LUKE GASSER: «Jede neue Idee weckt zuerst Verdacht»

Seit April wirkt Luke Gasser als Chef des Regionalentwicklungsverbandes (REV) Sarneraatal. Mit «Bergarena» hat er ein erstes Projekt lanciert, das aber an den «administrativen Hürden» anstehe.

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Luke Gasser am Nordende des Lungernsees seiner Heimatgemeinde Lungern. (Bild Markus von Rotz/Neue OZ)

Luke Gasser am Nordende des Lungernsees seiner Heimatgemeinde Lungern. (Bild Markus von Rotz/Neue OZ)

In ihrer Antrittsrede als Regionalmanager des Regionalentwicklungsverbands (REV) Sarneraatal sagten Sie: Im Steuerwettbewerb wird Obwalden zunehmend von anderen Kantonen konkurriert. Um die Jungen in Obwalden zu halten und Zuzüger anzulocken, brauche es noch anderes. Was genau?
Luke Gasser: Zusätzlich müssen Angebote geschaffen werden, die den Wohnraum attraktiv machen. Die Steuerstrategie mit der Flat Rate Tax ist zwar die Hardware. Es braucht aber auch eine Software. Für deren Entwicklung kann der REV eine wichtige Rolle spielen: Wir können in Ideen investieren, die den Lebensraum und die Wohnqualität aufwerten. Allerdings: Unsere Mittel sind beschränkt. Wir können keine Fabriken ansiedeln.

Wo soll investiert werden?
Gasser: In den Tourismus und die Freizeitangebote beispielsweise. Viele reden zwar davon. De facto aber wird sehr wenig unternommen. Die Zahlen indessen sprächen für sich: Im Raum von Luzern bis zur italienischen Grenze wird rund 25 Prozent des Umsatzes im Tourismus generiert. Tourismus- und Freizeitangebot können Obwalden attraktiver machen.

Sanfter Tourismus à la Bergarena?
Gasser: Beispielsweise. Uns fehlen nicht die Hoteliers, sondern eine Plattform wie die Bergarena, die Natursportangebote schafft und damit unser Wanderwegnetz bekannt macht.

Das Projekt Bergarena ist angelaufen?
Gasser: Von unserer Seite her können wir starten. Ein Businessplan mit Strategie und Budget ist ausgearbeitet. Jetzt liegt der Ball beim Kanton, der im Namen des Bundes dieses Projekt zuerst bewilligen muss. 

Welche Zielgruppen sehen Sie?
Gasser: Das Zielpublikum soll möglichst breit fokussiert werden. Das Angebot muss so reichhaltig sein, dass sowohl die Familie als auch der Biker auf seine Rechnung kommen. Mit dem Titlis und dem Pilatus haben wir zudem zwei top Aushängeschilder. 

Sind die Obwaldner zu bescheiden?
Gasser: Punkto Landschaft schon. Ihre Schönheit wird zwar in vielen Jodelliedern gerühmt. Doch wirklich bewusst sind wir uns unserer einmaligen Natur nicht, zumindest nicht im Sinne eines Marketings. Das ist schon Bescheidenheit – oder böser ausgedrückt Ignoranz.

Eine Zwischenbilanz nach vier Monaten: Gefällt Ihnen Ihr neuer Job als Regionalmanager?
Gasser: Die Arbeit ist sehr spannend, wenn auch nicht immer einfach. Denn in der Schweiz herrscht die Tendenz vor, jemanden zu bremsen, bis ihm schliesslich die Lust vergeht. Als Kulturschaffender habe ich mich mehrmals mit Fördergelder befasst. Ein solcher Gang war jeweils widrig und demotivierend. Doch immerhin hat mich diese Erfahrung abgehärtet. Bei der Regionalpolitik ist die Mentalität zwar etwas besser. Doch auch hier heisst es zuerst: Man muss sich durch Hunderte von Formularen durchbeissen. Mich dünkt: Jede neue Idee weckt in unserem Land zuerst einmal Verdacht. Damit aber wird viel verpasst.

Zum Beispiel?
Gasser: Bei der Bergarena ist bald der Punkt erreicht, wo ein REV-Jahresbeitrag verdiskutiert worden ist, ohne dass eine Lösung erreicht wurde. Die administrativen Hürden sind immer hoch. Manchmal scheint mir, dass hier die Leistung und Erfahrung des REV und von Fachleuten ignoriert wird. Dabei erlauben wir uns sicherlich keinen Schnellschuss. Die Beurteilung der Bergarena muss verhältnismässig bleiben. Der administrative Aufwand darf nicht grösser und teuerer sein als das Projekt selbst. 

Interview Urs Rüttimann

Das ausführliche Interview lesen Sie am Donnerstag in der Neuen Obwaldner Zeitung.