Leserbrief
«Titlis 3020»: Grössenwahn hat eben auch ein Preisschild

Zu den Lohnbezügen des Verwaltungsrats der Bergbahnen Engelberg–Trübsee–Titlis AG während der Coronakrise.

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Während ihren fetten Jahren konnten die Bergbahnen Engelberg–Trübsee–Titlis AG (BET) Millionen anhäufen, Dividenden ausschütten und Pläne für eine Luxuszukunft entwerfen. Damit ist auf absehbare Zeit Schluss. Das zeigt der BET-Geschäftsbericht für 2019/20. Der Umsatz ist um mehr als 50 Prozent eingebrochen, weil wegen der Coronakrise die asiatischen Gruppentouristen auch in Engelberg fehlen. Das touristische Geschäftsmodell der vergangenen zehn Jahre ist weltweit ruiniert. Die Titlisbahnen weisen erstmals einen Verlust von 19,6 Millionen Franken aus. Die Aktionäre gehen leer aus, von Dividendenausschüttung ist keine Rede mehr.

Dabei hat die BET AG ein dickes Reservepolster angelegt. 2010 betrug das Eigenkapital 40 Millionen Franken, inzwischen sind 137 Millionen angehäuft. Diese Summe schmilzt allerdings wie Frühlingsschnee an der Sonne, falls die Titlisbahnen ihr gigantisches Ausbauprojekt Titlis 3020 mit Investitionskosten von 120 bis 140 Millionen Franken wie geplant verwirklichen. Grössenwahn hat eben auch ein Preisschild. Man sollte sich wirklich Sorgen machen um die Zukunft des Unternehmens. Erste Personalentlassungen haben schon stattgefunden. Denn vor 2022 erwartet sogar Titlis-CEO Norbert Patt keine Besserung. Die Bauvorhaben liegen deshalb sistiert in der ganz tiefen Schublade.

Nicht ganz in dieses düstere Zukunftsbild passt, dass der siebenköpfige Verwaltungsrat – eine Tätigkeit, die als Nebenamt ausgeführt wird – eine Entschädigung von fixen 315’000 Franken bezogen hat. Das sind zwischen 96'000 Franken (Präsident) und 36'500 Franken (Mitglieder) pro Kopf und Jahr. 2019/20 fanden sieben Sitzungen zu je fünf Stunden und eine eintägige Strategiesitzung von acht Stunden statt. Das ergibt rein rechnerisch ohne Berücksichtigung von Vorbereitungsarbeiten einen Stundenlohn von 1045 Franken pro Kopf. Wegen Corona verzichtet der Verwaltungsrat freiwillig auf 30 Prozent seiner fixen Vergütung – aber nur für ein Jahr, bis zur Generalversammlung vom 26. Februar 2021. Die Entschädigungen der Geschäftsleitung beliefen sich alles in allem auf 1,304 Millionen Franken. Davon entfielen auf den CEO alleine – fix und variabel plus Vorsorgeleistungen – total 414'000 Franken pro Jahr oder 34'500 Franken pro Monat.

Das sind stolze Zahlen. Darüber hört man nicht nur in Engelberg manche mehr schlecht als recht bezahlte Bahnmitarbeiter murren. Dass dafür auch vielen Aktionären das Verständnis fehlt, wenn gleichzeitig im neuesten Geschäftsbericht von Sparmassnahmen, striktem Kostenmanagement und Krisenlage die Rede ist, kann man nachvollziehen.

Sylvia Brendlin, Wernetshausen ZH