Lungern

Bergleute feiern ihre Schutzpatronin und gedenken ihres ehemaligen Mitarbeiters

Zum Gedenktag der heiligen Barbara am 4. Dezember lud die Felstechnik Gasser AG ihre Mitarbeitenden in die Pfarreikirche in Lungern ein. Seelsorger Dirk Günther hielt eine einfühlsame Predigt.

Robert Hess
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Seelsorger und Pfarreileiter Dirk Günther segnete Statuen der Heiligen Barbara. Links: Julian von Flüe, der die Feier auf dem Akkordeon begleitete.

Seelsorger und Pfarreileiter Dirk Günther segnete Statuen der Heiligen Barbara. Links: Julian von Flüe, der die Feier auf dem Akkordeon begleitete.

Bild: Robert Hess (Lungern, 4. Dezember 2020)

Während rund 25 Jahren hat der Seelsorger und Pfarreileiter Dirk Günther die traditionelle Barbarafeier der Lungerer Firma Felstechnik Gasser AG in ihren Stollen in der Walchi mitgestaltet. «Aber dieses Jahr ist so ganz anders …», sagte Günther am Freitagvormittag zu den Anwesenden. Er fügte an: «Ich begrüsse Sie deshalb in unserer Pfarrkirche, in der wir mit vielen Kerzen versucht haben, eine Art ‹Stollenatmosphäre› zu schaffen.»

Dreissig mit Maske ausgerüsteten Besuchern gestattete das Coronaschutzkonzept am Vortag den Zutritt zur Barbarafeier in der Pfarrkirche in Lungern. Vertreten waren die Abteilungen Untertag und Sprengbetriebe. Matthias von Ah, CEO der Gasser Felstechnik AG, erklärte: «Es handelt sich dabei um die offizielle Barbarafeier unseres Unternehmens. Der übliche zweite Teil mit Mittagessen und anschliessendem gemütlichen Beisammensein musste allerdings dieses Jahr abgesagt werden.» Nicht Corona zum Opfer gefallen sei jedoch der freie Tag am 4. Dezember für die Mitarbeitenden auf allen Gasser-Baustellen in der Schweiz.

Die Gasser Felstechnik AG Lungern feierte wegen Corona den traditionellen Gedenktag der Bergleute zu Ehren ihrer Schutzpatronin der Heiligen Barbara wegen Corona nicht im Stollen Walchi sondern mit 30 Personen in der Pfarrkirche Lungern.

Die Gasser Felstechnik AG Lungern feierte wegen Corona den traditionellen Gedenktag der Bergleute zu Ehren ihrer Schutzpatronin der Heiligen Barbara wegen Corona nicht im Stollen Walchi sondern mit 30 Personen in der Pfarrkirche Lungern.

Bild: Robert Hess (Lungern, 4. Dezember 2020)

Rückblick auf ein längst vergangenes Maturajubiläum

«Nimm heute unsern Gruss entgegen, an deinem Tag, Sankt Barbara», leitete Dirk Günther die rund einstündige Besinnungsfeier ein, die von Julian von Flüe auf dem Akkordeon einfühlsam und virtuos begleitet wurde. «Steh' uns auch weiterhin zur Seite und hilf uns, wenn ein Unglück naht, du Heilige, du Hilfsbereite», so der Seelsorger weiter.

In seiner Predigt blickte der inzwischen Schweizer gewordene Dirk Günther 15 Jahre zurück, zum 25-Jahre-Matura-Jubiläum in seiner Heimatstadt in Deutschland: «Behaglich bei Essen und Wein waren wir uns einig, dass graue Haare attraktiv sind.» Sätze wie «Ich habe eine eigene Firma, ich habe eine Kanzlei und ich eine Praxis» seien gefallen. Aber plötzlich sei erwähnt worden, dass einer unter ihnen tödlich an Krebs erkrankt sei. Da habe es keinen Grund mehr gegeben, sich in den Deckmantel des Gutgehens einzuhüllen. «Wir konnten einander in die Augen sehen, Gespräche über das wirkliche Leben führen und erkennen, dass wir alle unsere Erfolge und Misserfolge haben. Es gibt Hoffnungen, aber auch geplatzte Träume.» Deshalb die Botschaft des Seelsorgers an die Anwesenden:

«Unser Leben ist ein Cocktail, aber nicht aus Gin und Tonic, sondern aus Höhen und Tiefen, Verantwortung und Versagen.»

Nach der feierlichen Einsegnung einiger Statuen der heiligen Barbara und der Menschen des Unternehmens sprach Dirk Günther die Fürbitten. Und er erinnerte, wie später auch CEO Matthias von Ah, an den schweren Unfall im Unternehmen, bei dem der junge Bauführer Remo Gasser im vergangenen Jahr tödlich verletzt worden war. «Remo ist bei Gott, aber er hat immer seinen Platz bei uns», gedachte Dirk Günther des ehemaligen Mitarbeiters in seinen tröstenden Worten.

Barbarafeier stärkt den Zusammenhalt in der Firma

Matthias von Ah, CEO der Gasser Felsttechnik AG.

Matthias von Ah, CEO der Gasser Felsttechnik AG.

Bild: Robert Hess

Zuversichtlich für das kommende Jahr zeigte sich CEO Matthias von Ah in seinem Schlusswort. «Wir können auf viele gute Aufträge zählen. Packen wir die Herausforderungen an, immer mit der nötigen Vorsicht und unter dem Schutz der heiligen Barbara.»

Diesen Schutz, zusätzlich zu den eigenen Vorsichtsmassnahmen, möchte auch Robert Haas, Leiter des Sprengdiensts, nicht missen. Er ist überzeugt: «Die jährliche Barbarafeier erinnert uns daran und stärkt den Zusammenhalt unter den Menschen in unserem Unternehmen.»

Würdige Feier auch in Alpnach

Auch auf der Baustelle für den Hochwasserentlastungsstollen Sarneraa in Alpnach wäre am 4. Dezember eigentlich das Fest der heiligen Barbara als Schutzpatronin der Mineure, Bergleute und Geologen angesagt gewesen. «Im üblichen Rahmen konnte es aber wegen Corona nicht durchgeführt werden», sagte Roger Sigrist, Projektleiter der Firma Marti Tunnel AG, auf Anfrage. Doch der Feiertag zu Ehren der heiligen Barbara sei bei den Mitarbeitern im Tunnelbau zu sehr verankert, als dass er übergangen werden könne. «Am Freitag ruhte deshalb der Betrieb auf der Marti-Baustelle Alpnach und die Mitarbeitenden zogen einen Feiertag ein», so Sigrist weiter. 

Projektleiter Roger Sigrist, der seit rund 30 Jahren im Stollen- und Bergbau tätig ist, weist darauf hin, dass die heilige Barbara im Tunnelbau als Schutzpatronin verehrt werde. Weil aber am 4. Dezember kein Gottesdienst möglich war, sei Pastoralassistentin Anna Furger vom Pfarramt Alpnach an zwei Vorabenden auf die Baustelle gekommen und habe Gruppen von 15 bis 20 Personen eine würdige Feier mit besinnlichen Worten, Fürbitten und Segnungen abgehalten. Gesegnet wird dabei nicht nur die Statue der heiligen Barbara auf der Baustelle, sondern auch die kleineren persönlichen Figuren, welche die Menschen im Bergbau oft seit vielen Jahren von einer Baustelle zur andern nehmen. (rh)

Durchschlag im Sicherheitsstollen Sachseln am 19. Oktober 2015. Roger Sigrist mit der Statue der Heiligen Barbara (rechts).

Durchschlag im Sicherheitsstollen Sachseln am 19. Oktober 2015. Roger Sigrist mit der Statue der Heiligen Barbara (rechts).

Bild: Philipp Unterschütz