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Kolumne

Lovely

Ich meinti
Otto Leuenberger

Ich liebe den Sonntagmorgen mit Tee, Kaffee und der ausgebreiteten Sonntagspresse vor mir. Entspannende ein bis zwei Stunden mit Texten, Bildern, Rätseln, mal wunderlich, mal verspielt, top seriös, dann tendenziös, mal harte Fakten und mal Spekulationen. Halt auch Unterhaltung.

Auf einen ersten Blick sticht mir neulich ein «Milchkuhhorn» ins Auge. Genauer, die Zeile «wann ist die Milch böse geworden?!» Was zum Gugger soll denn das? Auf der Innenseite geht’s weiter mit «auf einmal macht Milch alle sauer». Die Milchlobby und ihre Gegner, die Veganer sollen sich einen Kampf liefern. Denn da wird berichtet, dass sich der Milchkonsum in der Schweiz dramatisch verändert habe. Lag der pro Kopfverbrauch 1950 noch bei 233 Kilogramm Konsummilch, so ist er bis 2017 kontinuierlich auf 57 Kilogramm gefallen. Ich muss da einiges verpasst haben und fühl mich nicht so recht in der Statistik widergegeben. Was ist bloss mit unserem Identität stiftenden Nationalprodukt los? Da soll es ein hin und her geben.

Otto Leuenberger. (Bild: Corinne Glanzmann)

Otto Leuenberger. (Bild: Corinne Glanzmann)

Von Low-Carb-Diäten, von Lactoseintoleranz wird berichtet und eine Liste mit Behauptungen angefügt, etwa, Milch lasse Knochen schwinden, verursache Krebs, und am schlimmsten, Milch mache dick. Aktuelle wissenschaftliche Studien widerlegen zwar das meiste. Aber was soll ich nun glauben? Mir gar den Appetit, den Genuss verderben: Das Glas Ovi, das Raclette, die Joghurts, der Rahm auf der Quarktorte? So ein Käse!

Ein bisschen nachdenklich werde ich schon. Bin ich der lustig cleveren Imagekampagne des Milchverbandes mit der schwarzweiss gefleckten Kuh «Lovely» (was für ein Name) erlegen? Einer cleveren, steppenden, dribbelnden, bähnlifahrende oder kletternde Superkuh mit Idealmassen und wunderschön geformten Hörnern? Hat mich dieses Traumwesen raffiniert reingelegt? Die Natur ist ja auch nicht mehr, was sie mal war. Die guten alten Zeiten im Dorf meiner Jugend gibt es nicht mehr. Die schwitzenden, «glücklichen» Bauern auf dem Heimweg mit Heu beladenen Pferdefuhrwerken. Oder die Milch in der Chäsi, die vom anliefernden Bauern direkt im Milchkesseli bezogen werden konnte. Alles längst passé.

Dafür sind die Wiesen mit Gülle auf Hochleistung getrimmte grüne Einöden ohne Blumen. Kein Platz für Sträucher und Hecken, für unnötige Insekten, Vögel und Kleingetier. Ausgeräumte, aufgeräumte Natur. Die Milchkühe sind zu Kraftfutter fressenden Milchmaschinen verkommen, die ohne Hörner auch noch doofer in die Welt gucken. Und plötzlich gibt es sogenannte Wiesenmilch zu kaufen. Da gerät ein Bild in Schieflage.

Nun soll «Lovely» wieder helfen. Fitter soll sie daher kommen. Als glückliche, gehörnte Kuh einfach auf einer Wiese stehen, vergnügt vor sich hin fressen und nicht all zu dumm in die Welt gucken. Imagekampagnen können so wundervoll positive Bilder ins Nichts zaubern. Ich bin gerne bereit auch der Gesundheit zuliebe für qualitativ gute Leben(s)-Mittel, die auch unter breiten ökologischen Aspekten produziert werden, deutlich tiefer in die Tasche zu greifen. Nur soll das dann auch direkt den Bauern zugutekommen. Wie beim Schweizer Wein, wo eine Mengenbegrenzung zu Gunsten der Qualität seinen Preis hat und der Erfolg zu recht stolze Bauern gut leben lässt. «Komm, lieber Mai, und mache die ...»

Otto Leuenberger, ehem. Leiter Freizeitzentrum Obwalden und «Jungpensionär», aus Giswil äussert sich an dieser Stelle abwechselnd mit anderen Autoren zu einem selbst gewählten Thema

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