Lungerersee-Konflikt scheint entschärft

Liegengebliebener Abfall, wild parkierte Autos am Lungerersee: Nun wurden Ideen entwickelt, um dem Problem Herr zu werden.

Matthias Piazza
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Rund um den Lungerersee soll unter anderem das Litteringproblem angegangen werden .

Rund um den Lungerersee soll unter anderem das Litteringproblem angegangen werden .

Romano Cuonz (Kaiserstuhl, 22. April 2020)

Mehr Kontrollen der Ufer, Parkplatzverbote, Uferzonen während der Laichzeit für die Fischer zu sperren: Das sind Ideen, welche die Diskussionsteilnehmer, mit Vertretern der Gemeinde, der Lungerersee AG als Betreiberin des Fischerparadieses, der Fischerfreunde und Glois Bürgi verabschiedet haben. Der Betreiber des Camping Obsee vertrat die 525 Petitionäre, die eine massvolle Befischung des Lungerersees fordern. Für Anwohner und Umwelt sei mit dem regen Fischereitourismus eine nicht tolerierbare Grenze überschritten worden, begründeten sie ihre Petition, die sie am 30. Januar einreichten (wir berichteten).

Am runden Tisch habe eine sehr konstruktive Diskussion stattgefunden, erzählt Gemeindepräsidentin Bernadette Kaufmann-Durrer, die krankheitshalber nicht teilnehmen konnte und durch den Geschäftsführer der Einwohnergemeinde, Markus Bider, vertreten wurde. «Viele Leute lassen einfach ihren Abfall liegen und parkieren wild. Das Ausmass hat eine Schmerzgrenze überschritten», weiss sie. Das Phänomen habe in der Coronakrise noch zugenommen.

Littering als vordringliches Problem

Zusammen mit der Lungerersee AG ist die Gemeinde nun daran, einen Massnahmenkatalog zu erarbeiten, der bei den Teilnehmern des runden Tisches laut Kaufmann auf Anklang stiess. Priorität hat das Litteringproblem rund um den See. In täglichen Rundgängen wird das Ufer vom liegengelassenen Abfall befreit. Die Gemeinde und die Lungerersee AG teilen sich dabei Uferabschnitte auf. Eine andere Lösung als den Abfall einzusammeln, den Ausflügler achtlos wegwerfen, sieht Bernadette Kaufmann-Durrer nicht. «Büssen kann man solche Übeltäter nur, wenn man sie auf frischer Tat ertappt, was nicht so leicht ist.» Auch das Aufstellen von zusätzlichen Abfallbehältern sei vermutlich keine ideale Option. Die Erfahrung zeige, dass diese von Passanten vermehrt für das Entsorgen von gebührenpflichtigem Haushaltsabfall missbraucht werden. Auch dem Wildparkieren will man die Stirn bieten. Einerseits mit dem Aufstellen von Parkverbotsschildern und andererseits mit zusätzlichen Parkplätzen. Dies bedingt gemäss Bernadette Kaufmann allerdings grössere Schritte wie Umzonungen und eventuell sogar Landerwerb. Das Bewirtschaften der Parkplätze rund um den See sei auch ein Thema, was aber auch bedeutete, dass vermehrt gebüsst werden müsse. Zudem sei diskutiert worden, Tages- oder Jahrespatente nur noch an Fischer zu verkaufen, welche bereits über einen Sachkundenachweis verfügen oder diesen noch machen. Im vergangenen Jahr hat die Lungerersee AG an die Fischer 16'900 Tages- und 860 Jahrespatente verkauft.

Seltene Krötenart soll geschützt werden

Auch Lebensräume von Amphibien und Vögeln sollen besser geschützt und artgerecht gestaltet werden. «Am Lungerersee ist ein Schutzgebiet für Amphibien von nationaler Bedeutung. Diese müssen wir schützen und erhalten», führt Bernadette Kaufmann-Durrer aus. So gibt es eine Option, diesen Uferabschnitt für die Fischer und andere Besucher während der Laichzeit zu sperren. Bis im Spätsommer soll das Abfallproblem gelöst sein, die anderen Massnahmen brauchten wohl etwas mehr Zeit, sagt Bernadette Kaufmann-Durrer, auf den Zeitplan angesprochen. Wenn nötig, werden die Teilnehmer der Diskussionsrunde, die Massnahmen im Herbst neu überprüfen und mögliche weitere Schritte diskutieren und festlegen. «Man hat unsere Anliegen aufgenommen», bilanziert Glois Bürgi vom Petitionskomitee «für eine massvolle Befischung des Lungerersees». «Ich habe ein gutes Gefühl, dass Gemeinderat und die Betreiber des Fischerparadieses die Missstände an die Hand nehmen», so Glois Bürgi.

Petitionär fehlten verbindliche Zusagen

Allerdings hätten ihm verbindliche Zusagen gefehlt, auch was den Zeitpunkt der Umsetzung betreffe. «Passiert bis Ende Jahr nichts, werden wir wieder vorstellig werden», ist für ihn klar. Ein positives Fazit zum runden Tisch zieht auch Monika Vogler. Sie ist Verwaltungsratspräsidentin der Lungerersee AG, der Betreiberin des Fischerparadieses. «Wir konnten anständig miteinander reden und Lösungsvorschläge entwickeln.» Dabei sei man auch zur wichtigen Erkenntnis gelangt, dass der liegen gebliebene Abfall nicht nur von Fischern, sondern auch von Ausflüglern stamme. Nicht so einfach umzusetzen ist ihrer Ansicht nach die Beschränkung der Anzahl Fischer. «Das ist eine politische Frage, die wir nicht alleine klären können.»

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