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LUNGERN: Familienvater dank Teamarbeit aus dem Wasser gerettet

Diesen Tag werden viele Badegäste wohl nicht so schnell vergessen. Sie retteten einem deutschen Feriengast das Leben. Mit dabei auch die Herznotfallgruppe.
Marion Wannemacher
Mitglieder der First- Responder-Gruppe bei einer Übung. (Bild: PD)

Mitglieder der First- Responder-Gruppe bei einer Übung. (Bild: PD)

Marion Wannemacher

Einer beispiellosen Rettungsaktion hat der deutsche Feriengast Tobias E. aus der Nähe von Frankfurt am Main sein Leben zu verdanken. Gerade hat der erfahrene Bademeister Godi Amatter das Unfallprotokoll an die Schweizerische Lebensrettungsgesellschaft (SLRG) abgeschlossen. Ob alle Beteiligten den Vorfall an jenem Mittwochabend Ende August so ganz verdaut haben? «Per Zufall beobachtete ich das ganze Geschehen im Wasser genau», berichtet Amatter. «Eigentlich dachte ich nämlich, da seien Kinder dabei, sich gegenseitig unter Wasser zu tunken. Eine Frau, die am Ufer stand, dachte das wohl auch und schimpfte laut», berichtet Amatter.

Badegast tauchte nicht mehr auf

Plötzlich realisierten sowohl Bademeister als auch Badegast, dass es sich gar nicht um Kinder handelte, sondern um einen Erwachsenen, der nicht mehr auftauchte. Was war passiert? Tobias E.* war mit seinem vierjährigen Sohn auf dem Rücken zwölf Meter vom Ufer entfernt in den Lungerersee hinausgeschwommen und ohnmächtig geworden. «Vermutet wird, dass sich der Bub am Hals des Vaters festgehalten und ihm die Schlagadern abgedrückt hat», erklärt Amatter.

Die Frau sprang vom Ufer aus ins Wasser, der Bademeister schnappte sich ein Brett, auf das er den Kopf des Bewusstlosen legte. «In der Lunge war kein Wasser», weiss Godi Amatter, «deshalb ist davon auszugehen, dass er schon bewusstlos war, bevor er ins Wasser sank.» Ein Mädchen kümmerte sich um das vierjährige Kind und rettete es ans Ufer, weitere Badegäste eilten herbei und halfen beim Bergen.

Auch Mirjam Fuchs war an diesem Abend mit ihren beiden Söhnen in der Badi. Als Mitglied der Herznotfall­gruppe Lungern (First-Responder) handelte sie schnell und überlegt: «Eine Kollegin aus dem Ort beatmete den Mann bereits im Wasser. Mir war klar, dass er aus dem Wasser musste. Die Bekannte setzte die Beatmung fort, ich übernahm die Herzmassage, eine weitere Frau aus Lungern hielt die Schaulustigen in Schach.» Noch bevor fünf Minuten vergangen waren, traf Sandra Schallberger, Leiterin der First-Responder-Gruppe, mit dem Defibrillator ein, auch drei andere aus der First-Responder-Gruppe eilten dazu. Schnell war der Defibrillator vor Ort. Schon bald fing der Verletzte an, selbstständig zu atmen, allerdings war er zu diesem Zeitpunkt ohne Bewusstsein. Bald danach trafen der Rapid Responder sowie Ambulanz und Rega ein. Der Badegast, bei dem es sich um einen 35-Jährigen aus der Nähe von Frankfurt am Main handelt, wurde ins Kantonsspital nach Luzern geflogen.

Sonja E., der Ehefrau des Verunglückten, war zunächst gar nicht klar, dass es um ihren Mann ging. Da ihr Mann nichts zur Rettung sagen kann, tut sie es. Sonja E. ist voll des Lobes für die First-­Responder und die ganze Rettungs­aktion: «Wir hatten das Glück, dass jemand aus der Gruppe selbst im Schwimmbad war. Alles lief Hand in Hand. Von der sofortigen Reanimation und dem schnellen Handeln der First-Responder bis zum Abtransport durch den Heli hat alles super geklappt. Jeder wusste, was zu tun war.» Auch danach sei sie nicht allein gelassen worden, erzählt die Deutsche dankbar. Sie habe zu ihrem Mann ins Spital fahren können, während ihre Kinder gut versorgt gewesen seien.

«Unendlich dankbar»

In der Nacht dann erlangte Tobias E. wieder sein Bewusstsein. Er hat keine Schäden davongetragen. «Wir sind natürlich allen Helfern unendlich dankbar und konnten uns zum Glück bei allen persönlich bedanken», berichtet Sonja E. Das Ereignis ist den meisten nachgegangen. «Es war eine Riesenerleichterung, dass er überlebt hat», erzählt Mirjam Fuchs. Es war ihre erste Herzmassage an einem Verletzten. «Natürlich hat es mich danach emotional total aufgewühlt, aber in dem Moment funktioniert man einfach.» Ihren Anteil an der Rettung sieht sie für gering an: «Ich kam ja erst an vierter Stelle, da waren so viele vor mir, die halfen.»

Die Augen offen halten

Was Bademeister Godi Amatter zu denken gibt: «Das gibt es immer mal wieder, dass Erwachsene ihre eigenen Fähigkeiten überschätzen und sich und ihre Kinder in Gefahr bringen. Ich sehe jeden Tag Eltern, die mit ihren Kindern mit Schwimmhilfen auf den Sprungturm gehen.» Für sich selbst hat Amatter eine Quintessenz gefolgert: «Der Vorfall zeigt, wie wichtig es ist, gerade am Wasser die Augen offen zu halten und im Rahmen der eigenen Möglichkeiten zu reagieren. Man darf auf keinen Fall die Aufsichtspflicht abtreten und an andere dele­gieren. Unfälle in Bädern sind selten, aber wenn sie passieren, sind sie tragisch.»

Mit Lungern verbindet die deutsche Familie aus Südhessen sehr viel: «Wir fahren schon seit drei Generationen jedes Jahr nach Lungern. Natürlich war das ein schreckliches Erlebnis für uns alle, aber es hat uns gezeigt, das Lungern wirklich ein tolles Dorf ist. Hilfsbereitschaft wird grossgeschrieben. Und auf die First-Responder können Sie mehr als stolz sein.» Der Tag der Rettung ist nun in der Familie E. der zweite Geburtstag von Tobias. Und für die vier ist der nächste Besuch in Lungern bereits in Planung.

* Namen der Redaktion bekannt.

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