein Lasersystem. (Bild: Philipp Schmidli (Sarnen, 11. August 2017))

Ernst Meier

Bei der Sarner Leister-Gruppe läuft es sehr gut. Die Frankenstärke bewältigt das Technologieunternehmen, das 98 Prozent der Produktion ins Ausland exportiert, äusserst erfolgreich. Genaue Angaben über den Geschäftsgang, die Umsatz- oder die Gewinnentwicklung gibt Leister nicht bekannt. Denn die Firma ist nicht an der Börse kotiert und ist zu 100 Prozent in Privatbesitz. Nur eine Zahl wird mit Regelmässigkeit kommuniziert: die Mitarbeiterzahl. Derzeit beschäftigt das Unternehmen Leister mit seinen Tochterfirmen Weldy und Axetris weltweit rund 760 Angestellte, davon arbeiten 500 Personen im Kanton Obwalden. Beim 25-Jahr-Jubiläum von Leister in Kägiswil gab es letztmals Umsatzzahlen für die Öffentlichkeit. 33,6 Millionen Franken hätten die rund 200 Mitarbeiter im Geschäftsjahr 1987 erwirtschaftet, hiess es.

Leister? Die breite Öffentlichkeit ausserhalb des Kantons Obwalden wird wohl mit den Schultern zucken, wenn nach dem Firmennamen gefragt wird. Die Schweiss- und Lasergeräte von Leister gibt es nicht in gewöhnlichen Bau- und Hobbymärkten zu kaufen. «Unsere Produkte werden praktisch ausschliesslich von professionellen Anwendern in der Baubranche und in der Industrie eingesetzt», erklärt Beat Mettler, CEO der Leister-Gruppe. Und er fügt an: «Sie werden den Tag durch wohl mindestens einmal pro Stunde mit einem Produkt konfrontiert, bei dem ein Leister-Gerät im Einsatz war.» In der Tat: Leister-Technik ist weltweit und in den unterschiedlichsten Branchen im Einsatz. Beat Mettler zählt auf: «Die Zahnpastatube wurde wahrscheinlich mit einem Leister-Heissluftsystem verschlossen. Ebenfalls war Leister im Herstellungsprozess der Milchtüte involviert. Auch viele Kunststoffteile von Fahrzeugen werden mit unseren Geräten zusammengeschweisst.» Die Aufzählung geht weiter: Verschluss und Etikette bei PET-Flaschen, Gummiboote, Funktionsbekleidung, Turnschuhe, Smartphone und die Kunststoffabdichtung im 57 Kilometer langen Gotthard-Basistunnel.

Kunden: Von der Lebensmittel- bis zur Flugzeugindustrie

Die grössten Kunden und Anwender von Leister- und Axetris-Produkten kennt jeder. Es sind bekannte Marken wie Adidas, Nike, Nestlé, Emmi, Roche, Novartis und Autobauer wie VW, BMW, Porsche oder Tesla. «Die Aufträge aus der Automobil- und der Flugzeugindustrie sind stark wachsend», verrät Beat Mettler. Zum einen würden, um Gewicht zu sparen, vermehrt Kunststoffkomponenten eingesetzt. Zum anderen nehme der Anteil an Elektronik in den Fahrzeugen zu. «In beiden Kategorien sind wir mit unseren Laserschweisssystemen und Sensoren ein wichtiger Technologie­lieferant.» Leister ist nach Maxon Motor in Sachseln der zweitgrösste private Arbeitgeber im gerade mal 38 000 Einwohner zählenden Kanton Obwalden. Die Bedeutung des Unternehmens für die Region geht aber weit über die Funktion des erfolgreichen und zuverlässigen Arbeitgebers hinaus. Die Leister-Gruppe ist auch ein Motor für das gesellschaftliche Leben im strukturschwachen Kanton. Leister bildet konstant 23 Lernende aus (KV, Poly- und Produktionsmechaniker, Elektroniker, Konstrukteur, Logistiker). Beschäftigt werden Mitarbeiter aus 14 Nationen, der Frauenanteil liegt bei 30 Prozent. 15 Prozent der Belegschaft in Sarnen arbeiten in der Forschung und der Entwicklung. Hört man sich an den Stammtischen der Region um, so erfährt man nur Gutes über Leister. Jeder scheint jemanden zu kennen, der bei der Technologiefirma arbeitet, von ihr Aufträge erhält oder anderweitig profitiert – vom Garagisten zum Dorfbeck bis zum Schwingklub Sarnen, dessen Ehrenmitglied Verwaltungsratspräsidentin Christiane Leister ist. Auch Drucksachen in über 40 Sprachen für alle Kontinente lässt Leister bei den örtlichen Druckereien fertigen, «auch wenn das im Ausland günstiger wäre», wie ein Sarner weiss. Mit dem Schwingsport ist Leister übrigens seit Jahrzehnten eng verbunden. Etliche Siegermuni und andere Preise für Schwingfeste in der Region kamen vom Unternehmen. Leister ist auch langjähriger Sponsor des Innerschweizer Schwingerverbandes.

Obwalden überzeugte deutschen Wirtschaftspionier

Die Geschichte von Leister liest sich wie ein Märchen. Karl Leister war ein technologiebegeisterter Tüftler und Erfinder. Ab 1949 produzierte der Jungunternehmer Heizgeräte und -strahler im Keller seines Elternhauses in Solingen, Deutschland. Später stellte er auch Handstaubsauger oder ein Spiegelteleskop für die örtliche Sternwarte her. Der grosse Durchbruch war die Entwicklung des ersten Heissluftschweissgeräts für die Kunststoffindustrie. Expansion und Export der Produkte ins Ausland bereiteten Leister Anfang der 1960er-Jahre zunehmend Probleme. Zölle, Gesetze und Auflagen machten es dem Unternehmer nicht leicht. Er entschied sich für einen zweiten Standort in der wirtschaftsfreundlichen Schweiz. Damals startete der Bundesrat das Projekt, Industriebetriebe in den Bergkantonen anzusiedeln. Karl Leister verhandelte mit den Kantonen Obwalden und Graubünden. Er sei beeindruckt gewesen von der Landschaft am Vierwaldstättersee und der zentralen Lage, heisst es in der Firmenchronik. «Ausserdem überzeugten die Obwaldner Regierungsräte bei der ersten Begegnung im Gasthaus Sarnerhof», steht dort. Der begeisterte Berggänger und Skifahrer Leister startete am 2. Januar 1963 mit drei Mechanikern die Entwicklung und die Produktion von Schweissgeräten im Sarner Dorfteil Kägiswil.

1965 zählte man bereits 35 Mitarbeiter, 1966 konnte das neu erstellte Firmengebäude bezogen werden. 1970 war die Belegschaft auf 100 Personen angewachsen. Karl Leister schloss im selben Jahr sein Werk in Solingen und setzte nur noch auf die Schweiz – «aufgrund der Standortvorteile», wie es damals hiess. Die Erfolgsgeschichte ging praktisch ohne Unterbruch weiter. Beim 30-Jahr-Jubiläum 1993 arbeiteten für Leister 220 Personen. Im selben Jahr starb Karl Leister im Alter von 70 Jahren. Seine Frau Christiane übernahm die Leitung des Unternehmens. Die Volkswirtin führte die Erfolgsgeschichte ohne Unterbruch weiter. Als Antwort auf die wachsende chinesische Konkurrenz gründete sie die Tochterfirma Weldy, die ausschliesslich für den asiatischen Markt produziert. Die Technikbegeisterung der Chefin, die auch Mitglied des ETH-Rates ist, zeigt sich auch darin, dass Christiane Leister 1998 das Start-up-Unternehmen Axetris gründete. Dieses entwickelt und produziert Gassensoren und Mikrooptiken. Die Produkte sind aufgrund der steigenden Anforderungen im Bereich Sensorik, Luftreinhaltung und der Megatrends Digitalisierung sowie Cloud-Computing immer mehr gefragt.

«Wir verfolgen eine organische und langfristige Wachstumsstrategie», sagt Mettler. Die Aufhebung des Mindestkurses zum Franken 2015 habe das Unternehmen vor grosse Herausforderungen gestellt. «Unsere Produkte wurden über Nacht 15 Prozent teurer, denn wir verrechnen weltweit in Schweizer Franken.» Die Leister-Gruppe erwirtschaftet nur 2 Prozent des Umsatzes hierzulande, die Aufteilung der Verkäufe: 45 Prozent Europa, 26 Prozent Amerika, 29 Prozent Asien. «Damit wir keine Kunden verlieren und die Produktion in Obwalden ausgelastet bleibt, haben wir unsere Preise um 12 Prozent gesenkt», erklärt Beat Mettler die Reaktion auf den Frankenschock. Durch Effizienzsteigerungen und eine vorübergehende Erhöhung der Wochenarbeitszeit für die Belegschaft um eine Stunde habe man sich fit getrimmt. «Nach einem Jahr waren wir wieder gut aufgestellt», bilanziert Mettler.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.