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LUNGERN: Gemeinderat Lungern: Kandidatensuche ist ein Marathonlauf

Niemand hat bis zum Ende der Eingabefrist für den freien Gemeinderatssitz kandidiert. Das ist nicht das erste Mal. Der Gemeindepräsident hofft auf eine Verbesserung dank des neuen Gemeinderatsmodells.
Matthias Piazza
Andreas Kammer kandidiert für die FDP als Gemeinderat. (Bild: PD)

Andreas Kammer kandidiert für die FDP als Gemeinderat. (Bild: PD)

Matthias Piazza

matthias.piazza@obwaldnerzeitung.ch

Der Gemeinderatssitz, der durch den Rücktritt von Josef Vogler (CVP, Gemeindepräsident) Mitte Jahr frei wird, kann doch noch besetzt werden. Die FDP portiert Andreas Kammer (48), Betriebsleiter der Rehaklinik Hasliberg. Er dürfte wohl als Gemeinderat am Sonntag still gewählt sein. Denn bis zum Eingabeschluss am 24. Januar hat sich kein einziger Kandidat gemeldet. Deshalb könnte nun theoretisch jeder kandidieren. Das Rennen macht der Kandidat mit den meisten Stimmen. Auch Remo Freiburghaus, der an der letzten Ersatzwahl im vergangenen November Bernadette Kaufmann-Durrer von der CSP unterlag, hat nicht kandidiert. Nach dieser Niederlage sei eine erneute Kandidatur kein Thema, meinte er dazu.

Dass man in Lungern keinen oder nur mit Mühe einen Nachfolger für einen zurücktretenden Gemeinderat findet, ist nichts Aussergewöhnliches. Bereits im April 2016 liess sich bis zum Ablauf der Eingabefrist niemand für das Amt des Gemeinderates begeistern. Der Wahlzettel war leer. Für den Sitz des zurückgetretenen SVP-Gemeinderates Bruno Bürgi wollte sich innert Frist schlicht kein offizieller Kandidat für das Amt zur Verfügung stellen. Die Bürger durften so nach Belieben eine Person aus Lungern wählen.

Am meisten Stimmen machte Albert Amgarten. Seit der Wahl Josef Voglers zum Gemeindepräsidenten 2009 haben insgesamt acht Wechsel im siebenköpfigen Lungerer Gemeinderat stattgefunden. Dabei gab es nur zweimal eine Kampfwahl, wie die Gemeinde auf Anfrage mitteilt.

«Ich staune immer wieder: Zurücktretende Gemeinderäte sprechen immer von der tollen Erfahrung, die sie nicht missen wollten. Wenn aber ein Sitz frei wird, hat niemand aus dem Volk Interesse an diesem Amt», sagt Gemeindepräsident Josef Vogler. Es liege in der Natur der Sache, dass es in der bevölkerungsmässig kleinsten Gemeinde Obwaldens mit etwa 2100 Einwohnern schwieriger sei, Gemeinderäte zu finden. Daneben ortet er für das mangelnde Interesse noch weitere Gründe. «Die Leute sind in der heutigen Zeit weniger bereit, sich für ein öffentliches Amt zu engagieren, oder es lässt sich nicht mit dem Beruf vereinbaren. Viele Lungerer arbeiten auswärts.»

Gemeinderäte müssen auch tagsüber ihres Amtes walten

Der Zeitaufwand für das Amt des Gemeinderates entspricht einem Pensum zwischen 13 und 30 Prozent (Gemeindepräsident). Die Arbeit des Gesamt-Gemeinderates entspricht einem 135-Prozent-Pensum.

Im Zweiwochenrhythmus finden abends Gemeinderatssitzungen statt. Daneben müsse ein Gemeinderat oft auch tagsüber seines Amtes walten, so etwa bei Klausursitzungen. «Dass nicht jeder Arbeitgeber bereit ist, seinen Mitarbeiter für das Amt des Gemeinderates freizustellen, ist verständlich», erklärt Josef Vogler, der als Selbstständiger dieses Problem nicht kennt. Auch zwei weitere Gemeinderäte sind Unternehmer, drei sind angestellt, und eine Gemeinderätin unterrichtet noch Teilzeit.

Sind sieben Gemeinderäte zu viel?

Selbst aktiv werde der Gemeinderat bei der Suche nach Kandidaten aber nicht. «Das überlassen wir den Parteien, welche ihr Möglichstes tun.» Die Frage, ob eine Gemeinde mit 2100 Einwohnern sieben Gemeinderäte brauche, tauche immer wieder auf. «Der Vorteil bei einem Siebnergremium sind die kleinen Pensen. Die Belastung können wir so auf verschiedene Schultern verteilen.» Auch sei die Meinungsvielfalt grösser.

Die Gemeinde Lungern hat gerade eine kleine Reform hinter sich. Mit dem Geschäftsführungsmodell, wie man es schon von anderen Gemeinden kennt, ist der Gemeinderat nur noch strategisch tätig, das Tagesgeschäft bewältigen die Mitarbeiter der Gemeindeverwaltung unter der Leitung des Geschäftsführers. Beispielsweise muss sich der zuständige Gemeinderat nicht mehr um die Abwicklung eines Bau- oder eines Sozialhilfegesuchs kümmern. So ist es zumindest vorgesehen. «Wir können nicht einfach einen Schalter umlegen, diese Systemumstellung braucht ihre Zeit», gibt Josef Vogler zu bedenken. Doch wenn die neue Organisation greife, erhoffe er sich, dass das Amt des Gemeinderates für die Bürger wieder attraktiver werde.

«Habe gefühlt vierzig Frauen angefragt»

Helen Imfeld kann von der schwierigen Kandidatensuche ein Lied singen. «Ich habe gefühlt vierzig Frauen angefragt», blickt die CSP-Ortsparteipräsidentin auf das vergangene Jahr zurück, als sich die CSP das Ziel setzte, den Sitz des zurückgetretenen Gemeinderates Marc Vogler (FDP) mit einer Frau zu besetzen. «Es ist schwierig, Leute für ein Gemeinderatsamt zu begeistern, die Frauen trauen sich das Amt nicht zu, die Männer wollen nicht oder haben keine Zeit.» Nicht zuletzt deshalb habe man auf eine eigene Kandidatur verzichtet. Die CSP unterstützt zusammen mit der CVP und der SVP die Kandidatur Kammers.

«Wir gingen in unseren Reihen nicht auf Kandidatensuche, da wir schon zwei Gemeinderäte stellen», sagt FDP-Ortsparteipräsident Hanspeter Gasser. «Andreas Kammer, der bis anhin keiner Partei angehörte, meldete sich von sich aus. Das ist ein Glücksfall. Sehr gerne haben wir ihn in unserer Partei aufgenommen.» Das eher geringe Interesse am Amt des Gemeinderates erklärt er sich so: «Als Gemeinderat ist man oft der Sündenbock. Und diese Rolle ist eben nicht sehr beliebt.»

Hanspeter Gasser wünscht sich, dass die Trennung zwischen Strategischem und Operativem vorangetrieben wird. «Die Gemeinderäte sind noch viel zu stark operativ tätig», bemängelt er. Auch eine Verkleinerung des Gemeinderates von sieben auf fünf Mitglieder könnte seiner Meinung das Personalproblem entschärfen.

«Parteien brauchen eigene Leute im Gemeinderat»

«Niemand will sich mehr für die Öffentlichkeit engagieren», stellt auch Niklaus Vogler fest, Präsident der CVP Lungern - jener Partei, welche mit dem Rücktritt Josef Voglers einen ihrer drei Gemeinderatssitze verliert. «Unsere Ortspartei war schon ziemlich eingespannt mit den Kantonsratswahlen, das erschwerte die Suche nach einem künftigen Gemeinderat zusätzlich.» In der Verkleinerung auf ein Fünfergremium sieht er die Lösung nicht. «Damit würde die Arbeitslast der Gemeinderäte nur zunehmen.» Andreas Kammer als fähigen Kandidaten unterstütze man sehr gerne. Doch parteiübergreifende Kandidaturen sind für Niklaus Vogler nicht die Wunschlösung. «Die Parteien brauchen eigene Leute im Gemeinderat, welche idealerweise später auch ihre Partei im Kantonsrat vertreten.»

«Das ist grausam mühsam», sagt Walter Bürgi, Präsident der SVP Lungern, zur Kandidatensuche. «Alle erteilten uns eine Abfuhr, wie bei den Kantonsratswahlen.» Lungern stellt als einzige Obwaldner SVP-Sektion keine Kantonsratskandidaten. «Gute Leute hätten wir schon, aber sie wollen sich nicht für ein politisches Amt engagieren, oft fehlt es ihnen an der Zeit.»

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